Aufsatz 
Die Weihe des Kynikers Maximus zum Bischof von Konstantinopel in ihrer Veranlassung dargestellt / von Konrad Lübeck
Entstehung
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Kaiser Gratians zurückgerufen,¹) und sofort war er diesem Rufe gefolgt. Es war ihm sicher- lich eine große Freude, wiederum seiner Gemeinde vorstehen und für deren, von rührigen Geg- nern so sehr gefährdetes Wachstum sorgen zu können. Alsbald machte er sich daran, den ver- waisten Kirchen seines Anhanges neue Bischöfe zu geben und so die alten Bande religiöser Zusammengehörigkeit zu befestigen und zu erneuern. Den Diodorus machte er zum Bischofe von Tarsus, den Johannes zum Bischofe von Apamea, den Stephanus zum Bischofe von Ger- manicia. Sein Freund Eusebius von Samosata, derselbe, welchen einst Petrus von Alexan- drien mit ihm vor Papst Damasus als Arianer bezeichnet hatte, unterstützte ihn bei diesem Werke der meletianisch-kirchlichen Restauration. Er weihte den Acacius zum Bischofe von Beröa, den Theodotus zum Bischofe von Hierapolis, den Eusebius zum Bischofe von Chalcis, den Isi- dorus zum Bischofe von Cyrus,(im Jahre 379) den Eulogius zum Bischofe von Edessa. Gerade stand er im Begriffe, den Maris auf den bischöflichen Stuhl von Doliche zu erheben, da starb er bei seinem Einzuge in die Stadt von der Hand eines arianischen Weibes, welches eine Ziegel vom Dache auf sein Haupt warf, eines schnellen und tragischen Todes. ²) Die Sache des Me- letius erlitt damit einen umso empfindlicheren Verlust, als auch ihre andere Hauptstütze, Basi- lius von Caesarea, am 1. Januar 379 ³) aus dem Leben geschieden war.

Die zielbewußten Bemühungen der Meletianer blieben natürlich nicht ohne Einfluß auf das Verhalten ihrer Gegner. Damasus von Rom stand noch immer auf der Seite des Pauli- nus. Er blieb ihm auch treu, als eine im September oder Oktober 379 zu Antiochien abge- haltene Synode der Meletianer alle vom Abendlande in den letzten Jahren erhaltenen bekennt- nisartigen Schriftstücke unterzeichnet nach Rom gesandt) und so äußerlich mit ihm Frieden und Kirchengemeinschaft zu schließen gesucht hatte. Diese seine entschiedene und unwandel- bare Haltung machte aber schließlich auch im Oriente Eindruck und mehrte die Zahl der An- hänger Paulins. So schloß sich diesem Hieronymus, der um das Jahr 379 das Eremitenleben auf- gegeben hatte und nach Antiochien zurückgekehrt war, an und ließ sich von ihm die Priester- weihe erteilen.) Seinem Beispiele folgte bald sein Freund Evagrius, der längere Zeit geschwankt und vergebens zwischen Paulinus und Meletius bei Basilius von Cäsarea zu vermitteln gesucht hatte.¹) Paulinus fühlte sich bald so stark, daß trotz der noch verhältnismäßig kleinen Zahl) seiner Anhänger, als Meletius nach seiner Rückkehr ihm im Interesse des kirchlichen Friedens den Vorschlag unterbreitete. nach dem Ableben des einen von ihnen solle der andere sein Nachfolger werden, er dieses Anerbieten kurzweg ablehnte.¹) Mit einem solchen Vertrauen in seine Sache erfüllte ihn seine Freundschaft mit Rom.

1) Sokr. V 5. Die Zurückberufung erfolgte nach dem Tode des Valens.

²) Theodoret. V 4. Chron. Edess. bei Assemani, Bibl. orient.(Romae 1729) I 398. Eine Liste der in den Jahren 363 und 372 zu Meletius haltenden Bischofssitze s. bei Cavallera p. 209 s.

³) Rauschen S. 476 f. Loofs S. 49.

*) Vgl. über diese Synode Rade S. 114 fl. Rauschen S. 47 f.

*) Grützmacher S. 175.

) Basil. ep. 156. 319. 325. Cavallera p. 153 s. 158 ss. 183.

*) Vgl. Rufin. I 30. Basil. ep. 66. 67. 69.

³) Sokr. V 5. Sozom. VII 3. Theodoret. V 3. 23. So verschiedenartig im einzelnen die Berichte sind, in der Erwähnung des Vorschlages stimmen alle überein. Nur wurde dieser nach Sozom.