Aufsatz 
Die Weihe des Kynikers Maximus zum Bischof von Konstantinopel in ihrer Veranlassung dargestellt / von Konrad Lübeck
Entstehung
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bei Damasus herbeizuführen. Jedoch umsonst. Nur freundliches, ihn allerdings nicht wenig ermunterndes Entgegenkommen fand er, nicht aber ein Aufgeben der getroffenen Entscheidung. ¹) Im Jahre 377 versuchte er daher abermals sein Ziel zu erreichen und zwar durch die beiden Presbyter Dorotheus und Sanktissimus, welche einen an die dortzot gerichteten, diplomatisch abgewogenen Brief ²) überbrachten und auch mündlich die Sache des Meletius vertreten sollten. In dem Briefe wies Basilius mit wehmütigen Worten hin auf eine große Gefahr, welche dem nicänischen Glauben des Orientes durch neue Irrlehrer erstanden sei, und forderte die abend- ländischen Brüder eindringlich auf, ihm im Kampfe gegen dieselben zu helfen. Als diese Irr- lehrer, welche der Orthodoxie verhängnisvoll entgegenarbeiteten, bezeichnete er sodann den Eustathius von Sebaste, den Apollinaris von Laodicea und den Gegner des Meletius, Paulinus von Antiochien. Letzterer vertrete die so überaus verderblichen Irrtümer des Marcellus von Ancyra. Diese Männer möge das Abendland als Ketzer brandmarken und deren Verurteilung den Gemeinden des Morgenlandes kundtun.Denn unser Urteil ist den meisten verdächtig, als ob wir etwa wegen persönlicher Zwistigkeiten gegen sie niedrige Gesinnungen hegten; ihr aber genießet, je ferner ihr wohnet, desto mehr das Vertrauen der Menge.

Das Schreiben des Basilius war zwar klug berechnet, aber doch zu durchsichtig, als daß der römische Bischof sein Ziel und seinen Zweck nicht hätte erkennen müssen: man hoffte durch eine Verurteilung des Paulinus wenigstens eine indirekte Anerkennung des Meletius sei- tens des Abendlandes herbeizuführen. Damasus durchschaute denn auch den Brief und blieb bei seiner Ablehnung des Meletius trotz der heftigen Angriffe auf Paulinus seitens der orien- talischen Gesandten. Es muß damals vor ihm sogar zu sehr hitzigen Scenen gekommen sein und zwar infolge des eifrigen und energischen Eintretens des Petrus von Alexandrien für seinen Freund Paulinus. Schon die wiederholten Bemühungen des Basilius, Meletius die An- erkennung Roms zu erringen und damit dessen Sache im Oriente zum Siege zu verhelfen, mochten nämlich den alexandrinischen Bischof nicht wenig gereizt haben, zumal sie für diesen nichts anderes als einen Versuch bedeuteten, der hinsichtlich des antiochenischen Schismas tra- ditionellen Politik Alexandriens eine Niederlage zu bereiten. Mußte diese Tendenz nun schon Petrus zu schroffem Widerstande treiben, so mußte sich diese Opposition naturgemäß noch steigern, als Paulinus von Basilius in dem neuen Schreiben unverblümt des Marcellianismus ³) beschuldigt wurde. Denn diese Anklage ließ alle Anhänger des Antiocheners, und nicht zuletzt auch den Petrus, mindestens als Begünstiger und Verteidiger häretischer Lehren erscheinen, ein Vorwurf, welcher den Alexandriner begreiflicherweise erregen und zu leidenschaftlichem Vorgehen veranlassen mußte. Er zahlte deshalb Basilius und seiner Gesandtschaft mit der

¹) Von einerentente cordiale, die sich jetzt zwischen Orient und Occident herausgebildet habe (Cavallera p. 189), kann wohl keine Rede sein. Die Freude des Basilius(ep. 253. 255. 256.) beruhte auf einer Uberschätzung der römischen Antwort..

²) Basil. ep. 263. Rade S. 110 ff.

³) Uber dessen dunkle dogmatischen Anschauungen und deren verschiedenartige Wertung seitens des Morgen- und Abendlandes vgl. Th. Zahn, Marcellus v. Ancyra(Gotha 1867) S. 38 flf. 49 fl.

Harnack, Dogmengeschichte IIS. 235 Anm. 1. 2