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Frage nach dem Verhältnisse des Logos zum Vater die Formeln der älteren nicänischen Väter, speziell des Athanasius von Alexandrien. Die Meletianer aber bekannten sich zu der fortge- schrittenen Theologie der Jung-Nicäner, näherhin der drei großen Kappadocier, und unterschieden sich somit in der Terminologie der Logoslehre, nicht aber sachlich, von den Paulinern. ¹) Unter diesen Umständen erklärte sich Athanasius, der ausgesprochene Führer und Repräsentant der alt-nicänischen Partei, welcher sich schon im Jahre 346 bei einem Aufenthalte in Antiochien den Eustathianern angeschlossen hatte, ²) immer offener für Paulinus,) während der Obermetro- polite Basilius von Caesarea sich mit den Meletianern verband. Auf die Seite der letzteren trat fast der gesamte Orient, die ägyptischen Bischöfe aber sowie das Abendland mit dem Bischofe Damasus von Rom an der Spitze hielten zu Athanasius von Alexandrien. ⁴)
Ein einträchtiges Zusammengehen der Bischöfe von Rom und Alexandrien bestand schon seit den Tagen des Demetrius, welcher den Origenes auf mehreren ägyptischen Synoden verurteilt und diese Sentenz dem Papste Pontianus(230— 235) zur Bestätigung unterbreitet hatte.) In der Folge waren diese Beziehungen noch vertieft und befestigt worden besonders unter Athanasius, der im Jahre 340 zu Papst Julius geflüchtet war und in ihm einen treuen Bundesgenossen im Kampfe gegen den Irrtum und gegen die kaiserliche Herrschsucht gefunden hatte.¹) Seit dieser Zeit, stand Athanasius in der engsten Verbindung mit dem obersten Bi- schofe des Abendlandes. Dieses Bündnis zwischen den Kirchen von Rom und Alexandrien blieb auch bestehen, als der heldenmütige Verteidiger des Nicänums am 2. Mai 373 gestorben und Petrus sein Nachfolger auf dem ägyptischen Patriarchalstuhle geworden war. Von den Arianern nämlich(374) vertrieben, ging Petrus nach Rom und suchte bei dem Papste Dama- sus Trost und Unterstützung.¹) Er fand beides: Damasus nahm sich seiner während seines vier- jährigen Aufenthaltes liebevoll und tatkräftig an.
¹) Über den dogmatischen Unterschied zwischen Alt- und Jung-Nicänern vgl. Th. Zahn, Marcellus von Ancyra(Gotha 1867) S. 10— 32; A. Harnack, Lehrbuch d. Dogmengeschichte(Freiburg 1894) II4 252 ff. Derselbe beruhte auf einer Umwertung der Bezeichnungen 05ia und ödstaate bezw. auf einer Verschiedenheit des spekulativen Standpunktes. Cavallera p. 303 ss. hat neuerdings diesen Unterschied ge eugnet, F. X. v. Funk(Theol. Quartalschrift Bd. 88[1906] S. 633) hat seiner Beweisführung zugestimmt. Wie uns scheint, mit Unrecht; vgl. unsere Bemerkungen in der Theol. Revue 1906 Nr. 20 Sp. 613.
)s Sokrat. hist. eccl.(Migne SG LXVII) II 23. Sozom. III 20. Theodoret II 9. Rufin. hist. eccl.(Migne) I 19.
³) Uber den tomus. ad Antiochenos vom J. 362, worin Athanasius für(den damaligen Dresbyter) Paulinus Partei ergreift, vgl. Krüger a. a. O. S. 48 ff. UÜber ergebnislose Unterhandlungen zwischen Athanasius und Meletius(363) s. Cavallera p. 127 s; über den Briefwechsel zwi- schen Basilius von Cäsarea und Athanasius(371) s. M. Rade, Damasus, Bischof von Rom (Freiburg 1882) S. 81 ff.
*) Kirchen-Lex. VIII 1230 f.
³) J. Langen, Geschichte der römischen Kirche bis zum Pontifikate I, eo's I. Bonn 1881) S. 267 f. Harnack a. a. O. II5 259 Anm. 4.
⁴) UÜber die Bedeutung dieses Bündnisses s. P. Rohrbach(„Die Patriarchen von Aletandrion) in Preuss. Jahrbücher Bd. 69(1892) S. 65 ff.
7) Hefele I:² 740. Langen a. a. O. S. 545.


