Aufsatz 
Die Weihe des Kynikers Maximus zum Bischof von Konstantinopel in ihrer Veranlassung dargestellt / von Konrad Lübeck
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

nicht ab. Sie begaben sich vielmehr in die Wohnung eines Flötenspielers und setzten dort die Weihe fort, indem sie, wie Gregor selbst mit bitterer lronie bemerkt, das wichtige Geschäft vornahmen, dem Maximus sein schön gepflegtes Lockenhaar abzuschneiden. ¹)

Gregors Vertrauensseligkeit und mangelhafte Menschenkenntnis hatte durch diese hinter- listige und abenteuerliche Weihe eine empfindliche Strafe erlitten, sein Ansehen in der Gemeinde war stark geschwächt. Weit bitterer aber als diese Verdemütigung war für ihn der Umstand, dabß die Ordination mit Wissen und im Auftrage des Bischofs Petrus von Alexandrien erfolgt war, ²) desselben Petrus, welcher ihn nach seiner Ankunft in Konstantinopel in einem Schreiben freundschaftlich begrüßt und in seiner Stellung anerkannt hatte.²) Wer oder was wohl den Alexandriner zu einem so befremdenden Gesinnungswechsel, zu einer solchen Treulosigkeit, zu

einer solch heimtückischen Handlungsweise veranlaßt haben mochte? Gregoc spricht in seinen Schriften seine Ansicht darüber nicht näher aus. Er sagt¹) nur ganz allgemein, derH 6vOC habe den Petrus zu seinem eigenartigen Vorgehen verleitet. Wir brauchen wohl kein Mißtrauen in die Richtigkeit dieses Urteils über jene damals viel erörterte und sogar auf Synoden be- handelte Frage zu setzen. Aber was Gregor unter diesem νοπτι versteht, ob ein bloßes Ubelwollen oder eigentlichen Neid, ist nicht klar ersichtlich und muß evontuell aus anderen An- gaben erschlossen werden. Jedenfalls erscheint Neid, weil völlig unerklärlich, wenig wahrschein- lich. Gregors gleichnamiger Biograph behauptet,) Petrus sei von Maximus bestochen gewesen. Ein derartiges Motiv ist jedoch einmal bei einem Manne wie Petrus undenkbar und dann fehlten dem Maximus wohl auch die Mittel) zu einer solch simonistischen Handlung. Wir müssen also nach anderen Gründen suchen, welche auf Petrus eingewirkt haben dürften, nach Gründen, welche man noch unter die Bezeichnung υνοσσν subsumieren kann. Welches diese aber waren?

Unseres Erachtens ist die Weihe des Maximus veranlaßt worden durch die verschiedenartige Stellung Gregors und Petrus' zum melèetianischen Schisma in Antiochien sowie durch das damals neu belebte Streben Alexandriens nach der kirchlichen Hegemonie über den ganzen Orient.

Suchen wir diese Ansicht im Folgenden näher darzulegen und der Beurteilung sach- kundiger Historiker zu unterbreiten.

¹) Grog. Naz. carmen de vita sua(Migne SG XXXVII) vv. 887 923. Sozom. hist eccl. VII 9.

¹) Greg. carm. cit. vv. 858 865. 896. Thoodoret. hist. eccl.(Migne SG LXXXII) V 8 schreibt: Tih6=os 32 6 re AXSe,dOsoy 2i-oroc, d« II4Soy dideSaro... Aycl vo 2&ε LPonloo Maeν riva XexeIoOTbvnxs zbyizb N. Dies ist entweder ein Irrtum, oder Timotheus befand sich unter den Bischöfen, welche Maximus weihten.. 3

³) Greg. carm. ait. v. 859 ss. Worin die soho*.x ie i5s⸗ bestanden, welche Petrus ebenfalls übersandte(v. 862), entzieht sich unserer Kenntnis.

*) Greg. carm. cit. v. 855.

⁵³) Vita Greg. bei Migne SG XXXV 281.

*) Vgl. Greg carm. cit. v. 870 ss. Ullmann a. a. O. S. 139.