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Zu den letzteren gehörte auch der kynische Philosoph Maximus aus Alexandrien, welcher kurz nach Gregor in Konstantinopel eingetroffen war. Ein Mann von schmachbedeckter Ver- gangenheit, ¹) hatte er hier sein dunkles Vorleben zu verheimlichen gewußt durch die Angabe, daß er aus einer Märtyrerfamilie stamme und auch selbst für den nicänischen Glauben Verban- nung und Schmerzen erduldet habe. Auf eine solche Vorspiegelung hin hatte er naturgemäß sehr bald Vertrauen und Ansehen bei den orthodoxen Familien erlangt und war auch mit Gregor bekannt geworden, welcher wohl in ihm, dem bekenntnistreuen und glaubenseifrigen Philosophen, eine Persönlichkeit von vorzüglich werbender Kraft für seine noch kleine Gemeinde gefunden zu haben glaubte. Trotz seines befremdenden phantastischen und weibischen Auftretens in der Hauptstadt— sein von Natur schwarzes Haar trug er der Mode entsprechend goldblond gefärbt und ließ es in langen, künstlichen Locken herabfallen; seine Schultern umwallte ein grober, weißer Philosophenmantel, in seinen Händen hatte er einen derben Stock— schloß sich Gregor, dessen Predigten er viel besuchte und eifrig lobte, immer enger an ihn an. Er nahm ihn sogar, da er mit der Lebensauffassung der Kyniker sympathisierte ²) in sein Haus und an seinen Tisch auf und zog ihn als seinen intimsten Vertrauten in den wichtigsten Angelegenheiten zu rate, ³) ja er hatte die Schwäche, eine öffentliche Lobrede in der Kirche auf ihn zu halten, ⁴) als Maximus — wohl gegen Ende des Jahres 379— eine Reise nach Alexandrien unternahm.
Ein Jahr ungefähr?) hatte Gregor segensreich in Byzanz gewirkt, da trat ein unerwartetes und für ihn höchst peinliches Ereignis ein. Zu einer Zeit, als er gerade krank danieder lag, kamen ägyptische Bischöfe in der Hauptstadt an und weihten, ohne irgend jemandem davon Mitteilung zu machen, in einer Nacht in Gegenwart vieler ägyptischer AMatroson in der Kapelle Anastasia den Maximus, der nicht einmal Presbyter war,é) zum Bischofe von Kon- stantinopel. Gegen Morgen erst wurde ihr frevles Unternehmen von den in der Nähe der Kirche wohnenden Klerikern gemerkt. Sofort verbreitete sich das Gerücht in der Stadt unid nun strömte alsbald eine Menge von Einwohnern und Fremden, Katholiken und Arianern herbei: die Agypter sahen'sich zu ihrem tiefsten Schmerze genötigt, die liturgische Handlung zu unter- brechen und das Gotteshaus zu verlassen. Doch standen sie deshalb von ihrem Vorhaben noch
¹) Tillemont, Mém. pour servir à l'hist. ecclés.(Bruxelles 1732) IX 198 s.
²) Vgl. darüber J. R. Asmus in: Theol. Studien u. Kritiken Bd. 67(1894) S. 314— 339.
³) Ullmann S. 137 f. Benoit II?² 83—88.
*) Es ist dies Greg. Naz. or. 25: elc Hoivεα&◻έ.⁶ρο vgl. darüber Rauschen a. a. O. S. 54.
³) Die Weihe des Maximus erfolgte nach Damas. ep. 5(Migne SL XIII 365) nach dem Edikte des Theodosius vom 28. Febr. 380(Cod. Theod. XVI 1, 2. Just. I 1,1), aber vor dem 24. Nov. 380, dem Tage der Ankunft des Kaisers in Konstantinopel. Da er den Winter dort zubrachte und Gregor sehr gewogen war(Rauschen S. 62.75. A. Güldenpenning u. J. Ifland, Der K. Theodosius d. Gr. Halle 1878. S. 99 fl.), so ist an eine spätere Zeit nicht zu denken. Wahrscheinlich fiel die Weihe sogar in die erste Hälfte des Jahres; vgl. Rauschen S. 61.
) Nach dem Presbyter Gregor(Migne SG XXXV 280), dem im 10. Jahrh. lebenden Biographen Gregors v. Nazianz, ist Maximus erst nach seiner Ankunft in Byzanz von Gregor getauft und später zum Priester geweiht worden. Beide Angaben sind jedoch durch nichts zu belegen. Vgl. auch Benoit II?² 83 note 1. Tillemont 1. c. IX 330 note 33.


