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und allmählig fortſchreitende Cultur durch anregenden, völlig aufgefaßten Memorirſtoff. Beim Aus⸗ wendiglernen ſoll ſich der Schüler vorzugsweiſe der Hülfe der Ideenaſſociation bedienen, um auch dieſes wichtige Vermögen angemeſſen zu üben und auszubilden; ein bloß mechaniſches, Einprägen der Lektionen iſt nur auf den unteren Klaſſen den jüngeren Schülern zu geſtatten.
Wegen der verſchiedenen Auffaſſungskraft des Gedächtniſſes in Bezug auf Wörter, Sachen, Zahlen, Orte und Perſonen, ſowie in Folge ſeiner ganz eigenartigen Intenſivität thut gerade bei dieſer Anlage eine individuelle Cultur beſonders Noth. Einem jeden Erzieher iſt es bekannt, daß ein Theil ſeiner Schüler leicht behält, der andere dagegen nur mit Mühe lernt, das Eingeprägte aber durchſchnittlich auch noch lange Zeit nachher weiß. Jeder dieſer beiden Klaſſen muß der Lehrer eine beſondere Pflege angedeihen laſſen; der zweiten dient das Memoriren, der erſten das Repetiren. Ueber Schüler, welche von einem einſichtigen Pädagogen gebildet ſind, wird die landläufige Klage, daß die durch den Unterricht erworbenen Kenntniſſe nach dem Eintritt in das Leben ſchnell vergeſſen würden, ſchwerlich geführt werden können.
Für willensſchwache und zu flüchtige Kinder iſt das wörtliche Memoriren, welches oft als Pe⸗ danterie verſchrieen wird, in manchen Fällen von Nutzen. Rein mechaniſche Hülfsmittel beim Aus⸗ wendiglernen, z. B. das ſogenannte Brückenbauen und die anderen Kunſtgriffe der Mnemonik ſind dagegen für die angeſtrebte, allgemeine Bildung völlig nutzlos und gehören nicht in den Bereich der Erziehung.
Das Gedächtniß iſt, wie manche Beiſpiele beweiſen, eines ſehr hohen Grades der Ausbildung fähig. Unzweckmäßige Cultur aber, ſowie Ueberſpannung desſelben, führen Abſtumpfung des Geiſtes, Lähmung der Denkkraft, Nachbeten und Wortkrämerei, Widerwillen gegen ernſte Beſchäftigung, ja ſogar völligen Verluſt der Erinnerung herbei.
Im reiferen Alter beanſprucht die Cultur der verſchiedenen intellectuellen Thätigkeiten, des Verſtehens, Urtheilens und Schließens, die hauptſächliche Sorge des Pädagogen, welcher vor Allem dahin wirken ſoll, die Vernunftthätigkeit zur leitenden im Leben des Zöglings zu machen. Sprachen, Geſchichte und Mathematik geben, wie wir geſehen haben, einen völlig ausreichenden und ange— meſſenen Bildungsſtoff zur Einübung aller Geſetze des logiſchen Denkens und zur Anregung zu einer förderlichen Selbſtthätigkeit. Einen vorzüglichen Werth für die Entwickelung und Stärkung der Ver⸗ ſtandesfunctionen der Schüler hat das Zwiegeſpräch oder der Dialog, welcher dem Lehrer zugleich Gelegenheit bietet, ihren Seelenzuſtand zu ergründen. Mit Recht feiert der engliſche Dichter David TYoung den Nutzen einer gediegenen Unterhaltung in folgenden herrlichen Verſen ſeiner Night-Thoughts.
„Hast thou no Priend to set thy mind abroach, „Good Sense will stagnate. Thoughts shut up want Air, „And spoil, like bales unopen'd to the sun. „Had Thought been All, sweet speech had been deny'd, „Speech, Thought's Canal! Speech, Thought's Criterion too. „Teaching we learn, and giving we retain „The Births of Intellect, when dumb, forgot. „Speech ventilates our intellectual fire. „Speech furnishes our Mental Magazine. u. ſ. w.(Complaint II.)


