14
ling durch den Religionsunterricht gelernt hat, als was er durch denſelben geworden iſt. In keinem Fach braucht die Harmonie aller Seelenkräfte mehr berückſichtigt zu werden, als in der Religions⸗ lehre, und es gehört eine tiefe Erfahrung, ſowie beſondere Sorgfalt dazu, bei der Ertheilung des Religionsunterrichtes, welcher Verſtand und Gemüth gleichmäßig berührt, nicht gegen die Funda⸗ mentalregel unſerer pſychologiſchen Pädagogik zu verſtoßen.
Der Erzieher hüte ſich bei ſeinem Lehramt in gleicher Weiſe vor einſeitiger Einwirkung auf den Verſtand, wie auf das Gefühl; denn Scholaſticismus und Pietismus ſind nach den Lehren der Pſychologie zwei gleich gefährliche Extreme. Verſtandes⸗ und Gefühlsbildung dürfen nur als Mittel zum Zweck gelten. Die eigentliche Aufgabe des Pädagogen im Religionsunterrichte beſteht in der feſten und beſtimmten Richtung des Willens ſeiner Zöglinge auf das Gute. Bedeutende Kenntniſſe in der Gottesgelehrtheit und ſchwärmeriſche Frömmelei paaren ſich, wie die Erfahrung lehrt, zu⸗ weilen mit einem zügelloſen und ruchloſen Leben.
In Bezug auf die durch den Religionsunterricht vermittelte intellectuelle Bildung iſt zu be⸗ denken, daß Einſicht, nicht aber bedeutende Kenntniſſe, die Ueberzeugung des Menſchen und den dauernden Einfluß des Glaubens auf ſein Herz bedingen. Die Einwirkung auf das Gefühl darf gewiſſe Schranken nicht überſchreiten, indem die Beſchränktheit der menſchlichen Anlagen eine
dauernde Ueberſpannung nicht erträgt. Ein fortwährend ſalbungsvoller Ton des Religions⸗ lehrers hat höchſtens quietiſtiſche Gefühlsſeligkeit und Schwärmerei, öfter aber noch Spott und Unglauben bei dem Schüler hervorgerufen. Gerade in dieſem Fach muß die Sprache des Er⸗ ziehers möglichſt klar, einfach und ſachgemäß ſein, dabei aber in Folge ſeiner eigenen, inneren Ueber⸗ zeugung und Erregung ihren Weg in das Herz des Zuhörers nicht verfehlen.
Das beſte Mittel zur Erhebung der Gefühle zu Gott ſind ohne Zweifel gemeinſchaftliche Schulandachten, deren Werth und Bedeutung ſich ſteigern, wenn ſie bei einem beſonders feierlichen Anlaß ſtattfinden. An zweiter Stelle bietet die religiöſe Muſik vorzugsweiſe in Kirchenliedern und in ernſten Chorälen ein Anregungsmittel für die religiöſen Gefühle, welches ſich durch das ganze Leben und oft noch auf dem Todesbette bewährt.
An die Lehre von Gott ſchließt ſich die vom Menſchen. Die Erkenntniß des Menſchen kann allerdings eine verſchiedenartige ſein; für den Zweck pſychologiſcher Schulbildung kommen indeſſen als Geſammtausdruck ſeines Weſens hauptſächlich ſeine Sprache und ſeine Geſchichte in Betracht.
Den Volksſchulen dient die Mutterſprache und die vaterländiſche Geſchichte als Bildungsſtoff; für die gelehrten Anſtalten und die höhere Erziehung treten gewöhnlich noch andere(alte und neue) Sprachen, ſowie Weltgeſchichte hinzu. Sprachen und Geſchichte haben gleich der Religionslehre einen bildenden Einfluß auf alle Geiſtesvermögen, wenn auch auf manche in geringerem Grade. Der formelle Theil der Sprachen fördert vorzüglich die Verſtandesbildung, nlcheeude der Inhalt derſelben das Gemüth berührt.
Vor den anderen Unterrichtsgegenſtänden hade die Sprachen den— Werth für die Aus⸗ bildung des Gedächtniſſes, ſowie die ſtete Verwerthung des Kennens zum Können, die Umbildung der Wiſſenſchaft zur Fertigkeit voraus.
Die Sprache in ſtetig wachſender Klarheit und Beſtimmtheit des Ausdrucks iſt, wie wir be⸗ reits geſehen haben, ein unerſetzliches Mittel und eine unerläßliche Bedingung, um klare Anſchau⸗ ungen und Bilder zu gewinnen.—
Grammatik, Syntax und Synonymik, in welchen ſich innerhalb der Sprache der logiſche Ge⸗


