Aufsatz 
Berührungs-Punkte zwischen Psychologie und Pädagogik
Entstehung
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nicht ermatten, auf die Pflichterfüllung als unumgänglich nöthig fortwährend hinzuweiſen und in derſelben ſeine Schüler unausgeſetzt zu üben, bis ſie leicht und zu einer liebgewordenen Gewohnheit wird. Gelingt ihm ſein Beſtreben, ſo wird ſeine wohlthätige Einwirkung auf die früheren Schüler noch in ſpäteren Jahren bis zum Abende ſeines Lebens ſich offenbaren und durch das Bewußtſein der erzielten Erfolge ſeine mühevolle Laufbahn reichlich belohnen. Das letzte Erziehungsmittel, welches die Pſychologie dem Pädagogen liefert, und das, wie die früheren, ſowohl die Verſtandes⸗, wie die Herzensbildung befördert, iſt die Lehre oder der Unterricht.

Mannigfach erſcheinen jedenfalls die Beſchäftigungen und Aufgaben, welche den Geiſt allſeitig zu vervollkommnen geeignet ſind. Am Beſten wird jedoch der Stoff zur Anregung und Bildung der Seelenvermögen verwandt werden, welcher der menſchlichen Seele ſein Daſein verdankt und durch die geſammte geiſtige Arbeit des menſchlichen Geſchlechtes geſchaffen iſt. Der Stoff, welchen ich meine, iſt die Wiſſenſchaft. Wenn der franzöſiſche Philoſoph Jean Jacques Rousseau in ſeinem bmile den Zög⸗ ling anleiten wollte, die geſammten Reſultate aller Wiſſenſchaften ſeit den Uranfängen der menſch⸗

ichen Forſchung ſelbſtſtändig durch eigene Arbeit aufzufinden, ſo kann das Mangelhafte und Ueber⸗ triebene dieſer Auffaſſung keinen Augenblick zweifelhaft ſein. Der Kern ſeines Gedankens aber ha ſich von jeher der allgemeinen Zuſtimmung der Pädagogen erfreut, weil er ſich auf eine geſunde, pſychologiſche Grundlage ſtützt. Die Einheit der menſchlichen Seele und die Einheit des Ziels der Erziehung fordern auch für alle Kinder denſelben Bildungsſtoff, alſo dieſelben Unterrichtsgegenſtände. Die Verſchiedenheit der menſchlichen Berufsarten erlaubt daher in dieſem Punkte nur einen quanti⸗ tativen, nicht aber einen qualitativen Unterſchied.

Die Auswahl des Bildungsſtoffes unter den verſchiedenen Wiſſenſchaften kann mit Rückſſicht auf die Seele, das Bildungsobject, nicht zweifelhaft erſcheinen. Jede Lehre richtet ſich vorerſt an die menſchliche Erkenntniß: Gegenſtände unſerer Erkenntniß ſind aber Gott, der Menſch und die Welt. Zur wahren Bildung iſt mithin der Unterricht in den Disciplinen erforderlich, welche über Gott, den Menſchen und die Natur handeln. 1

Einen Hauptgegenſtand der geſammten Erziehung auf allen ihren Stufen wird daher der Religionsunterricht bilden. Keine einzige Erkenntniß iſt von einem ſo großen Einfluß auf alle geiſtigen Fähigkeiten des Kindes, als die Gottes und ſeiner Eigenſchaften. Der Religionsunterricht erfüllt die intellectuellen Thätigkeiten und gibt ihrer ferneren Ausbildung die Richtung und das Ziel; er erhebt das Herz, indem er das Gefühl des Wahren und des Schönen durch Hinweis auf ſeinen ewigen Urſprung läutert und ſtärkt, und das moraliſche Gefühl durch Anleitung zur de⸗ müthigen Verehrung des Unendlichen zum religiöſen verklärt; er ſtärkt den Willen, indem er in dem allgegenwärtigen Gott der Heiligkeit und Gerechtigkeit den Mahnungen des Gewiſſens einen uner⸗ meßlichen Nachdruck verleiht und durch eine ſolche Vorſtellung eine moraliſche Richtung des Willens ſichert. Der Religionsunterricht, wenn er in der richtigen Weiſe nach den Anforderungen der Seelen⸗ lehre ertheilt wird, iſt ſomit von dem größten wiſſenſchaftlichen, wie praktiſchen Nutzen und gibt den anderen Unterrichtszweigen erſt die Grundlage und die rechte Weihe. Die religiöſe Bildung ſoll den ganzen Menſchen durchdringen und ihm auf allen ſeinen Lebenswegen eine fortwährende Stütze ſein.

Allein es iſt nicht zu läugnen, daß kein Unterricht häufig ſo fehlerhaft ertheilt wird, als der in der Religion, und zwar deßhalb, weil nirgends anders ſo ſehr gegen die Seelenlehre geſündigt wird. Als unerſchütterlicher Grundſatz gelte, daß es weit weniger darauf ankommt, was der Zög⸗