Aufsatz 
Berührungs-Punkte zwischen Psychologie und Pädagogik
Entstehung
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lohnungen z. B. Beſchenkung mit lehrreichen Schriften. Eine Rangordnung gemäß den Leiſtungen des Schülers iſt nur auf den unteren Klaſſen erforderlich und zuläſſig, während öffentliche Ehren⸗ bezeugungen, wie ſie hervorragendem Verdienſte gebühren, ſelbſtverſtändlich am Beſten vermieden werden.

Gerade die Bildung des Ehr⸗ und Pflichtgefühles und die vorſichtige Abſtufung der Strafen ertaubt, dieſelben auf den geringſten Grad zu beſchränken.

Es iſt eine geiſtreiche Bemerkung von weittragender Bedeutung, welche der hochbegabte Montesquieu in ſeinem Esprit de la loi(1748) macht, daß die ſtrengſten Strafen, je häufiger ſie werden, auch deſto mehr von ihrer abſchreckenden Wirkung in den Augen des Voltes verlieren, und daß daher die Criminalgeſetzgebung immer ſchwerere erfinden muß, bis ſelbſt die grauſamſten nicht mehr ausreichen. Rohe Behandlung der Schüler macht fcharfe Strafen nothwendig und bald, ſehr ſcharfe unwirkſam; mit milden auskommen zu können, beweiſt den Meiſter im Fach. Bei freundlicher Behandlung der Zöglinge und würdig feſtem Auftreten des Lehrers erſcheint ein ernſtes zurechtweiſendes Wort oft ſchon als außergewöhnlich und hart. Allmählige und geringe Steigerung der Strafen ermöglicht mannigfache Abſtufung mit ſtets vermehrter Wirkung, ſo daß der Lehrer ſehr ſelten zu einer wirklich ſcharfen Ahndung eines Vergehens ſeine Zuflucht zu nehmen braucht.

Zugleich mit dem Pflicht- und Ehrgefühl hat der Erzieher den Thätigkeitstrieb, welcher jedem körperlich und geiſtig geſunden Kinde innewohnt, durch eine fortwährende, geregelte Beſchäftigung zu pflegen. Die Befriedigung, welche der Fortſchritt in der Wahrheit gewährt, ſowie das Gefühl der Ehre und der Pflicht, ſind bei manchem Zögling leider noch zu wenig entwickelt, um der Zucht des Lehrers entrathen zu können. Nur eine ſtete, angemeſſene Uebung iſt geeignet, alle Kinder dem geiſtigen Schlummer zu entreißen und die geiſtige Regſamkeit, welche den continuirlichen Zuſtand des kräftigen Menſchen bilden ſoll, in dem Schüler zu erwecken.

Der Thätigkeits⸗ und der Nachahmungstrieb, welcher ſich von allen Begierden zuerſt im Kinde regt, bedingen die Wirkſamkeit des guten Beiſpiels. Schon das alte lateiniſche Sprichwort:Verba movent, exempla trahunt bezeichnet die Wichtigkeit des Beiſpiels als Erziehungsmittel. Aus dieſem Grunde ſind alle Arten ſchlechter Geſellſchaft, beſonders auch der Umgang mit älteren, ſitten⸗ loſen Freunden als ſtörend auf das Sorgfältigſte von dem Zöglinge fernzuhalten, welchem für den größten Theil des Tages ſein ſittenſtrenger, mild⸗ernſter Lehrer als ein nachahmungswerthes Muſter vor Augen ſtehen ſoll. Gerade wegen der Wirkſamkeit des Beiſpiels muß die Aufführung des Er⸗ ziehers nach allen Seiten hin eine untadelhafte ſein.

Das Bild eines wahrhaft würdigen Lehrers, welcher ſich durch die Liebe zu ſeinem Amt und zu den ſeiner Führung anvertrauten Seelen einen dauernden Platz in den Herzen der Jugend zu erringen wußte, hat aber auch unzählige Male ſeinen Schülern weit über die Grenzen der Anſtalt hinaus, ja bis in das ſpäte Alter, als ein Hort und ein Talisman auf den ſchlüpfrigen Pfaden des Lebens gedient. Welche Verantwortlichkeit ladet dagegen der Pädagoge auf ſeine Schultern, welcher ſtatt des Samens der Tugend durch ſpöttiſche Bemerkungen über die heiligſten Wahrheiten oder durch verfängliche Worte die Keime des Zweifels und der Sittenloſigkeit in die unſchuldigen Seelen ſtreut!

Die Pflichtausübung, welche die Jugend durch Beiſpiel und Anregung der intellectuellen und moraliſchen Gefühle lernt, ſoll unter Anleitung des Lehrers gewohnheitsmäßig verrichtet werden. Denn nur diejenige Pflichttreue, welche zur⸗Fertigkeit und Gewohnheit geworden iſt, widerſteht im Allgemeinen den mannigfachen Wechſelfällen des Lebens. Schon das lateiniſche Sprichwort ſagt mit Recht:Consuetudo est altera natura. Der Lehrer darf im Laufe ſeiner erziehenden Thätigkeit

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