ist ein geborener Württemberger.— Für Ostafrika werden seit einigen Jahren die Regierungs- lehrer sowie einzelne Kolonialbeamte auf dem Orientalischen Seminar in Berlin ausgebildet.
Im folgenden geben wir eine Zusammenstellung sämtlicher Lehrer, die bis jetzt an den Regierungsschulen in den deutschen Schutzgebieten gewirkt haben oder noch wirken, mit Angabe der Personalien, soweit sie uns mitgeteilt worden sind:
I. Kolonie Kamerun. A. Kamerun.
1) Theodor Christaller, geb. am 2. Januar 1863 als Sohn des sprachkundigen Missionars Johann Gottlieb Christaller zu Waiblingen in Württemberg, erhielt seine pädagogische Ausbildung im Seminar zu Künzelsau, das er 5 Jahre lang besuchte. 1881 bestand er hier mit Auszeichnung seine Lehrerprüfung und wurde, nachdem er kurze Zeit als Hilfslehrer an diesem Seminar gewirkt hatte, im Januar 1882 Lehrer am Missionshaus in Basel. 1886 trat er in den Kolonialdienst der deutschen Regierung ein und eröffnete am 24. Februar 1887 die erste Regierungsschule in Kamerun, wo er fast ein Dezennium lang mit dem grössten Eifer thätig war und sich durch sein bescheidenes, humanes und doch thatkräftiges Wesen sowohl die Liebe der Eingeborenen als auch die Achtung der Europäer in kurzer Zeit zu erwerben wusste. Wegen seiner hohen Verdienste um die Schule erhielt er 1895 den Titel Oberlehrer. Er starb am 13. August 1896 am Schwarzwasserfieber. Zum Gebrauche der Eingeborenen verfasste er, wie schon oben erwähnt, eine deutsche Fibel, eine Duala-Fibel, eine deutsche Sprachlehre, ein Handbuch der deutschen Sprache sowie ein Wörterbuch der Dualasprache in 2 Bänden, das ihm für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz in der Lexikographie sichern wird.*
2) Robert Betz, geb. 26. Juli 1867 zu Esslingen. Nach bestandener Lehrerprüfung im Jahre 1887 trat er in den württembergischen Schuldienst ein und im Juni 1891 in den deutschen Kolonialdienst. Er war zuerst Vorsteher der Deidoschule und nach dem Tode Christaller’s Vorsteher der Bellschule. Auf einer Urlaubsreise begriffen erschoss er sich in seinem Heimatlande am 12. Juli 1898. Während seiner siebenjährigen Thätigkeit in Kamerun erwarb er sich eine eingehende Kenntnis von Land und Leuten, erforschte mit grossem Eifer die eigentümliche Trommelsprache der Duala und schrieb ein ausführliches Werk darüber, das in den Wissenschaftlichen Beiheften zum Deutschen Kolonialblatt erschienen ist.(Band XI, Heft I, 1898. 86 S.)
3) Friedrich Flad. geb. am 27. August 1866 in Holzelfingen, Oberamt Reutlingen, bestand die erste Dienstprüfung im Frühjahre 1866, traf am 2. März 1889 in Kamerun ein, um die Leitung der Deidoschule zu übernehmen, erkrankte am 16. Januar 1891 am Schwarz- wasserfieber, erholte sich wieder, starb aber an Entkräftung am dritten Tage der Heimreise, die er am 26. Januar 1891 angetreten hatte, auf der Reede von Lagos.
4) Wilhelm Lederbogen, geb. am 1. Oktober 1870 in Hohendodeleben, wurde am 21. Oktober 1891 als Lehrer im Regierungsbezirk Magdeburg angestellt, wo er 5 ½ Jahre lang thätig war. Am 1. April 1897 traf er zur Stellvertretung des Regierungslehrers Walter in Klein-Popo ein und begab sich von dort am 5. Februar 1898 nach Kamerun, um die Bell- schule zu leiten. Wegen seiner durch das Tropenklima angegriffenen Gesundheit kehrte er am 4. November 1898 nach Deutschland zurück.
B. Viktoria.
5) Emil Sembritzki, geb. 5. September 1869 zu Jorkowen in Ostpreussen. Er genoss seine pädagogische Vorbildung auf der Präparandenschule zu Lötzen und im Seminar zu Angerburg. Er wirkte vom 1. November 1890 bis 1. September 1893 als 2. Lehrer an der dreiklassigen Volksschule zu Willklassen(Kreis Oletzko), von September 1893 bis 1. Oktober 1896 als 2. Lehrer an der zweiklassigen Volksschule zu Dlugochorellen(Kreis Lyck), von Oktober 1896 bis 1. August 1897 als alleiniger Lehrer in Lipinsken(Kreis Lyck). Im Juli 1897 wurde er vom Auswärtigen Amte in Berlin zum Regierungslehrer in Viktoria ernannt, wo er am
* Wer sich über das interessante Leben dieses edlen Mannes, der einmal seiner Frau gegenüber den schönen Ausspruch that:„Lieber ein kurzes, arbeitsreiches Leben, als ein langes Leben ohne rechten Inhaltt“ ein- gehend unterrichten will, den verweisen wir auf das Buch seines Schwagers Böckheler: Theodor Christaller, der erste deutsche Reichsschullehrer in Kamerun...


