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noch wenig entwickelt. Die Waswahili dagegen sind im allgemeinen gut begabt, aber sie haben nicht die nötige Ausdauer und sind zu träge, die ihnen von der Natur in ziemlich reich- lichem Masse verliehenen Geisteskräfte auszubilden. Dieser Trägheit gemäss ist ihr Eifer und Fleiss im allgemeinen nicht gross, obwohl auch in dieser Hinsicht ziemlich zahlreiche Ausnahmen vorkommen. So haben z. B. in Dar-es-Salam Swahilikinder in kürzester Zeit mehrere Klassen der Regierungsschule durchlaufen und sitzen jetzt in höheren Klassen mit und über den Inderkindern, die schon jahrelang die Schule besuchen. Dazu sollen diese, sowie die Kinder der Goanesen, sehr begabt sein, besonders im Rechnen, und im Lernen regen Eifer und bewunderungswürdige Ausdauer bekunden. Von Regierungslehrer Domet sind Swahilikinder schon in 6— 9 Wochen zu brauchbaren Schreibern ausgebildet worden, so z. B. ein gewisser Kombo bin Seleman, der jetzt als Schreiber am Bezirksamt Pangani thätig ist, u. a. m. Regierungslehrer Blank konstatiert, dass der Eifer seiner Swahili- schüler„sogar sehr gross“ sei. In Westafrika werden Fleiss und Eifer der Regierungs- schüler sowie ihre Wissbegierde, besonders bei den älteren Jungen, durchgehends lobend anerkannt. Allerdings kommt es sehr selten vor, dass einer mehr lernt, als ihm aufgegeben ist, selbst wenn er weiss, dass er noch hinter den anderen zurück ist. Der westafrikanische Küstenneger entwickelt seiner Vorliebe für praktische Kenntnisse gemäss besonderen Eifer in Fächern, die für einen guten Handelsmann dort nötig sind, wie Lesen, Schreiben und vor allem Rechnen.
Wie wir oben gesehen haben, ist das Ansehen, das der deutsche Lehrer bei den Ein- geborenen geniesst, bedeutend. Dazu trägt auch schon das verhältnismässig hohe Gehalt der Unterlehrer bei. Der Andrang zu den Lehrerstellen ist daher ebenso wie zu den anderen Beamtenstellen(Kanzlisten, Zollaufseher u. s. w.) sehr stark, doch werden nur gut vorgebildete Farbige angestellt, die der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sind. Die Re- gierungslehrer haben aber in unseren Kolonien grade kein sehr beneidenswertes Los, wenn sie auch ein recht hohes Gehalt beziehen, denn die Sterblichkeit ist unter ihnen wie über- haupt unter den weissen Beamten gross. Das tropische Klima ist bekanntlich, vornehmlich in Kamerun und Togo, der Gesundheit der Europäer sehr gefährlich, und von den 16 deutschen Lehrern, die bis jetzt an den Regierungsschulen wirkten und noch wirken, sind schon 4 (Flad, Richter, Köbele, Christaller), also 25%. dem Tropenklima erlegen; 4 andere(Schröder, Kuhn, Sembritzki, Lederbogen) konnten schon nach kurzer Dauer ihrer Thätigkeit das Klima nicht mehr vertragen und waren gezwungen, durch schleunige Rückkehr in die Heimat dem sicheren Tode zu entrinnen. Besonders ist das Malaria- und Schwarzwasserfieber ein schlimmer Feind der Europäer, doch gelingt es in neuerer Zeit mehr und mehr der medizinischen Forschung, die Eigenart dieser Krankheiten zu erkennen und immer wirksamere Mittel und zweckmässigere Behandlung zu ihrer Bekämpfung anzuwenden. In seiner Lebensweise muss der Weisse in den Tropen sehr vorsichtig sein und sich namentlich vor dem allzu reichlichen Alkohol- genuss hüten, was jedoch, besonders von Seiten des„trinkbaren“ Germanen, nicht immer geschieht. Die Lehrer sowie die übrigen Kolonialbeamten sind mehr oder weniger gezwungen, von Zeit zu Zeit zur Kräftigung ihres durch das Tropenklima geschwächten Gesundheitszustandes einen Erholungsurlaub zu nehmen, den sie gewöhnlich in Deutschland verbringen, und der ein- schliesslich der Seereise 6 Monate dauert. Zu dieser Urlaubsreise erhalten sie neuerdings ebenso wie die anderen Beamten einen Zuschuss von M. 400— 700. In Kamerun ist der erste Aufenthalt des Lehrers auf 2 Jahre bemessen; später erhält der Lehrer immer nach andert- halb Jahren Urlaub.— Die grosse Arbeitslast, die auf allen Regierungslehrern ruht, wird ihrem Gesundheitszustand gerade auch nicht sehr zuträglich sein. Ausser den eigentlichen Dienststunden einschliesslich der Vorbereitungen und Korrekturen treten noch viele andere Verpflichtungen an sie heran, wie z. B. Vorbereitung der ÜUnterlehrer, Verpflegung von Kostschülern, Einrichtung von Schülerkapellen, Mitwirkung bei der Regelung örtlicher An- gelegenheiten, Wünsche von Missionsgesellschaften, zahlreiche Anfragen aus allen möglichen Teilen der Welt u. s. w. Auch sind viele von ihnen litterarisch thätig, indem sie sich mit der Erforschung der Sprache der Eingeborenen beschäftigen und ihre Studien darüber ver- öffentlichen.
Die meisten Lehrer an den westafrikanischen Regierungsschulen wie Christaller, Flad, Betz, Köbele, Walter und Fischer stammen aus Schwaben, dessen Söhne schon vor Jahr- hunderten in dem wohlverdienten Rufe standen, den Wandertrieb zu besitzen. Auch Dr. Barth


