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weisen in dieser Hinsicht auf das, was uns Regierungslehrer Blank über das Betragen der Swahilikinder in der Schule mitteilt. Im grossen und ganzen werden die Negerkinder, be- sonders die Westafrikas, als dankbar, anhänglich und treu gegen ihre Lehrer geschildert. Als weiterer charakteristischer Zug des Negers wird ferner die Freimütigkeit und Ungeniertheit seines Wesens lobend hervorgehoben.„So ein kleines, munter drein- schauendes schneeweisszahniges Bürschchen von 7 Jahren,“ sagt Sembritzki, allerdings mit Bezug auf die Erfahrungen, die er in dem hinsichtlich seiner Bevölkerung im allgemeinen vielgepriesenen Viktoria gemacht hat,„stellt an seinen Lehrer dreist Fragen, reicht ihm die Hand, begleitet ihn etc. Wohl giebt es auch eine Anzahl hässlicher Kinder mit stupidem Gesichtsausdruck, an denen Unterricht und Erziehung wenig schaffen können, doch überwiegt die Zahl der netteren, fähigeren, folgsamen Schüler und macht die Arbeit an ihnen zur Lust.“*
Zu Hause leben die Negerkinder viel freier und ausgelassener als unsere deutschen Kinder, manchmal sogar unter ziemlich verwilderten Verhältnissen, wenigstens nach unseren Begriffen. Ihr Betragen in der Schule ist dagegen im allgemeinen zufriedenstellend. In der Togoer Schule gehorchen sie sogar aufs Wort, achten den Lehrer viel mehr, als es die europäischen Schüler thun, und betragen sich in den Pausen und im Schulzimmer eher besser als diese. Regierungslehrer Blank äussert sich über diesen Punkt folgendermassen:„Ist der Junge erst einmal Schüler, dann wird er plötzlich im Benehmen der tadelloseste Mensch: aufmerksam(auch auf der Strasse), auf Wort und Blick achtend wie„ein Schiesshund“, beim Anruf(selbst von weitem) mit der Schnelligkeit des Windspiels auf einen zukommend u. s. w. Das Ehrgefühl wird ganz bedeutend geweckt. Trotz, Widersetzlichkeit und ähnliches kommen nie vor.“
Dem Betragen der Schüler entsprechend ist die Schulzucht leicht zu handhaben, zumal der deutsche Lehrer bei den Eingeborenen in hohem Ansehen steht, doch muss sie mit Strenge durchgeführt werden. Die gebräuchlichen Schulstrafen sind im allgemeinen wie bei uns: Ermahnung, Tadel, Strafarbeiten, Arrest, körperliche Züchtigung, Ausweisung. Gegen körperliche Züchtigung soll der Neger sehr empfindlich sein.„Die Züchtigung“, sagt Sembritzki,„geschieht des Hautausschlages(Krokro) wegen, an dem viele Neger leiden, mit grosser Vorsicht“.“ In Togo steht auf Ungehorsam und Diebstahl Ausweisung. Regierungslehrer Fischer war bis jetzt genötigt, 3 Schüler auszuweisen, nämlich einen 20 jährigen Burschen wegen Diebstahls und 2 andere, weil sie ohne Erlaubnis sich je einen Monat lang in einem andern Dorfe aufhielten und dadurch die Schule versäumten. Neben- bei bemerkt nehmen ihn das Abhören der Nachsitzenden und die Korrekturen der Hefte und Schiefertafeln täglich durchschnittlich 2— 2 ½ Stunden in Anspruch. In Dar-es-Salam werden bei groben Verschuldungen die Missethäter dem Bezirksamt übergeben und dort durchge- prügelt oder mit Gefängnis bestraft; ganz schlechte Schüler werden ausgewiesen. In Tanga kommen Strafarbeiten und Arrest nicht zur Anwendung. Ausgewiesen werden Idioten und charakterlose Burschen, die nicht besserungsfähig sind(Spitzbuben etc.); indessen kommen solche Fälle höchst selten vor.
Was die Befähigung der Neger Kameruns und Togos einerseits und der Küsten- neger Deutsch-Ostafrikas andrerseits betrifft, so sollen die ersteren nach der Ansicht Dr. Oskar Baumanns, des berühmten Geographen und Afrikaforschers, der am 12. Oktober v. J. in seinem 36. Lebensjahre in Wien gestorben ist, hinter den letzteren zurückstehen.„Die Suaheli“, sagt er**,„sind an Intelligenz und materieller Kultur den Einwohnern von Kamerun und Togo be- deutend über. Die Ostafrikaner sind viel bildungsfähiger, die Westafrikaner dagegen sind Naturmenschen, die erst seit wenigen Jahrzehnten mit europäischer Civilisation in oberfläch- lichen Kontakt kommen“.***y Sicher ist, dass die Befähigung der westafrikanischen Neger für me- chanische Thätigkeiten ziemlich bedeutend, ihr Nachahmungstrieb ausserordentlich entwickelt und ihr Gedächtnis gut ist, weshalb sie auch in Fächern, die vorzugsweise das Gedächtnis in Anspruch nehmen, am meisten leisten. Ihr Geist ist jedoch etwas schwerfällig. und nach der Seite des selbständigen Denkens hin, des richtigen Urteilens und Schliessens, ist ihr Verstand
* Die Umschau 1899 Nr. 11, Unterricht und Erziehung der Neger. ** Deutsche Kolonialzeitung 1894 Nr. 4. *rr Zu dieser Ansicht bemerkt allerdings Bezirksamtmann Böder in Viktoria, dass Dr. Baumann die Bewohner Kameruns(sowie die Bakwiri) gar nicht genauer kannte.


