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säumnisse vor. Diese Versäumnisse verteilen sich auf 36 Schüler— soviel zählte die Schule durchschnittlich bis zum Beginn des neuen Schuljahres.(Die Schülerzahl wechselt eben immer wieder, namentlich durch Domizilwechsel der Eltern). Rechnen wir nun die Zeit vom 16. September 1898— 4. April 1899 als ein halbes Schuljahr, so würden für 36 Schüler pro Jahr 20 erlaubte, 80 unerlaubte und wegen Krankeit 140 Versäumnisse vorkommen. Somit entfallen auf 1 Schüler jährlich 0,55 erlaubte, 2,22 unerlaubte und 3,88 Versäumnisse wegen Krankheit,“ ein Prozentsatz, der für die dortigen Schulverhältnisse sicherlich als günstig be- zeichnet werden muss. Gesetzliche Bestimmungen über Schulzwang bestehen weder für die Kameruner noch für die Togoer Kolonie.
Wie wir soeben gesehen haben, ist einer der Hauptgründe der Unregelmässigkeit im Schulbesuche in der dem Neger angeborenen Trägheit zu suchen, einer Eigenschaft, die wohl teilweise durch die klimatischen Verhältnisse bedingt ist. Wie Dr. Barth sagt,* ist der Neger ein grosser Freund des süssen Nichtsthuns und soll ein gar wehmütiges Gesicht machen, wenn es an die Arbeit geht. Wenn er seiner Pflicht Genüge leisten soll, muss er unaufhörlich beaufsichtigt werden; geschieht dies nicht, so fällt er sofort wieder in seine ursprüngliche Trägheit zurück.— Was andere bemerkenswerte Eigenschaften der Negerkinder betrifft, so war unter den Jungen der Regierungsschulen die böse Angewohnheit des Lügens stark verbreitet. Auch kamen hin und wieder Fälle von Diebstahl vor, der, wie Christaller sagt, ein Hauptlaster der Kameruner ist. Nach dem ersten Berichte Köbele's über seine Schule machte sich unter den Schülern der Togoer Regierungsschule diese schlimme Eigenschaft im Anfang sehr bemerkbar, indem sich die Knaben die Griffel u. s. w. wegnahmen oder wegzunehmen suchten. Nachdem aber strenge Züchtigung seitens der Väter, denen der Regierungslehrer die Sache mitgeteilt hatte, erfolgt war, kam kein weiterer Fall der Art vor. Auch über Unreinlichkeit, eine angeborene Eigenschaft der Neger, wurde anfangs bitter geklagt, doch trat auch hier wie in den übrigen Fällen durch den heilsamen Einfluss der Schule bald gründliche Besserung ein, und die Schüler hüteten sich, mit schmutzigen Kleidern zur Schule zu kommen, doch„zerrissene Kleider haben alle“(Togo). Die Hefte der Schüler sollen sowohl in Betreff des Schreibens als auch der Reinlichkeit den Vergleich mit den Heften unserer Volksschüler recht wohl aushalten können. Aus Viktoria liegen uns sogar 3 Hefte vor(ein Aufsatzheft von Ngali Longo, ein Rechenheft und eine Sprachlehre von Abel Ngungu), die in jeder Hinsicht, besonders in Bezug auf Schrift, wahrhaft muster- giltig genannt werden müssen, und diese Hefte sollen nach der Mitteilung des Regierungs- lehrers Fischer sogar den Durchschnitt der diesbezüglichen Leistungen der Schüler dar- stellen.“** Die 1. Klasse der Regierungsschule in Viktoria gebraucht Hefte in folgenden Fächern: 1) Schönschreiben; 2) Rechnen; 3) Grammatik(Sprachlehre); 4) Aufsatz; die 2. Klasse in Schönschreiben und Aufsatz. Beide Klassen haben noch Hefte für die Texte der Lieder. Die Diktate wurden bis jetzt auf die Tafel geschrieben.***
In Deutsch-Ostafrika sind die Küstenneger von Haus aus reinlich und nehmen ein- bis zweimal täglich ein Bad. Die Innenneger dagegen(Waschensi) sind wegen ihrer Unreinlichkeit berüchtigt. Sehr interessant ist, was uns Regierungslehrer Domet über den Charakter der Swahili mitteilt.„Der hiesige Neger“, schreibt er,„ist sehr launisch und kann plötzlich vom dankbarsten Menschen zum undankbarsten, vom besten Freund zum grössten Feind werden und dann Handlungen begehen, die mit seinem früheren Verhalten in grellem Widerspruch stehen. Mit der grössten Kaltblütigkeit setzt er sich über sein begangenes Unrecht hinweg und pflegt sich einfach mit dem Ausdruck zu entschuldigen: Nimekosa, d. h. ich habe gefehlt, ohne dass ihm dieses Wort aus dem Herzen käme. Er glaubt, dass damit alles erledigt und das Unrecht wieder gut gemacht sei. Der Swahili ist überhaupt ganz oberflächlich. Er weiss wenig von wahrer Liebe, inniger Dankbarkeit, herzlicher An- hänglichkeit, von Tréèue und Zuverlässigkeit, von Wahrheit und Ehre, von Ausdauer und Fleiss. Er denkt gar nicht an die Zukunft, arbeitet für den Augenblick und weiss nichts von Selbstbeherrschung und Selbständigkeit. Er ist ein Sklave.“ Ob diese Charakteristik auch für die Eingeborenen von Tanga und Bagamoyo zutrifft, können wir nicht sagen. Wir ver-
* Deutsche Kolonialzeitung 1895, Nr. 12. ** Auch die Abschrift des an uns gerichteten Schreibens des Bezirksamtmanns Böder, die der farbige Kanzlist Peeta Moni, der die Schule in Kamerun besuchte, angefertigt hat, ist sehr schön geschrieben. 3*re Sämtliche Korrekturen der Hefte besorgt der Regierungslehrer allein.


