Aufsatz 
Die Regierungsschulen in den deutschen Schutzgebieten
Entstehung
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In Dar-es-Salam ist bis jetzt von der Verwaltungsbehörde noch kein Schulzwang ein- geführt worden, weil sie das gegen die Schule bestehende Misstrauen der Eingeborenen nicht noch erhöhen wollte, und weil sie ausserdem fürchtete, dass viele Eltern wegzögen, wenn man die allgemeine Schulpflicht einführte. Dar-es-Salam ist ohnehin schon ein Ort, wo unter den Einwohnern ein ewiger Wechsel stattfindet. Alle möglichen Elemente lassen sich hier nieder, wie z. B. der wanderlustige Araber, der Arbeit suchende Neger, der nach Gewinn gierige Inder u. s. w. Alle glauben, hier bald ihr Glück finden zu können. Die meisten bringen ihre Familien mit und senden ihre Kinder zur Schule, denn sie wissen den Wert einer guten Schulbildung recht wohl zu schätzen, doch viele wenden der Hauptstadt bald wieder den Rücken, da sie hier in ihren eitlen floffnungen auf reichen Gewinn bitter getäuscht werden. Dieser häufige Wechsel ist für die Regierungsschule in Dar-es-Salam eine der Hauptursachen des unregelmässigen Schulbesuchs. Andernteils ist ausser den schon oben angeführten Gründen auch die angeborene Trägheit des Negers daran schuld.Der von Natur aus träge und dabei doch auch neugierige Neger, schreibt Regierungslehrer Domet, kommt anfangs gerne in die Schule, um sie sich anzusehen. Nachdem seine Neugierde be- friedigt ist, verlässt er das für ihn gefängnisartige Lokal, um es nie wieder zu betreten, oder er erscheint vielleicht nach längerer Pause wieder und hält es dann einige weitere Tage aus. In den letzten 18 Monaten haben schon 250 300 Kinder die Schule besucht, doch blieben sie zum Teil nur einige Tage, zum Teil einige Wochen, zum kleinern Teil einige Monate. Unter meinen jetzigen 75 Schülern damit ist wohl die deutsche Abteilung gemeinthabe ich kaum 10 schwarze Kinder, die über ein Jahr in der Schule sind, und das sind Alumnats- schüler. Die ältesten schwarzen Tagesschüler besuchen die Schule seit kaum 36 Monaten, und diese müssen vielleicht eines lieben Tages mit ihren Herren oder Eltern irgendwohin ziehen, oder sie laufen weg, wenn's ihnen zuviel wird, und sagen einfach nimechoka, d. h. ich bin müde geworden. Um nur einigermassen diesem UÜbelstande zu steuern, hat man mit der Regierungsschule die Alumnat-Abteilung verbunden, deren Zöglinge zum Schulbesuche ver- pflichtet sind. Diese Anstalt zählt gegenwärtig 18 Schüler, deren Zahl jetzt noch nicht ver- mehrt werden kann, da die beschränkten Räume des Schulhauses dies nicht zulassen, ein weiterer Grund, um sobald wie möglicn mit der Erbauung eines neuen geeigneten Schulhauses zu be- ginnen. Um der Unregelmässigkeit im Schulbesuche wirksam entgegenzutreten, hat man in Bagamoyo seit dem 1. Juli 1896 die Einrichtung getroffen, für einen einigermassen regel- mässigen Schulbesuch und für lobenswerten Fleiss und gute Leistungen jedes Vierteljahr Geld- prämien zu verteilen. Infolge dessen hob sich thatsächlich der Schulbesuch etwas. Im darauf folgenden Jahre führte das Bezirksamt gewissermassen den Schulzwang ein, indem es sich ein- bis zweimal im Monat von dem Regierungslehrer die Versäumnisliste geben liess, auf Grund deren die unregelmässigen Schulbesucher zuerst ermahnt, im Wiederholungsfalle bestraft wurden. Diese amtliche Massregel scheint den gewünschten Erfolg gehabt zu haben, wenn auchdie Zahl der sich meldenden Schüler gegen früher abnahm. Nach der letzten statistischen Mitteilung über den Schulbesuch dieser Anstalt(Juni 1899) betrugen jedoch die Schulversäumnisse für die 17 Erwachsenen immer noch 33,48%, für die 46 Kinder 23,58%.

In Westafrika zeigt sich dagegen in dieser Hinsicht ein erfreulicheres Bild. Der Schul- besuch ist hier mit ganz wenigen Ausnahmen regelmässig, da, wie dies in Kamerun der Fall war und wahrscheinlich noch ist,die Schüler, die diese Ausnahme bildeten, ausgewiesen wurden, wenn ihr Mass voll war. In den ersten Jahren des Bestehens der Regierungs- schulen zu Kamerun und zu Klein-Popo wurde allerdings auch von ihnen über häufig vor- kommende Schulversäumnisse, besonders von Seiten der kleineren Kinder, bitter geklagt.Manche Eltern, schreibt Regierungslehrer Köbele mit Bezug auf seine Anstalt,scheinen sich mit dem Gedanken nicht vertraut machen zu können, dass, wenn sie einmal angefangen haben, sie ihre Kinder nun auch regelmässig zur Schule schicken müssen. Da jedoch sogleich mit aller Ent- schlossenheit gegen dieses UÜbel vorgegangen wurde, hörten sehr bald die Klagen auf. Die Schüler besuchten den Unterricht mit grosser Pünktlichkeit, und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag.Zum Lobe von Eltern und Schülern, schreibt Walter,ist hervorzuheben, dass unentschuldigt nie ein Knabe fehlt. Über Viktoria giebt uns Regierungslehrer Fischer von dem Tage seines Eintritts in die Schule(16. September 1898) bis zum Beginn des neuen Schuljahres(4. April 1899) bezüglich des Schulbesuchs folgende Zusammenstellung:Während der angegebenen Zeit kamen etwa 10 erlaubte, 40 unerlaubte und wegen Erkrankung 70 Ver-

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