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lautet*,„die bisher in der Gouvernementskanzlei verwendeten, meist in Deutschland ausgebildeten Burschen wegen schlechter Führung vielfach bestraft worden sind. In richtiger Selbsterkenntnis trauen sich die übrigen Schüler nicht zu, vorsichtiger zu werden, und werden deshalb, was ihre Väter sind, Händler. Wenn erst den Duala durch die fortschreitende Unterbindung des Zwischenhandels der Brotkorb höher gehängt sein wird, werden sie sich leichter zu einem festen Berufe entschliessen, sei es nun als Gouvernements-Angestellte oder als Handwerker oder als gewöhnliche Arbeiter.“ Diese Hoffnung ist sehr bald in Erfüllung gegangen.— Von den am Ende des Schuljahres 1897/98 entlassenen 13 Schülern der Togoer Regierungsschule traten 9 in den Dienst des Gouvernements ein als Dolmetscher, Schreiber und Zollaufseher, 1 ging zur Post, 2 wurden Kaufleute, 1 ging nach Deutschland zu seiner weiteren Ausbildung. Von den ansässigen Europäern werden die Regierungsschüler mit Vorliebe gesucht, doch ziehen in Togo die Kauf- leute und die Postverwaltung teilweise die Missionsschüler vor, da diese englisch verstehen.
Um den Regierungsschülern, die die Schule durchlaufen haben, Gelegenheit zu geben, ihre Kenntnisse zu erweitern, und um zu verhindern, dass sie das Gelernte vergessen, ist in Togo und in Kamerun— an diesem Orte seit 1895— eine Art von Fortbildungsschule eingerichtet worden, die zweimal in der Woche abgehalten wird. Im Schuljahre 1897/98 nahmen in Togo an diesem Unterrichte 8, im folgenden Jahre 12 Zollaufseher teil.
Das Schülerpersonal der Regierungsschulen setzt sich zum grossen Teile aus den Söhnen der Wohlhabenderen zusammen, doch finden sich auch viele Bedürftige darunter, von denen sich sogar manche ihr Brot selbst verdienen müssen. Manche ostafrikanischen Re- gierungsschüler haben schon ihren eigenen Beruf oder eine Stellung wie die meist erwachsenen Inder, die grösstenteils Kaufleute sind, ferner die schwarzen Diener der Europäer und die Goanesen und Parsen. Die Väter der Schüler sind Händler, Kaufleute, Fischer, Ackerleute, Angestellte, Handwerker und Arbeiter.
Eine kurze Bemerkung über das Schülermaterial dürfte wohl hier interessieren. In Ostafrika gehört die Mehrzahl der Schüler der 3 Regierungsschulen dem Negerstamm der Waswahili an; ausserdem befinden sich unter den Schülern Inder, Parsen, Goanesen, Araber (Maskat- und Schihire-Araber), Banianen, Komoren und Türken. Die Swahili, die den Haupt- bestandteil der Bevölkerung an der deutsch-ostafrikanischen Küste ausmachen, sind ein Volk, das sich durch die Verschmelzung von Bantunegern, Arabern und Persern gebildet hat; sie haben ihre afrikanischen Sitten. Bräuche und Trachten verloren und dagegen die der eingewanderten Araber sowie deren Religion angenommen.** In Sebbevi gehören die Regierungsschüler dem Negerstamm der Epheer an, in Kamerun dem der Duala, in Viktoria zum geringeren Teile dem der Bakwiri, zum grösseren den aus Fernando Po eingewanderten farbigen Baptisten, die 1858 unter dem von der spanischen Regierung ausgewiesenen Londoner Missionar Alfred Saker Viktoria gründeten. An geistiger Begabung stehen diese über den Bakwiri, die sich dagegen durch grossen, kräftigen Körperbau auszeichnen. Beide Negervölker, die Duala und die Bakwiri, übertreffen sowohl in körperlicher als auch in geistiger Hinsicht ihre Stammes- genossen. Als unternehmende Händler vermitteln die Duala besonders den Tauschhandel zwischen der Küste und dem Innern des Landes. Die Küsten-Epheer treiben meist Handel, Fischfang oder Landbau; auch findet man viele Handwerker unter ihnen, wie Schmiede, Schlosser, Schreiner, Sattler, Töpfer und Weber.„Eine lebhafte Phantasie, die das Ver- gleichen liebt, Schlauheit, Beobachtungsschärfe, feurige, lebhafte Beredsamkeit zeichnen den Epheneger aus“.**
Die Bevölkerung Kameruns und Togos brachte den Regierungsschulen stets grosses Interesse entgegen. In Kamerun ersuchten sogar die Häuptlinge mehrmals das Kaiserliche Gouvernement, noch weitere Regierungsschulen zu errichten, doch musste wegen der Knappheit der zu Gebote stehenden Mittel von der Erfüllung dieses Wunsches abgesehen werden. Die rege Teilnahme der Eltern für den Unterricht, den ihre Kinder in der Regierungs- schule geniessen, bekundet sich öfters darin, dass sie die Schule besuchen, um sich von den Fortschritten ihrer Kinder selbst zu überzeugen; denn als praktisch beanlagte Menschen wissen sie recht wohl den hohen Wert tüchtiger Kenntnisse für das Leben zu schätzen. Auf
* Beilage zu Nr. 20 des Deutschen Kolonialblatts 1893. ** Fitzner, D. Kolonialbuch, I. Auflage, S. 244. vee Hauptmann Herold: Deutsche Kolonialzeitung 1895, Nr. 36.


