Aufsatz 
Die Regierungsschulen in den deutschen Schutzgebieten
Entstehung
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Juni 1898 keine Ferien gegeben. Der Geburtstag des Kaisers(in Tanga auch der der Kaiserin) wird durch eine kurze Ansprache, die von den Regierungslehrern an den west- afrikanischen Schulen in deutscher Sprache, an den ostafrikanischen in Kiswahili gehalten wird, und durch Gesänge der Schüler in der Schule gefeiert. In Ostafrika zieht gewöhnlich nach dem Schulaktus die schwarze Jugend mit Trommeln und Fahnen durch die Stadt und singt in heller Begeisterung deutsche Gesangsweisen entweder deutsch oder in Kiswahili. An den westafrikanischen Regierungsschulen wird auch eine Weihnachtsfeier in der Schule ab- gehalten, bei der die Schüler Gedichte deklamieren, Weihnachtslieder singen und am Schlusse der Feier Geschenke erhalten, die ihnen eine ganz unbeschreibliche Freude verursachen. In Togo giebt die Regierung jedes Jahr 200 M. zu dieser Feier. In Viktoria verlief die Weihnachts- feier des Jahres 1898 nach dem Berichte des dortigen Regierungslehrers Fischer in folgender Weise:Die Feier wurde eingeleitet mit dem Gesang von sieben teils ein-, teils zweistimmigen Weihnachtsliedern, z. B. Tochter Zion oder Herbei, ihr Gläubigen, oder Stille Nacht u. s. w. In den Pausen zwischen den einzelnen Gesängen sagte der eine Teil der Schüler der obersten Klasse messianische Weissagungen in Deutsch und Duala auf, der andere trug die Weihnachts- geschichte vor. Nachdem der Regierungslehrer ein Gebet gesprochen hatte, wurde der prächtig geschmückte Weihnachtsbaum(künstliche Tanne) angezündet und die Schüler zu ihren Ge- schenken geführt, die das Kaiserl. Bezirksamt für jeden Schüler im Werte von M. 1. 50 zu be- willigen die Güte gehabt hatte. Die Geschenke bestanden in Heften, Tafeln, Büchern, Schreib- utensilien, farbigen Bleistiften, Farbenschachteln, Bilderbüchlein, Bildern, Backwerk u. s. w., die mit grosser Freude und vielem Dank in Empfang genommen wurden. Der Feier wohnten viele Farbige bei und eine Anzahl Weisse, unter diesen auch die Offiziere des Kriegsschiffs Wolf. In Tanga werden auch Schülerausflüge gemacht. So wurden z. B. solche auf dem Dampfer nach Pangani und Musa sowie mit der Eisenbahn nach Muhesa und Sega zur grossen Freude der Jugend ausgeführt. Bei Gelegenheit des letztgenannten Ausflugs wurde unter den an der Exkursion beteiligten Deutschen eine Sammlung veranstaltet, aus deren Erlös eine ge- stickte seidene Schulfahne von der Bonner Fahnenfabrik gekauft werden konnte. In Bagamoyo werden bisweilenTurnermärsche gemacht, die sich auf 1 2 Stunden, bezw. auf einen ganzen Tag erstrecken.

An den meisten Regierungsschulen findet jedes Jahr eine öffentliche Prüfung statt. An einigen Anstalten werden bei dieser Gelegenheit die in den letzten Wochen des Schuljahres angefertigten Prüfungsarbeiten ausgelegt. In Kamerun war früher mit der Prüfung eine Preisverteilung verbunden. In Sebbevi findet eine öffentliche Prüfung nicht statt, doch werden von Zeit zu Zeit an die besseren Schüler Preise verteilt.

Da jede Schule sozusagen von der Beschaffenheit des Bodens, auf dem sie errichtet worden ist, abhängt, d. h. sich den örtlichen Verhältnissen anbequemen muss, die überall ver- schieden sind, kann ein für die sämtlichen Anstalten allgemein durchgeführtes System gar nicht vorausgesetzt werden. Ebenso wenig kann man von den jungen Anstalten, die mit so vielen Schwierigkeiten rechnen müssen, von denen wir zu Hause gar keine Ahnung haben, eine feste Gliederung des ganzen Schulorganismus, ein genau durchgeführtes System, einen regelmässig wiederkehrenden Wechsel verlangen, wenn auch Tanga schon einen recht glück- lichen Anfang in dieser Hinsicht gemacht hat. So bestehen auch noch keine bestimmten Aufnahme-Termine und Bedingungen, keine regelmässigen Versetzungen, bezw. Ent- lassungen. Im allgemeinen werden die Kinder nicht vor dem 7. Lebensjahre in die unterste Klasse aufgenommen. Gewöhnlich besuchen sie 4 5, mitunter 5 7 Jahre lang die Schule. In Viktoria haben bis jetzt Entlassungen noch nicht stattgefunden. Klasse I wird voraus- sichtlich im Sommer 1900 entlassen werden, bei welcher Gelegenheit eine öffentliche Schul- feier abgehalten werden soll.

Nach dem Verlassen der Schule widmen sich die meisten Regierungsschüler dem Handelsstande, oder sie werden Handwerker. Viele von den Regierungsschülern treten in den Kolonialdienst der deutschen Regierung ein und werden Dolmetscher, Kanzlisten beim Gericht oder Bezirksamt, Zollaufseher, Postbeamte, Lehrer oder auch, was in Kamerun der Fall ist, Missionare. Die Regierungsschule zu Kamerun lieferte in den Jahren 1895 98 der Regierung 17 Beamte, und zwar 1 Dolmetscher, 7 Kanzlisten, 4 Zollaufseher, 1 Post- beamten, 1 Lehrer, 3 Missionare. In den vorhergehenden Jahren stand dagegen in Kamerun der Gouvernementsdienst in keinem guten Ruf,weil, wie es in dem Berichte vom 31. Juli 1893