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gerne zu Gartenarbeiten herangezogen, was in den Missionsschulen fast durchgehends der Fall ist. Die Kinder sollen ausserhalb der nur wenige Stunden des Tages betragenden Schul- zeit nicht faulenzen, sondern sollen nützlich beschäftigt werden. denn gerade die stete Ge- wöhnung der Neger an eine regelmässige Arbeit muss für die Weissen eins der Hauptziele ihrer Erziehung sein. Diese Beschäftigung hat jedoch nicht nur einen idealen Wert, sondern sie bringt auch einen realen Nutzen, denn den bedürftigeren Schülern, deren es viele in der Schule giebt, bietet man auf diese Weise Gelegenheit, einiges Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Der Besuch der Regierungsschulen ist wie der unserer Volksschulen unentgeltlich. Nur müssen in Tanga die Inder monatlich 2 Rupien Schulgeld entrichten. Auch in Dar- es-Salam und in Bagamoyo wird von den Indern Schulgeld bezahlt, doch fehlen uns leider die Mitteilungen darüber, wie hoch es sich beläuft.
Was die Lehr- und Unterrichtsmittel der Regierungsschulen betrifft, so sind sie im grossen und ganzen in genügender Menge vorhanden und entsprechen im allgemeinen den Anforderungen der Neuzeit. Die Schulpulte sind meist nach neuester Konstruktion angefertigt. Wandkarten, Globen, Bilder für den Anschauungsunterricht sind in guten Exemplaren vertreten. 25 farbige Wandtafeln für den zoologischen Unterricht, 30 farbige Wandbilder für den Unterricht in der Biblischen Geschichte besitzt die Schule zu Viktoria. Die Schule zu Dar-es-Salam hat ein Harmonium, ein Geschenk des bekannten Weltreisenden Professor Dr. Hans Meyer, der gelegentlich seines Aufenthaltes in der Hauptstadt Deutsch- Ostafrikas(1898) auch die Regierungsschule besuchte und sich über die Leistungen ihrer Zöglinge anerkennend ausgesprochen haben soll. In Bagamoyo ist im letzten Jahre für den Gesang- und Musikunterricht ein Klavier angeschafft worden. Die Turngerätschaften in Sebbevi sind: Barren, Reck, Bock, Sprungständer, Sprungseile, Tau. Holzstäbe; auch besitzt die Anstalt einige Ballspiele. Die meisten Lehrmittel und Schreibmaterialien werden von Liefe- ranten in Deutschland bezogen(z. B. Rosolleck, Berlin; Hirt, Breslau; Langguth, Esslingen).
Bezüglich der Lehrbücher haben wir bei den einzelnen Unterrichtsgegenständen die meisten in Gebrauch befindlichen Bücher schon angegeben. Für das Deutsche sind die Lehrbücher von Christaller(Fibel, Sprachlehre, Handbuch der deutschen Sprache) vorwiegend. Dieser hat auch eine Reihe wertvoller Werke über die Dualasprache geschrieben, wie eine Schulfibel., eine Grammatik und ein Wörterbuch. In Sebbevi ist im Deutschen das Lesebuch für Landschulen von E. Walther(Bayern) eingeführt. Der dortige Regierungslehrer, S. Walter, hat für seine Anstalt eine deutsche Grammatik nebst Wörterbuch verfasst, die in den nächsten Tagen im Druck erscheinen wird. Ein Rechenbuch in der Aneho-Mundart ist schon von ihm veröffentlicht worden. In Viktoria wird der Unterricht im Rechnen nach dem Rechenbüchlein von Steuer erteilt, für den Gesangunterricht werden die Singheftchen von Weber und Krauss benützt. Die Lehr- und Lesebücher, die früher an den ostafrikanischen Schulen zur Erlernung der Swahili-Sprache angewandt wurden, waren von englischen Missionaren abgefasst. Da diese Bücher oberflächlich gearbeitet waren und den modernen Grundsätzen deutscher Methodik durchaus nicht entsprachen, so kam Barth auf den glücklichen Gedanken, eine ganz neue Fibel mit lateinischen Schriftzeichen nach diesen Grundsätzen auszuarbeiten. Sein Buch(115 S. 8⁰) wurde im Einverständnis mit dem Verfasser von den Regierungslehrern Blank und Rutz 1898 neu bearbeitet und in 2 Teile getrennt: 1) die Fibel, umgearbeitet von Blank, und 2) das Lesebuch, neu herausgegeben von Rutz und Blank. In Tanga werden noch die Rechenhefte von H. Fechner benützt.
Unter sämtlichen Regierungsschulen besitzt unseres Wissens bis jetzt nur die zu Sebbevi eine Schülerbibliothek. Sie wurde von dem schon mehrmals erwähnten Re- gierungslehrer Walter hauptsächlich deshalb angelegt, um die Kenntnisse seiner Schüler im Deutschen zu fördern und die jungen Neger mit deutscher Art und deutschem Wesen mehr und mehr bekannt zu machen. Eine wertvolle Bereicherung erfuhr sie durch die Freigebigkeit der Schüler unseres Gymnasiums, die ihren schwarzen Schulkameraden in Afrika ungefähr 120 Bände vorzugsweise erzühlenden, aber auch belehrenden Inhalts stifteten. Mit liebens- würdiger Bereitwilligkeit übernahm das Kolonial-Amt in Berlin die Beförderung der Sendung nach Togo, wo sie wohlbehalten gegen Ende November 1898 eintraf. Die Bibliothek zählt gegen- wärtig gegen 200 Bände und wird von den jetzigen und ehemaligen Zöglingen der Anstalt, eifrig benützt. Der Direktor des hiesigen Realgymnasiums, Professor Münch, hat bei den


