— 183—
sind bis jetzt etwa 20 unserer Volks- und Chorlieder. Die Schwierigkeiten dabei bieten nicht bloss Rhythmus und Reim, sondern vor allem die Anpassung und Umformung der in unseren deutschen Liedern besungenen Stoffe für afrikanische Verhältnisse.“ Die Regierungslehrer Blank, Rutz und Domet haben in der Übertragung deutscher Lieder in die Kiswahili-Sprache Vorzügliches geleistet. Letzterer hatte auch zur Feier der im Oktober v. J. stattgefundenen Hochzeit des Gouverneurs v. Liebert einen Willkommengruss und ein Hochzeitslied in Kiswahili verfasst, 2 Gedichte, die von den Regierungsschülern in Dar-es-Salam gesungen wurden und lebhaften Beifall ernteten.
Gesangs- sowie Turnübungen unterbrechen in angemessener Weise den Schulunterricht. Der Turnunterricht besteht in Frei- und Geräteübungen, hauptsächlich aber in Turn- spielen. Viktoria besitzt allerdings bis jetzt noch keine Turngeräte, doch sollen sie demnächst angeschafft werden. Dem Turnen wird nicht nur von Seiten der Jugend, sondern von der gesamten Bevölkerung grosse Teilnahme entgegengebracht. Besonders war im Anfang das Interesse sehr lebhaft, und eine grosse Menschenmenge strömte oft zum Turnplatz, um die kleinen Gesellen marschieren und exerzieren zu sehen. Auch heute noch besteht dieses lebhafte Interesse an den meisten Schulen, und namentlich erregt das aus 10 Schülern be- stehende Trommler- und Pfeiferkorps der Regierungsschule zu Tanga immer die staunende Bewunderung der Eingeborenen.
Von fremden Sprachen wird(ausser Deutsch) an den Regierungsschulen nur eine einzige gelehrt, nämlich Gujerati, und zwar zu Bagamoyo und Dar-es-Salam. Wie wir oben gesehen haben, ist jedoch die Abteilung, worin diese Sprache getrieben wird, nur für die Inder bestimmt und von der eigentlichen Anstalt vollständig getrennt. Für die zahl- reichen Inder in den Küstenbezirken Deutsch-Ostafrikas war die Erlernung des Gujerati wegen des lebhaften Geschäftsverkehrs mit Indien ein dringendes Bedürfnis. Hauptsächlich aus politischen Gründen willfahrte man dem Wunsche der Inder, diese Sprache zu erlernen, da man sie mehr und mehr für die deutschen Interessen gewinnen wollte. Das Gujerati, eine Enkelin des Sanskrit, ist von den zahlreichen indischen Sprachen diejenige, die vorwiegend in dem nordwestlichen Teile Vorderindiens an der Küste weit verbreitet ist und als Verkehrs- sprache viel gebraucht wird. Gelehrt werden an den beiden erwähnten Schulen in Gujerati Lesen, Schreiben, Sprachlehre, Rechnen, Geschichte, Geographie und Gesang.
Was die Methode in den verschiedenen Fächern anlangt, so ist es selbstverständlich, dass bei den überaus schwierigen Verhältnissen, mit denen diese Schulen zu rechnen haben, von einer streng durchgeführten Methode überhaupt abgesehen werden muss. Wo jedoch Methode angewandt werden kann— und dies ist wohl überwiegend der Fall—, richtet sie sich im allgemeinen nach den Vorschriften, die hinsichtlich der Methodik in den deutschen Volksschulen gelten. Während früher an der Schule zu Tanga der unregelmässige Schulbesuch schon von vornherein eine bestimmt durchzuführende Methode verbot, wird jetzt, nachdem dieser Missstand beseitigt ist, in allen Fächern streng methodisch verfahren, und die Unter- lehrer werden sogar täglich, wie wir oben gesehen haben, von Regierungslehrer Blank in Didaktik und Methodik unterwiesen.
Ausserhalb der Schulzeit werden die Schüler der Togoer Regierungsschule an vier Nachmittagen der Woche bei den Handwerkern in Sebbe, das nicht weit von Sebbevi entfernt liegt, in verschiedenen Handwerken unterrichtet. um sie vor allem gründlich praktisch auszubilden. Die deutsche Regierung stellt zu diesem Behufe den Jungen die nötigen Werk- zeuge zur Verfügung. Bis jetzt kann man mit den Ergebnissen dieser fachlichen Ausbildung zufrieden sein.
In Tanga und Dar-es-Salam sind sogar soeben eigene Handwerkerschulen für die Eingeborenen errichtet worden. Diese Anstalten sind konfessionslos und wurden, um die Disziplin besser handhaben zu können, als Kostschulen eingerichtet. Die Bezirksämter sind angewiesen, ihnen geeignete Zöglinge zuzusenden, die ihnen nach ihrer Ausbildung zurückge- geben werden sollen. Auch für die Schutztruppe sollen auf diesen Anstalten geeignete Schüler ausgebildet werden. In Kamerun ist man schon seit einiger Zeit daran gewöhnt, die Schüler der Regierungsschule ausserhalb der Unterrichtszeit nützlich zu beschäftigen. So wurden schon auf Veranlassung Christallers von den Schülern wiederholt Arbeiten auf dem Kameruner Friedhofe und an anderen Orten der Umgegend ausgeführt. 1896 wurde sogar von der II. und III. Klasse ein Weg von Aquadorf nach Deidodorf angelegt. Besonders werden die Jungen


