— 12—
richt umfasst Heimatkunde, Deutsch-Ostafrika, Europa, insbesondere Deutschland. Nach dem Tangaer Lehrplan wird durch die Art und Reihenfolge der Behandlung eine allmähliche Einführung des Schülers in das Kartenverständnis bezweckt.„Jeder Besprechung“, heisst es weiter darin,„folgt deshalb der entsprechende Grundriss an der Tafel in entwickelnder Form und Wiedergabe dieses Grundrisses seitens des Schülers. Zwei selbst gezeichnete Wandkarten (Hinterland und Deutsch-Ostafrika)— ohne Namenhinzufügung bei Flüssen, Gebirgen, Städten u. s. w.— leisten dabei sehr gute Dienste.“ In Viktoria sind die beiden oberen Klassen auch in diesem Fache wie in Geschichte vereinigt(Montag und Dienstag von 9 ½— 10), und zwar kommt im einen Jahre die Heimatkunde, Kamerun und Afrika, im anderen der übrige geographische Stoff in gedrängter Kürze, Europa(besonders Deutschland) dagegen ausführlich zur Behandlung. In Sebbevi wechselt der Geographieunterricht mit Naturlehre ab(Donners- tag von 10 ²⁰0— 112⁵). Wie in Kamerun werden in Kl. III die Heimatkunde, Togo(bezw. Kamerun) und das übrige Afrika, in Kl. II und I die anderen Weltteile, insbesondere Europa, namentlich Deutschland behandelt. Ein Lehrbuch ist auch hier nicht eingeführt.
In der Naturkunde, die als selbständiges Fach nur an den westafrikanischen Re- gierungsschulen betrieben wird(Viktoria sogar jeden Morgen von 7—7 ½ in Kl IJ), wird durchgenommen: Allgemeines über das Tier- und Pflanzenreich, der Körperbau und die Er- nährung des Menschen, sodann einiges aus der Naturlehre(wie Thermometer, Barometer, Telegraph). Dieser Unterricht bietet auch Stoff zu Diktaten und Aufsätzen.
Religionsunterricht wird an den Regierungsschulen Deutsch-Ostafrikas über- haupt nicht erteilt, da sämtliche Schüler der islamitischen Religion angehören. In Kamerun und Togo findet nur Unterricht in Biblischer Geschichte nach dem Calwer Lehrbuch statt.(Viktoria: Klasse I und II Mittwoch und Samstag von 9— 9 ½, Kl. III Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 2 ⁄4— 3 ¼; Sebbevi: Kl. I und II Mittwoch von 11²5— 1250, Kl. III und IV Montag von 9— 10 in Ephe). Der eigentliche Religionsunterricht wird ausserhalb der Schulzeit(gewöhnlich abends) erteilt, meistens von den Missionaren der betr. Konfessionen.
Zeichnen lehrt nur die Schule zu Tanga(Kl. IV und V je 1 St. wöchentlich) und die zu Sebbevi, erstere nach dem Lehrgang von Stuhlmann. Die I. Kl. in Sebbevi zeichnet auch schon nach der Natur einfache Gegenstände wie Pfeiler, Häuser u. s. w. Die in diesem Fache errungenen Erfolge sind im ganzen zufriedenstellend.
Im Gesangunterricht werden zwei- und dreistimmige Lieder gesungen. Für das Singen, namentlich von deutschen Soldaten- und Volksliedern, von denen besonders die mit lebhafter Melodie in die Sprache der Eingeborenen übersetzt wurden, sind die Schüler sehr begeistert. So hat sich z. B. das Lied:„Ich hatt' einen Kameraden“ in Kamerun förmlich eingebürgert und wird nicht nur von den Schülern, sondern auch von der übrigen Jugend gern gesungen. Bekanntlich haben die Neger an Musik und Tanz grosses Vergnügen, und eine gewisse Begabung für die Musik muss ihnen zugestanden werden, doch ist der Stimmen- umfang des einzelnen ziemlich gering. Die Lieder müssen sämtlich 3 Töne tiefer gesungen werden als sie im Buche stehen, da fast alle Schüler nicht höher als d singen können.
Sehr interessant ist, was uns Regierungslehrer Blank über den Stand dieses Faches an seiner Schule und über einige damit zusammenhängende Fragen mitteilt. Wir geben seine Angaben fast wörtlich wieder.„Die grosse Anzahl von Schülern“, schreibt er,„hat in der letzten Zeit(seit Anfang 1899) zu der Einrichtung eines erst drei-, dann vierstimmigen (gemischten) Chors geführt, der zur Zeit etwa 100 Sänger zählt. Die Schwierigkeiten waren im Anfang ziemlich beträchtlich; jetzt aber vollzieht sich die Einübung eines Liedes in vier- stimmigem Satz ebenso leicht und glatt wie zu Hause. So hat der Chor schon bei den ver- schiedensten Gelegenheiten mitwirken können, das letzte Mal bei der Grundsteinlegung des Bismarckdenkmals hierselbst. Er fand dabei solche Anerkennung, dass eine Sammlung zur Gründung einer(Instrumental-) Schülerkapelle sich regster Teilnahme erfreute und in wenigen Tagen den Betrag von über 1000 Rupien“ ergab.“ Mit Bezug auf die Lieder selbst bemerkt er:„Die Lieder sind unsere deutschen Volks- und bekannteren Chorlieder in der Kisuahili- Ubertragung. Sie wurden deshalb in Kisuahili übersetzt, weil sie dann die Schüler mit Ver- ständnis und mit mehr Lust singen, und weil sich diese Sprache mit ihrem Vokalreichtum und ihrem Wohlklang überhaupt vorzüglich zu gesanglichen Darbietungen eignet. UÜbertragen
* 1 Rupie=. 1.40.


