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deutsche Bücher lesen und deutsche Korrespondenz führen können. Auch halten wir darauf, dass den Leuten ihre Muttersprache erhalten bleibt. Nur der Unverstand kann Forderungen machen wie die: Das Deutsche soll die Landessprache ersetzen oder verdrüngen. Was wäre ein Volk, das seine Muttersprache verlöre? In seiner Muttersprache denkt der Mensch, sie ist der Spiegel des Geistes, der ihn beseelt. Es wäre ein unverantwortlicher Raub, den die Mission an einem Volke beginge, wenn sie ihm seine Muttersprache raubte.“ Wie die Verhältnisse noch jetzt in unseren Kolonien liegen, müssen wir uns aus politischen, pädagogischen und ethischen Gründen in dieser Frage im grossen und ganzen der Ansicht der Missionare zuneigen, d. h. zuerst mögen die Eingeborenen in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, in den oberen Klassen jedoch muss das Deutsche entschieden in den Vordergrund gestellt und als lebende Sprache so gelehrt werden, dass es die Jungen beim Verlassen der Schule hinreichend geläufig sprechen, um es als Mittel der Verständigung im Verkehr mit den deutschen Beamten, Pflanzern und Kaufleuten nutzbringend verwenden zu können. In den meisten Fällen geschieht dies in den Regierungsschulen, oder es soll wenigstens geschehen.
An den westafrikanischen Regierungsschulen steht in Viktoria in allen Klassen, an den zwei anderen Anstalten nur in den oberen Klassen das Deutsche im Mittelpunkte des Unterrichts. Alle übrigen Fächer wie Biblische Geschichte, Geographie, Geschichte, Naturkunde, selbst Turnen stehen im Dienste dieser Sprache. In Sebbevi wird z. B. den Schülern strengstens eingeschärft, auch während der Turnspiele nur Deutsch zu sprechen, und Ubertretungen dieses Gebots werden unnachsichtlich im Spiele selbst bestraft, wie z. B. durch ein- oder mehrmaliges UÜbergangenwerden u. dergl. mehr. Begonnen wird der deutsche Unterricht in Kamerun und Sebbevi in den letzten 3 Monaten des 2. Schuljahres. Er zerfüllt in: Anschauungsunterricht, Lesen, Schönschreiben, Rechtschreiben, Aufsatz, Sprachlehre, mündliche Wiedergabe von leichteren Erzählungen und Gedichten. In Sebbevi wird alle 14 Tage ein Aufsatz ins Heft geschrieben. In Viktoria trägt Kl. I viermal, Kl. II dreimal in der Woche den im Anschauungsunterricht oder in der Naturkunde entwickelten und vom Lehrer an die Tafel geschriebenen Stoff ins Aufsatzheft ein und lernt ihn auswendig. Am anderen Tage wird er dann von den Schülern frei auf die Schiefertafel geschrieben. Kl. I muss oft noch den Lehrstoff nach einigen Leitwörtern, die vom Lehrer an die Tafel geschrieben werden, selbst ausarbeiten. In allen Anstalten bilden die Lesestücke den Stoff für die UÜbungen im Schreiben, und bei den deutschen Sprachübungen wird stets Anschauungsmaterial ver- wandt. Ebenso werden die Aufsätzchen im Anschluss an den Anschauungsunterricht ange- fertigt, vornehmlich über Tiere, Pflanzen, Gegenstände der Schule und des Hauses u. s. w. Ein solches Aufsätzchen eines 10 jährigen Schülers der Tangaer Schule über das Pferd teilt, uns Barth in Nr. 12 der deutschen Kolonialzeitung vom Jahre 1895 mit. Es lautet:„Was ist das? Das ist ein Pferd. Wie ist das Pferd? Das Pferd ist gross. Was ist das? Das ist sein Kopf. Wie ist sein Kopf? Sein Kopf ist dig. Was ist das? Das ist sein Mund. Wie ist sein Mund? Sein Mund ist klaen. Was ist das? Das ist sein Or? Wie ist sein Or? Sein Or ist lang. Wo lebt es? Es lebt im hauze. Was frisst es? Es frisst Gras“ Der Stoff zn diesem Aufsätzchen war vorher mit den Schülern an der Hand eines Bildes durch- gesprochen worden. Einige weitere völlig selbständige Proben von schriftlichen Produkten kind- lichen Negergeistes, die als Briefe an mich oder an Schüler unseres Gymnasiums im Laufe der beiden letzten Jahre gelangten, sind folgende:
Geehrter Herr Professor!
Es freut mich sehr, dass Sie uns Bücher schicken wollen. Ich bin jetzt in der ersten Klasse. Ich kann jetzt verschiedene Bücher lesen. Unser Lehrer kann gut lehren. Der Lehrer lehrt uns Zeichnen. Ich danke ihnen dafür. Ich singe zweite Stimme. Ich bin jetz 14 Jahre alt. Meine NMutter ist schon lange gestorben, aber mein Vater lebt noch in Klein Popo. Ich grüsse Dich.
Klein Popo, 26. Juli 1898. Jakob K. Garber.
Geehrter Herr Professor!
Ich grüsse Dich! Es freut mich sehr die Bücher Du wirst schicken. Wir kommen in der Schule alle Tage. Aber unser Lehrer lehrt uns schön. Wir lesen die Bücher 2


