Aufsatz 
Die Regierungsschulen in den deutschen Schutzgebieten
Entstehung
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Die 6. Klasse bilden die eingeborenen Lehrgehilfen, die an der Anstalt thätig sind. Sie erhalten vom Regierungslehrer Blank jeden Nachmittag von 4 ½ 6(mit Ausnahme des Samstags)Unterweisung und Belehrung in pädagogischen und methodischen Dingen, praktische Lehrproben werden ausgearbeitet und gehalten, allgemeine Unterrichtslehre wird getrieben, Stoffverteilung und Fingerzeige über die Behandlung derselben werden gegeben u. s. w.

Die Unterrichtsfächer der Regierungsschulen sind dem Charakter dieser An- stalten entsprechend im allgemeinen dieselben wie in unseren Volksschulen, nämlich: Biblische Geschichte kein dogmatischer Religionsunterricht. Anschauungsunterricht, Lesen, Schreiben(Schön- und Rechtschreiben), Grammatik, Aufsatz, Rechnen, Geschichte, Geographie(bezw. Heimatkunde), Naturgeschichte, Naturlehre, Zeichnen, Turnen, Singen und Deutsch. An den einzelnen Anstalten kommen in dieser Hinsicht Abweichungen vor, die wir bei den verschiedenen Lehrfächern erwähnen werden.

Die Unterrichtssprache ist in der Regierungsschule zu Viktoria in sämtlichen Fächern und Klassen die deutsche, während sie im Anfang die englische war. Wenn es jedoch zum Verständnis nötig ist, wird vom Regierungslehrer Duala, vom Unterlehrer Bakwiri, zuweilen auch Englisch, das dort als Verkehrssprache noch vorherrscht, als Hilfssprache herangezogen. Die unterste Klasse kann selbstverständlich wegen der grossen Schwierigkeiten, die ihr besonders im Anfang die deutsche Sprache verur- sacht, nur langsam und allmählich fortschreiten, während in der ersten Klasse die An- wendung der deutschen Sprache durchaus keine Hindernisse bietet und die Entwickelung des Lehrstoffs vollständig verstanden wird. In dieser Klassewird kein Duala gesprochen, auch nicht allgemein verstanden. In Kamerun und Sebbevi werden die Lehrfächer in den beiden unteren Klassen in der Sprache der Eingeborenen gelehrt, in den beiden oberen da- gegen wird als Unterrichtssprache die deutsche angewandt, doch muss im Anfang, wie sich leicht denken lässt, noch mit Duala, bezw. Anehe nachgeholfen werden*. In den ost- afrikanischen Regierungsschulen ist die Unterrichtssprache ausschliesslich die Sprache der Eingeborenen, das Kiswahili, eine der Bantusprachen. Deutsch wird überhaupt an den ost- afrikanischen Regierungsschulen gegenwärtig nur noch in Tanga(aber erst seit jüngster Zeit wieder, und zwar in der 5. Klasse mit 3 Stunden wöchentlich) und dem letzten Schulberichte zufolge in Bagamoyo in der 1. und 2. Abteilung gelehrt, doch an jener Schule und wahr- scheinlich auch an dieser in bescheidenem Masse. Am Anfang wurde es an sämtlichen Re- gierungsschulen Deutsch-Ostafrikas mit grosser Beharrlichkeit getrieben, doch waren die Erfolge trotz der angestrengtesten Arbeit der Lehrer infolge der Unregelmässigkeit des Schul- besuchs so gering, dass man diese fruchtlose Arbeit aufgab und den Unterricht im Deutschen einfach einstellte. In Tanga hat man ihn, wie oben erwähnt, nach der Einführung der allgemeinen Schulpflicht wieder aufgenommen, und in Dar-es-Salam will man dies in nächster Zeit thun.

Die Frage, ob in den Regierungsschulen die Sprache der Eingeborenen oder das Deutsche als Unterrichtssprache zu herrschen habe, ist schon mehrfach und manchmal in recht erregter Weise erörtert worden. Obereifrige Kolonialschwärmer verstiegen sich in ihrem Patriotismus sogar soweit zu verlangen, dass das Deutsche allmählich die Sprache der Eingeborenen zu verdrängen habe. Die Missionare der verschiedensten Richtungen wollen dagegen, dass den Eingeborenen ihre Muttersprache erhalten bleibe, und dass das Deutsche nicht zur Schulsprache gemacht werde. Der Generalschulinspektor der Baseler Missionsschulen im Kamerungebiet, Missionar Schuler, schrieb uns in einem Berichte, den wir im vorigen Aprilheft der Deutschen Zeitschrift für Ausländisches Unterrichtswesen veröffentlicht haben, über diese Frage:Wir halten an dem Grundsatz fest, dass der Schüler zuerst seine Landes- sprache lesen und schreiben können muss, ehe er Deutsch lernen soll. Diese grundlegenden Kenntnisse sollte überhaupt jeder Eingeborene haben. Die Landessprache kann durch das Deutsche nicht ersetzt werden, denn die wenigsten bringen es im Deutschen soweit, dass sie

* Die Aneho-Mundart ist ein Dialekt des Ephe, das eine wohlklingende, aber sehr arme Sprache ist. Das Duala ist die Sprache des grössten Teils der Küstenbevölkerung des Kamerungebiets. Es bildet mit der Sprache der Bakele, der Benga, der Isubu und der auf Fernando Po wohnenden Stämme die nordwestliche Sippe des westlichen Zweiges der Bantu-Sprachenfamilie, die über ganz Zentral- und fast ganz Süd-Afrika verbreitet ist, und der auch die meisten Völkerschaften in Deutsch-Ostafrika und die Herero-, Mbandyeru- und Ovambo- Völker in Südwestafrika angehören.