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einen solch erfreulichen Aufschwung genommen, dass der Schulbetrieb in jeder Hinsicht er- weitert werden musste.
Nicht unerwähnt dürfen wir lassen. dass sämtliche Europäer Tangas, allen voran der hochherzige Grosskaufmann August Schiele, der schon seit 10 Jahren dort ansässig ist, nicht nur der Schule von allem Anfang an mit liebevoller Sorgfalt das wohlwollendste In- teresse entgegengebracht haben, sondern auch oft, vornehmlich durch Zuwendungen und Stiftungen mannigfachster Art, der jungen im Anfang der Hilfe und Unterstützung sehr be- dürftigen Schule beigesprungen sind. Ihnen allen, die sich um die Schule so grosse Verdienste erworben haben, soll dafür an dieser Stelle der innigste Dank ausgesprochen werden.
Zu Dar-es-Salam, der Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas, wurde am 1. April 1895 eine Regierungsschule eingerichtet. Als Schulgebäude diente anfangs das Sewa-Hadji-Hospital, später wurde jedoch ein einstöckiges Inderhaus gemietet und von der Schule bezogen. In den ersten Tagen ihres Bestehens wurde die Anstalt nur von 10— 14 Kindern besucht. Die Zahl der Schüler nahm jedoch stetig zu und beträgt gegenwärtig(November 1899) 109. Im Schuljahre 1896/97 wurde für die indischen Schüler ein Inder als Lehrer angestellt, der das Gujerati, eine indische Sprache, lehrte, und zwar entsprechend den Bestimmungen eines Ver- mächtnisses des Grosskaufmanns Sewa Hadji, eines den Deutschen wohlgesinnten Inders, der am 10. Februar 1897 zu Sansibar gestorben ist. Der erste Leiter der Regierungsschule zu Dar-es-Salam war Lehrer Richter. Nach seinem frühzeitigen Tode(23. Dezember 1895) über- nahm Gewerbelehrer Kuhn die Leitung der Schule, sodann Lehrer Schröder, der jedoch nur kurze Zeit an der Anstalt wirkte, da er seiner durch das Tropenklima angegriffenen Gesund- heit wegen nach Deutschland zurückkehren musste. Seit Juli 1898 ist der syrische Christ S. Domet Leiter der Regierungsschule.— Wie in Tanga ist auch in Dar-es-Salam mit der Anstalt ein Alumnat verbunden, dem jetzt 18 Negerkinder angehören, meist Söhne schwarzer Beamter aus der Umgegend. Sie werden vom Gouvernement und der Gemeinde verpflegt und wohnen in einem Hinterraum der Schule, wo sie selbst ihr Essen bereiten und ihre Kleider waschen. Ausserhalb der Schulzeit stehen sie unter der Aufsicht des Schuldieners, der selbst Kostschüler ist und zum Hilfslehrer herangebildet wird, als welcher er jetzt schon Dienste thut. Der Gouvernementslehrer, der über die Kostschule die Oberaufsicht führt, sorgt für die Aufrechterhaltung der Ordnung und die richtige Befolgung der bestehenden Vorschriften. Die Kleidung der Kinder besteht aus einem langen Hemde von weissem, amerikanischem Baumwoll- zeug, einer roten Mütze und einem Lendentuch. Zum Schlafen hat jeder Knabe eine hölzerne Bettstelle, eine Schlafmatte und eine Decke.
Die Regierungsschule zu Bagamoyo wurde am 22. Oktober 1895 von dem noch jetzt an der Anstalt wirkenden Lehrer Rutz eröffnet. Bei der Eröffnung hielt dieser in Kiswahili, das er auf dem Orientalischen Seminar in Berlin gelernt hatte, eine Ansprache, in der er das Ziel der Regierungsschulen in den deutschen Kolonien erörterte. Nach acht Tagen betrug die Zahl der Schüler schon 63(28 Kinder und 35 Erwachsene), die in drei Klassen eingeteilt wurden. Zu Beginn des Schuljahres 1896/97 wurde aus denselben Gründen wie in Dar-es-Salam ein Inder als Lehrer angestellt. Mit dem folgenden Schuljahre wurde die Anstalt in zwei Klassen eingeteilt: eine deutsche und eine indische. Im Laufe desselben Jahres machte man grade wie an der Regierungsschule zu Tanga den Versuch, einige Negerknaben, meist Waisen, hauptsächlich im Lesen und Schreiben soweit zu bringen, dass sie späterhin im besoldeten Dienste des Kaiserl. Gouvernements die eingeborenen Ortsvorsteher in ihrem amtlichen Ver- kehr mit den deutschen Behörden als Schreiber unterstützen können. Wohnung, Nahrung und Kleidung bezahlt die Stadt Bagamoyo. Der Besuch der Schule ist für die Schüler obliga- torisch. Auch dieser Versuch ist vollständig geglückt.
In den anderen deutschen Schutzgebieten befinden sich noch keine Regierungs- schulen. Für Deutsch-Neu-Guinea und die Marshall-Inseln ist der kulturelle Zustand der Bevölkerung das wesentlichste Hindernis der Errichtung solcher Schulen gewesen. Auch ist die Erschliessung und Kolonisierung Deutsch-Südwestafrikas noch nicht so weit vorgeschritten, dass die Regierung schon mit der Gründung von Schulen für die Ein- geborenen beginnen kann; es bleibt vielmehr hier das Unterrichtswesen den Missions- gesellschaften vollständig überlassen, unter denen sich besonders die Rheinische ruhmvoll


