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auszeichnet“. Unsere jüngsten Kolonien können selbstverständlich noch nicht in Betracht kommen, da für sie erst andere Aufgaben gelöst werden müssen.
Sämtliche Regierungsschulen sind nach dem Muster deutscher Volksschulen einge- richtet, mit dem Unterschiede jedoch, dass die Anforderungen nicht so hoch wie in unseren Volksschulen sind und bei der ganzen Einrichtung dieser Schulen es selbstverständlich nicht sein können. In der Regierungsschule zu Sebbevi wird dagegen in einigen Fächern wie Rechtschreiben, Rechnen, Geographie und Zeichnen das Ziel der Volksschulen beinahe erreicht. Die Regierungsschulen sind der Oberaufsicht der betreffenden Bezirksamtmänner, bezw. des Gouverneurs unterstellt, die sie nach ihrem Ermessen zu revidieren und über ihren Stand, bezw. ihre weitere Entwickelung in dem„Jahresbericht über die Entwickelung der deutschen Schutzgebiete“ Rechenschaft abzulegen haben. Der Bericht über die Schule wird von dem Regierungslehrer dem Bezirksamtmann oder dem Gouverneur(Kamerun und Togo) zur Be- gutachtung vorgelegt und an das Auswärtige Amt in Berlin gesandt, wo er gewöhnlich mehr oder weniger gekürzt wird. Die ostafrikanischen Schulen waren vom 1. April 1895 bis 1. April 1898 der Abteilung für Landeskultur und Landesvermessung in Dar-es-Salam unterstellt. Dies hatte manche Nachteile, da jede dieser Schulen ihre ganz besondere lokale Eigenart hat und dieser gemäss behandelt sein will. Als daher im März 1898 die Kulturabteilung in ver- schiedene Ressorts getrennt wurde, wies man die Schulen dem Bezirksamt zu.
Was die Klasseneinteilung der Regierungsschulen betrifft, so berrscht wie in den meisten anderen Beziehungen an den verschiedenen Anstalten keine UÜbereinstimmung. Diese kann überhaupt gar nicht vorausgesetzt werden, da jede einzelne Schule mit den verschieden- artigsten Verhältnissen zu rechnen hat, die ihre Schwesteranstalten oft gar nicht kennen, und denen sie doch die Einrichtung ihres ganzen Betriebs anpassen muss. Kamerun und Sebbevi zühlen gegenwärtig je 4, Viktoria 3, Tanga 6 Klassen; weitere aufsteigende Klassen sollen an letzterer Anstalt, wenn die Zeit gekommen ist, gebildet werden; Dar-es-Salam und Baga- moyo haben je zwei Hauptabteilungen. Die unterste Klasse der Tangaer Schule besteht wegen der Menge déer Schüler aus 6 Abteilungen, von denen jede einen Lehrer und zwei Lehrgehilfen hat. Die Schule in Dar-es-Salam zerfällt in eine Hauptschule, deren Schüler in 5 Klassen dem Zweck und Ziel dieser Anstalten entsprechend ausgebildet werden, und in eine Neben- schule, worin die Kinder der Inder in ihrer Muttersprache, dem Gujerati, unterrichtet werden. — Die ganze Klasseneinrichtung richtet sich im allgemeinen nicht nach aufsteigenden Schul- jahren— davon kann bei der ganzen Einrichtung dieser Schulen keine Rede sein—, sondern hauptsächlich nach den Kenntnissen und Fortschritten der Schüler. Ohne Unterschied des Alters, der Sprache, des Standes u. s. w. sitzen die Schüler nebeneinander. So kommt es, dass Kinder und Erwachsene eine und dieselbe Klasse besuchen, dass häufig ganz junge Bürschchen, die noch gar nicht lange die Schule besuchen, infolge ihrer guten Begabung, ihres grossen Fleisses und demgemäss ihrer raschen Fortschritte in den oberen Klassen mit den ältesten Schülern zusammen unterrichtet werden, während ältere Schüler öfters längere Zeit in den unteren Klassen sitzen müssen.„Die ältesten Papas“, schreibt Gouvernementslehrer Domet mit Bezug auf seine Schule,„können mit den jüngsten Schülern auf einer Bank sitzen, und ganz junge Zöglinge können in kürzester Zeit von Klasse zu Klasse emporsteigen“.
Die Schülerzahl beträgt gegenwäürtig(Oktober 1899) in Sebbevi 45, Viktoria 77 (worunter 21 Mädchen im Alter von 7— 19 Jahren), Kamerun(April 1899) 116(worunter 3 Mädchen), Tanga 407(Dezember 1899), Dar-es-Salam 109, Bagamoyo(Juni 1899) 63 Schüler. Das ist eine Gesamtfrequenz von 817 Schülern, von denen beinahe die Hälfte auf die Regie- rungsschule zu Tanga kommt. Das Alter der Schüler, soweit sich dieses ermitteln oder vielmehr schätzen lässt, schwankte zwischen 6 und 40 Jahren. Viktoria hatte Schüler von 7 bis 19 Jahren, Sebbevi von 6— 15, bezw. 20, Tanga 7— 30, Dar-es-Salam 6—40 Jahren. Die ältesten Schüler befinden sich somit in den ostafrikanischen Schulen. Wie wir schon oben gesehen haben, war besonders im Anfang die Zahl der Erwachsenen gross. Die Gründe dieser auffallenden Erscheinung sind in dem Umstande zu suchen, dass viele Inder, meist
* Dagegen hat die deutsche Regierung für die Kinder der deutschen Ansiedler in Deutsch-Südwest- afrika mit Beginn dieses Jahres zwei Schulen errichtet. Die eine wurde am 2. Januar 1900 zu Windhoek mit 14 Kindern eröffnet. Wie uns ihr Vorsteher, Lehrer K. Otto, mitteilt, soll diese Anstalt mit einem Pensionat für die Kinder der im Lande zerstreut wohnenden Buren verbunden werden. Die andere Kaiserliche Schule befindet sich im Süden des Landes, in Gibeon, und wird von dem Lehrer Herlyn geleitet.


