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Nach dem Tode Flads(Januar 1891) leitete der Unterlehrer Eleme die Schule; dieser war jedoch der Aufgabe nicht gewachsen, sodass die Zahl der Schüler sehr zurückging. Erst unter der tüchtigen Leitung des Regierungslehrers Betz hob sich die Anstalt wieder und wurde, als dieser nach dem Tode Christallers die Bellschule übernahm, von dem eingeborenen Lehrgehilfen Senga Kuo unter Betz'’s Oberaufsicht weitergeführt. Nach ihrer Auflösung wurde das Schulgebäude der Baseler Missionsgesellschaft unentgeltlich überlassen, die eine sogenannte Freischule hier errichtete.
Die andere Regierungsschule im Kamerungebiet wurde als jüngste am 18. Oktober 1897 in Viktoria eröffnet, einer Station, die an der prachtvollen Ambasbucht am Südfusse des 4000 Meter hohen Kamerunberges reizend gelegen ist und bis Ende März 1887 unter britischer Oberhoheit stand. Zu verdanken ist die Gründung dieser Schule den jahrelangen eifrigen Bemühungen der ausschliesslich englisch sprechenden Mitglieder der Baptistengemeinde Viktorias, sämtlich Farbiger, die unter der energischen Führung ihres Geistlichen, Joseph Wilson, wiederholt die deutsche Regierung baten, in Viktoria eine deutsche Schule zu er- richten. In einem an den Verf. gerichteten englischen Brief, der vom 17. Juni 1897 datiert ist, spricht der erwähnte deutschenfreundliche Baptisten-Prediger sein lebhaftes Bedauern darüber aus, dass in Viktoria nicht ein einziger Eingeborener deutsch sprechen oder ver- stehen könne, und dass die deutschen Beamten, Missionare, Händler und Pflanzer sich in ihrem Verkehr mit den Schwarzen der englischen Sprache bedienen.„Ought it to be so in a German colony?“ fragt er mit vollem Rechte, worauf wir nur mit einem ganz entschiedenen Nein antworten müssen. Regierungslehrer Fischer bemerkt allerdings mit Bezug auf diese Stelle des Wilson’schen Briefes, dass sich die protestantischen Missionare mit Ausnahme der amerikanisch-presbyterianischen Mission in ihrem Verkehr mit den Eingeborenen meist der Dualasprache bedienen, obgleich die Muttersprache dieser Bakwiri und nicht Duala ist, das nach der Ansicht des Bezirksamtmanns Böder in Viktoria dort„künstlich eingeführt“ wird. „Mit gleichem Rechte“, fährt letzterer fort,„könnte das Deutsche in den Missionsschulen des Viktoriabezirks gelehrt werden. Es ist recht bedauerlich, dass dies nicht geschieht“. Zum Leiter der Regierungsschule zu Viktoria war vom Auswärtigen Amt in Berlin auf Empfehlung der Kgl. Regierung zu Gumbinnen Lehrer Sembritzki berufen worden, der jedoch nur ein halbes Jahr an der Anstalt wirkte, da er das Tropenklima nicht vertragen konnte und des- halb nach Deutschland zurückkehren musste. Sein Amt wurde bis zum Eintreffen des jetzigen Regierungslehrers Fischer ungefähr vier Monate lang von dem oben erwähnten Unterlehrer Senga Kuo aus Kamerun vertretungsweise verwaltet. Da es sich mit der Zeit mehr und mehr ergeben hat, dass der Viktoriabezirk ein viel besseres Arbeitsfeld für den Lehrer bietet als der Kamerunbezirk, so hat der Gouverneur vor kurzem bestimmt, dass der erste Lehrer nicht mehr in Kamerun, sondern in Viktoria unterrichten soll, dieses also der Sitz der Hauptschule ist. An der Bellschule ist seit dem Weggange Lederbogens, des Nachfolgers von Betz, kein deutscher Regierungslehrer mehr thätig, die Leitung dieser Anstalt liegt vielmehr seit dieser Zeit(Oktober 1898) in den Händen Senga Kuo's, doch soll„in den nächsten Tagen“, wie uns das Kolonial-Amt am 14. Februar 1900 mitteilt,„ein neuer Lehrer die Ausreise nach Kamerun antreten“.
Im Togogebiet wurde am 9. November 1891 eine Regierungsschule zu Klein-Popo errichtet, das an der Sklavenküste von Oberguinea auf einer 50 bis 150 Meter breiten Land- zunge zwischen dem Meer und einer sumpfigen Lagune gelegen ist. Sie zählte bei ihrer Er- öffnung 60 Kinder, die in zwei Klassen unterrichtet wurden. Ihr Leiter war Regierungslehrer Köbele. Dieser starb am 11. Mai 1896, worauf der schwarze Lehrgehilfe Wilson die Schüler bis zum 9. Juli 1896 unterrichtete, an welchem Tage der jetzt noch an der Anstalt thätige Regierungslehrer Walter die Leitung übernahm. Am 29. Sept. 1897 wurde die Schule nach Sebbevi verlegt, das ungefähr eine Stunde von Klein-Popo entfernt liegt. Die Verlegung der Anstalt geschah hauptsächlich deshalb, weil das in der Nähe des Meeres ge- legene Schulhaus wegen des Tosens der Brandung, das den Unterricht in empfindlicher Weise störte, als Unterrichtsanstalt ungeeignet war, und weil ausserdem die Schulräume etwas zu klein waren. Obwohl der weite Schulweg„die Hausjungen und Kleinen“ vom Schulbesuch ausschloss, ging die Schülerzahl im ganzen doch nur unmerklich zurück. Allerdings blieb und bleibt es misslich, dass der Regierungslehrer durch diese Veränderung mit den Eltern seiner
Schüler nicht mehr in so innigem Verkehr stehen kann wie früher. . 1*


