Aufsatz 
Die Regierungsschulen in den deutschen Schutzgebieten
Entstehung
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Wenn in unserem Vaterlande die Erwerbung überseeischer Niederlassungen noch viele Gegner hat, die von einem falschen Kosmopolitismus und einem christlichen Universalis- mus geleitet die Kolonialbewegung als utopistische Schwärmerei und als eine grosse Schädigung der Lebensinteressen des neu erstarkten deutschen Reiches betrachten, so besteht doch bei der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Deutschen, deren weitschauender Blick vor allem auf die Sicherstellung der Zukunft unseres Vaterlandes gerichtet ist, die felsenfeste UÜber- zeugung, dass das deutsche Volk grade so gut, wenn nicht mehr als die anderen Kulturvölker, dazu berufen ist, in fremden Weltteilen seine hohen kolonisatorischen Fähigkeiten in seinem eigenen Interesse zu entfalten und nicht mehr einzig und allein für andere Völker als Kultur- dünger zu dienen. Der grosse wirtschaftliche Aufschwung, den Deutschland nach seiner politischen Einigung und Kräftigung nahm, und der es mehr und mehr auf den Weltmarkt drängte, führte zuletzt mit zwingender Notwendigkeit zur Erwerbung eigener Kolonien. Im Jahre 1884 trat Deutschland in die Reihe der Kolonialmächte ein, und, um seine überseeische Machtstellung mehr und mehr zu befestigen, vermehrte es in den folgenden Jahren bis in die neueste Zeit hinein seine Schutzgebiete. In jeder Hinsicht suchte es seine Kolonien zu heben, vor allem die Eingeborenen zu bilden und zu erziehen, sie auf eine höhere Stufe der Gesittung zu erheben und sie so auch an den Segnungen der Zivilisation teilnehmen zu lassen. Zu den vielen Mitteln, die die deutsche Reichsregierung anwandte, um diesem hohen Ziele näher zu kommen, gehörte auch die Errichtung von Schulen, denn sie war sich wohl bewusst, von welch hervorragender Bedeutung gute Schulen für eine gesunde Kolonialpolitik sind. Ein treffliches Vorbild war ihr darin wie in vielen anderen kolonialen Angelegenheiten die grösste Kolonialmacht der Erde, England, das besonders in neuerer Zeit dem Schulwesen in seinen Kolonien die wärmste Fürsorge hatte angedeihen lassen. Allerdings bestanden in den deutschen Schutzgebieten neben den arabischen Koranschulen des ostafrikanischen Küstengebiets schon zahlreiche Schulen, die von verschiedenen Missionsgesellschaften gegründet worden waren, diese legten aber, wie dies von ihrem Standpunkt aus selbstverständlich ist, das Hauptgewicht auf das geistliche Wohl der Eingeborenen, während die deutsche Regierung neben der ethisch- sittlichen Erziehung, die überhaupt durch den Unterricht zu erzielen ist, auch das politische und nationale Interesse im Auge hatte. So wollen die Regierungsschulen diesen Namen hat die Regierung ihren Schulen in den Kolonien gegeben zwei Ziele verfolgen, nämlich: 1) wie überhaupt alle Schulen eine allgemein menschliche Bildung verleihen; 2) Ein- geborene für den deutschen Kolonialdienst ausbilden, das Deutschtum in das Volk eindringen lassen, um auf diese Weise ein starkes Bindeglied zwischen dem Mutterlande und seinen Kolonien zu schaffen.

In der Zeit von 1887 bis 1897 wurden 7 solcher Regierungsschulen errichtet, von denen allerdings eine, die am 7. Januar 1890 gegründete Deidoschule in Kamerun, einging, sodass heute noch 6 dieser Anstalten bestehen. Zwei davon befinden sich in der Kolonie Kamerun, und zwar die älteste von allen in Belldorf oder Bonamandone, einem Duala- dorfe, das am linken Ufer des einige Kilometer breiten Kamerunflusses gelegen ist. Eröffnet wurde diese Schule am 24. Februar 1887 von dem bekannten Regierungsoberlehrer Theodor Christaller, der am 13. August 1896 dem Schwarzwasserfieber, dem schlimmsten Feinde der Ansiedler in dortiger Gegend, im 33. Lebensjahre erlag. Dieser hervorragende, für Sprachen ganz besonders begabte Schulmann war ein ganzes Jahrzehnt lang ein unermüdlicher Mitarbeiter an dem schweren Werke der deutschen Kolonisation in Afrika, und sein Tod war für die ganze Kolonie ein unersetzlicher Verlust.Was Kamerun heute von deutscher Art an sich trägt, sagte an seinem Grabe der Vertreter der deutschen Regierung,das ver- danken wir vor allem ihm.

Die Gründung der Deidoschule in Bonebela geschah auf den mehrfach ge- äusserten Wunsch der Deidoleute, die zum Bau einer Schule ein grosses, schön gelegenes Stück Land abtraten. Der erste Unterricht, den Lehrer Flad erteilte, wurde in einer sehr primitiven Eingeborenenhütte abgehalten, bis das neue Schulhaus bezogen werden konnte.