Aufsatz 
Die Entwickelung der deutschen Orthographie bis zur Gegenwart mit Rücksicht auf das von der Schule zu befolgende Prinzip / Leimbach
Entstehung
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Analogien ſchützen laßen. So ſpricht die Analogie faſt einſtimmig für betriegen(vgl. ſchießen,

ſchließen, biegen ꝛc.), aber das gleichfalls analoge lügen ſpricht für betrügen.

Wer ſich nicht damit begnügt, wirklich ſchwankende Fälle auf die angegebene Weiſe feſtzu⸗ ſtellen, ſondern auch allgemein anerkannte ſundn angreift, der ſagt ſich los von der Schriftſprache der letzten hundert Jahre. Dieß zu tun, ſteht natürlich jedem Schriftſteller frei, ebenſo wie die Annahme einer durchgreifend neuen Rechtſchreibung. Von einer Einführung ſolcher Neuerungen in die Schulen könnte aber jedenfalls erſt dann die Rede ſein, wenn die Sachkundigen ganz Deutſchlands ſich über Ziel und Mittel derſelben verſtändigt haben.

So weit Raumer.

Noch in demſelben Jahre(1855) erſchien, gleichfalls in der Z. f. öſt. G. eine zweite Ab⸗ handlung Raumers überdie Verbeßerung der deutſchen Rechtſchreibung und dießeſtſtellung ſtreitiger Schreibweiſen,*) der dann 1857 in derſelben ZeitſchriftWeitere Beiträge zur deutſchen Recht⸗ ſchreibung folgten.

Raumer hat die Genugtuung gehabt, daß die tüchtigſten Anhänger der hiſtoriſchen Schule ihm ihre Anerkennung nicht verſagten. So Andreſen in ſeiner oberwähnten Schrift, Stier in Wittenberg), Crecelius in Dresden ⁴³), ferner Direktor Hoffmann in Lüneburg, der die hiſtoriſche Schreibung der Ziſchlaute fallen ließ, Zacher ¹¹⁴), Dr. H. B. Rumpelt in Breslau ¹⁵), ſowie der Bearbeiter der neuen Ausgabe der Grimm'ſchen Grammatik, Prof. Scherer in Wien*⁶⁴), und Linnig in Trier. ⁴⁷)

Von beſonderer Wichtigkeit aber erſcheint es, daß Weinhold ſeit Raumers Auftreten an dem orthographiſchen Streite keinen Teil mehr genommen und in ſeinen Druckſchriften großer Mäßigung ſich befleißigt. Man findet bei ihm nur die Beſchränkung(nicht Beſeitigung) der Majuskel und der Dehnungszeichen, die Ausmerzung des th im Aus⸗- und Inlaute, während er es im An⸗ laute ſtehen läßt. Doch in Betreff der S⸗Laute bleibt er bei der etymologiſchen Schreibung und die Konſonantenverdoppelung gibt er auf, wenn noch ein dritter Konſonant folgt(nimt, konte, wolte u. ſ. w).

vid wichtigſten Anhänger Raumers ſollen unter VI. noch namhaft gemacht werden, weshalb wir ſie hier übergehen.

V.

Die ſchroffen Gegner der hiſtor. Schule bezw. Verteidiger des alten Her⸗ kommens in der Orthographie.

Dieſe Richtung wird beſonders durch drei Männer repräſentiert, deren wir hier noch kurz gedenken müßen: Hofrat Feldbauſch in Baden, der Sprachkundige Lazarus Geiger in Frankfurt und der Lexikograph Daniel Sanders in Strelitz..

Feldbauſch bekämpft in ſeiner Abhandlung:Ueber die hiſtoriſche Begründung der deutſchen Rechtſchreibung(Heidelberg 1856) eigentlich alle Neuerungen, will alſo weder der hiſtoriſchen noch der phonetiſchen Schreibweiſe einen Einfluß geſtatten; doch zürnt er beſonders der hiſtoriſchen Schule, daß ſie die ſchöne Einheit der Adelung'ſchen Orthographie geſtört hat. Nach ſeiner Anſicht müſte unſere Orthographie unwandelbar ſein. Eine ſolche Anſchauung trägt ihre Unhaltbarkeit in ſich ſelbſt und bedarf keiner Widerlegung. Schwerlich wird Hr. Feldbauſch viele gewichtige Anhänger finden, wenn auch der große Haufe auf ſeiner Seite ſteht.

Lazarus Geiger ſchrieb im J. 1870 im Programm der Real⸗ und Volksſchule der israelitiſchen Gemeinde zu Frankfurt a. M.über deutſche Grammatik als Lehrgegenſtand an deutſchen Schulen und widmet in dieſer Abhandlung auch einen Abſchnitt denSprachreform⸗

41) Beſonderer Abdruck. Wien, Gerold. 1855. Mit zwei Anhängen:Ueber die Entſtehung der neuhochdeutſchen Schriftſprache undDer Unterricht im Deutſchen.

42) Zeitſchrift für das Gymnaſialweſen. Berlin 1856. Material für den Unterricht im Altdeutſchen. Mit einem Anhange über Orthographie. 3. Aufl. Koburg 1868.

43) Neue Jahrb. für Philol. und Pädag. 1856.

44) Verbeßerung der deutſchen Rechtſchreibung. 1861.

45) Das natürliche Syſtem der Sprachlaute und ſein Verhältnis zu den wichtigſten Kulturſprachen mit be⸗ ſonderer Rückſicht auf Grammatik und Orthographie. Halle 1869.

46) Zeitſchrift für öſterr. Gymnaſien 1866. 5*

47) Die Rechtſchreibung im Deutſchen, ein Leitfaden für den Unterricht in höheren Lehranſtalten. Trier, 1869.