Aufsatz 
Die Entwickelung der deutschen Orthographie bis zur Gegenwart mit Rücksicht auf das von der Schule zu befolgende Prinzip / Leimbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

gegliedertes Leben der Sprache und habe Ehrfurcht vor ihr als der Schöpfung des ewigen Geiſtes, an der nicht jeder nach ſeinem zufälligen Belieben und nach der Biegung ſeiner Zunge ändern darf..

Seit Weinholds Auftreten iſt der Namehiſtoriſche Orthographie allgemein geworden. Um dieſelbe Zeit, wie Weinhold, befolgte auch Direktor Hoffmann in Lüneburg die Grundſätze der hiſtoriſchen Orthographie in ſeinerNeuhochdeutſchen Schulgrammatik.(2. Aufl. Klausthal 1853) wie auch in ſeinen andern Lehrbüchern. Weinholds Name aber überſtralte jetzt alle anderen. Wenn auch für und wider, namentlich in der Zeitſchrift für öſterr. Gymn., noch geſtritten wurde, in ſo weit hatte jetzt die hiſtoriſche Orthographie wenigſtens geſiegt, daß man ihr die wißen⸗ ſchaftliche Alleinberechtigung zuerkannte.

Nach Weinhold trat Dr. Möller in Herrigs Archiv 1853 in dem Aufſatzeüber deutsche Rechtschreibunc für die hiſtoriſche Orthographie in die Schranken, aber in radikaler Weiſe, die derſelben keine Freunde erwerben konnte, wie ſchon aus folgender Probe hervorgeht: Er behauptet: Wir haben deshalp auf dass mhd. unt ahd., auf dass gothische, unt wo diss aless nicht ausreicht, auf den ganzen Kreiss der germanischen, ja selbst der urferwanten sprachen zu- rückaugen, one aber einen augenblick die forderungen der nhd. entwikelunc ausser acht zu assen«.

Die zweite Hauptſchrift(oder wenn Otto Vilmars Schrift als erſte gezält wird) die dritte unter den Hauptſchriften der hiſtoriſchen Schule iſt die von Andreſen:Ueber deutſche Ortho⸗ graphie ³⁷) Auf Weinholds ausgezeichneten Vorgang hat dieſe Schrift, wie der Verf. ſelbſt be⸗ kennt, beſondere Rückſicht genommen, und man kann es ihr anmerken, daß ſie ſich weſentlich an jene belehrende Abhandlung lehnt. Allein es finden ſich auch viele zum Teil bedeutende Ab⸗ weichungen von jener, weil ſie nicht nur gegen die Praxis eine verſchiedene Stellung beobachtet, ſondern bisweilen auch in der Theorie anderer Richtung folgt. Insbeſondere hat Andreſen dem Grundſatze, mit der Ausſprache nicht in ſchroffen Widerſpruch zu treten, gerecht zu werden geſucht. Für die Verbeßerung unſerer Orthographie in hiſtoriſchem Sinne wirkten fer⸗ ner: Zacher(Die Verbeßerung der deutſchen Rechtſchreibung, 1861) und E. L. Rochholz (Briefe über die Rechtſchreibung, gerichtet an eine deutſche Frau. Aarau. 1864.) Wie dieſe Vertreter des hiſtoriſchen Prinzips durch ruhige, überzeugende Entwickelung ihrer Anſicht ſich aus⸗ eichnen(dieſer Ruhm gebürt auch Hoffmann und wird ihm ſelbſt von Raumer zuerkannt), nament⸗ lich der letztere, deſſen Schrift zugleich in der unterhaltendſten Form abgefaßt iſt, ohne der ernſten Wißenſchaft dabei das geringſte zu vergeben, gehen Raſchke(Proben und Grundſätze der deutſchen Schreibung aus fünf Jahrhunderten. Wien 1862) und Kaspar Friſch(Die deutſche recht⸗ ſchreibung fom ſtandpunkte irer hiſtoriſchen entwickelung. Leipzig, 1868) weit über das Maß der Beſonnenheit hinaus. Dasſelbe gilt von einem gleichzeitigen Verſuche, der vom phonetiſchen Standpunkte aus unternommen wurde:Populäre Beſprechungen über deutſche Schreibung, Schrift und Typen durch Dr. Rog. Ahuus(Köln, Barnick. 1868). Die einleitenden Worte beweiſen das hinreichend: Forliegende untersuchungen gehören zu jenen erscheinungen, welche gar cainer rechtfertigung bedürfen. ain Versuch, derunerträglichen inconsequenz unsrer rechtschreibung, derverdorbenheit und geschmacklosigkeit unsrer buchstaben ain- für allemal abzuhelfen, ist seit der anregung der gebrüder Grimm und fast noch mer seit den hadernden fortchrittsfersuchen irer nachfolger vi ain gutes gedicht, der ausdruc aines allgemeinen vunsches und Gedancens, ja er übertrifft jenes und alle litteratur an dringlicher wichtigcait. Vi lange soll es vären, bis den vercen unsres gaistes das raine gefüge und die monumentale gestaltung beraitet vird, bis ain deutscher schriftsteller sich nicht zu schämen braucht, seine Erzeugnisse in formen und zaichen zu claiden, vi si den schönern lauten entsprechen, in denen er si geschaffen hat? u. ſ. w. ³⁸)

37) Mainz, 1855. DazuWortregiſter für deutſche Orthographie. Mainz, 1856. 2. Ausg. 1869.

38) Die Schrift des Hrn. Ahuus lieſt ſich nicht viel beßer als eine im J. 1871 in Zürich erſchienene unter dem Titel:Di fereinfachung unserer shrift und shreibveise. Eine manung an alle shul- und folks- freunde, besonders aber an eltern und lehrer. Fon J. Gut, landvirt in Langetal. Der Verf. beginnt:One einleitung vill ich gleich mit der türe ins haus fallen und sagen, dass es sich um eine tif eingreifende neuerung handelt, um eine eigentliche revolution.Fon den Deutshen kam uns ja eben die shreib weise, di virjezt haben, unddi hess rshlechtshreibung als rechtshreibunggenanntvürde. Digelertesten sprachforsher velche je aufgetreten sind, di gebrüder Jakob und Willhelm Grimm eiferten shon for 30 und 40 jaren für manche ferein

02*½