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der alten Mode“.—„Der alte Schottel, bis 1819 der gründlichſte Grammatiker unſerer Sprache, hat zwar ſchon im Jahr 1663 gegen die entſetzliche Willtür und Verwirrung ſeiner Zeit den Grundſatz aufgeſtellt: Alle diejenigen Buchſtaben, welche der Rede keine Hilfe tun und alſo über⸗ flüßig ſind, ſollen und müßen ausgelaßen und nicht geſchrieben werden’ à5). Aber es ſcheint, als ob wir einiges Krauſe in der Schrift bedürften; etwas Rococco iſt das Gewürz unſerer Ortho⸗ graphie. Sie wäre ſonſt zu einfach, zu ſchon. Wir müſten uns ohne die vielen großen Anfangs⸗ buchſtaben ganz verlaßen vorkommen, und auch das h, das wir zur Verzierung in die Wörter hineinſetzen, wodurch ſie eine gewiſſe Fülle, eine größere Würde bekommen, würden wir mit Schmerzen miſſen” ³⁸). Außer der Beſchränkung der Majuskel und der Dehnungszeichen läßt ſich Wackernagel noch beſonders über die Schreibung von ſö und ſſ aus, die er nach etymologiſchem Geſichtspunkte geregelt haben will.— Die große Verbreitung des trefflichen Wackernagel'ſchen Leſebuches war für die hiſtoriſche Orthographie wenigſtens inſoweit förderlich, als ſie einen ſtarken Anſtoß gab, derſelben nachzudenken und ſich weiter mit ihr bekannt zu machen. Im Jahr 1848 erſchien im Programm des Realgymnaſiums zu Wiesbaden Wackernagels Abhandlung: „Ueber deutſche Orthographie“. In derſelben verläßt er den Weg der allmählichen Verbeßerungen und überſtürzt ſich mit der orthographiſchen Reform, ſo daß er nicht nur die oben angegebenen Verbeßerungen, ſondern auch die Verwandlung des auf in ouf, es in ez, zu in tzu durchzuführen verſucht. Daß er aber die Ausführung ſeiner Vorſchläge erſt in einer tünftigen Zeit erwartet, zeigt die für jetzt aufgeſtellte Hauptregel der Orthographie:„die hauptregel der orthographie, die wir ſo ſcharf in kainer grammatik ouzgeſprochen finden, haizt ganz einfach: ſchreib wie die andern“. Als ihm ſpäter der Magiſtrat zu Elberfeld die Anwendung ſeiner Orthographie in der Schule nicht geſtatten wollte, quittierte er lieber ſeine Stelle.
Neben Wackernagel verdienen Clement aus Kiel und Vernaleken aus Zürich als Anhänger der hiſtoriſchen Schule angeführt zu werden. Beide traten ebenfalls im Jahr 1848 durch Aufſätze im„Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literatur von Herrig und Viehoff“ hervor. Der einmal angefachte Streit entbrannte nun in den 50 r Jahren immer heftiger und am lebhafteſten in Oeſterreich. Wärend hier von Seiten des Miniſteriums verſucht wurde, neben der Heyſe'ſchen Schreibung der S⸗Laute auch eine Beſchränkung der Majuskel und des th durch neue
prach⸗ und Leſebücher(bearbeitet von M. A. Ritter v. Becker und des obgenannten von Zürich nach Wien berufenen Prof. Th. Vernaleken) in die Volksſchulen zu bringen, wurde durch Prof. Karl Weinhold in Graz die orthographiſche Frage für die höheren Schulen— und zwar nicht nur in Oeſterreich— zu einer brennenden.
Die wichtige Abhandlung Weinholds erſchien unter dem Titel„Ueber deutſche Rechtſchreibung“ zuerſt in der Zeitſchrift für öſterr. Gymn. 1852 Heft II. und dann auch in demſelben Jahre in einem beſonderen Abdruck(Wien, Gerold). Das Grundgeſetz, welches Weinhold aufſtellte, lautet: „Schreib, wie es die geſchichtliche Fortentwickelung des Neuhochdeutſchen verlangt“. Hinſichtlich der Vokale macht er der Schule zur Einführung folgenden Vorſchlag; 1) die Verdoppelung der Vokale wird ganz aufgehoben; 2) das Dehnungs⸗h wird beſeitigt, höchſtens bei dem Pronomen (ihm, ihn, ihr u. ſ. f.) werde ihm noch eine Friſt gegeben; 3) das ie wird in den Worten, wo es als Brechung aus kurzem i auftritt und wo nicht die ältere Schreibung mit i daneben gilt, wie in gibt, ligt, wider, beibehalten; wo es Dehnungszeichen iſt, wird es getilgt. Bezüglich der Konſonanten richtete er das Augenmerk vorzüglich auf drei Stellen: auf den Auslaut, auf die Verdoppelung und auf die Bezeichnung der Zungenlaute. Es kommt ihm darauf an, daß die Schriftzeichen, welche den etymologiſchen Laut bezeichnen, zur Geltung kommen, auch dann, wenn dieſer Laut ſich geändert hätte oder gar verſchwunden wäre. Die Majuskel beſchränkt er auf die Eigennamen und die wirklichen Hauptwörter und geſtattet ſie außerdem noch bei den Anrede⸗ wörtern.— Mit den Männern, welche den Satz:„Schreib, wie du ſprichſt“ entweder ohne weiteres oder nur verhüllt zum Grundgeſetz der Lautbezeichnung machen, will er gar nicht rechten; ihnen gönnt er das Vergnügen, ihre Schreibweiſe nach jedem Jahre und jedem Hauſe zu ändern.„Ich aber— fährt er fort— glaube noch an eine Geſchichte und ein inneres feſt und fein
35) cf. oben S. 3. 36) a. a. O. S. 70.
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