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Beſonders„zalreich“, und„dreiſt“ wurden, um mit Adelung zu reden, die orthographiſchen Neueruugen von 1770 an,„da die gewönliche Orthographie ganz verdrängt und durch neue auf willkürliche Gründe gebaute Syſteme erſetzt werden ſollte.“ Hier ſind beſonders zu nennen die ſchwäbiſchen Grammatiker Fulda u. Naſt und der Pfälzer Hemmer, ſodann aber Klopſtock, Wolke, Voß ¹⁸), die Grafen zu Stolberg und im Anfange dieſes Jahrh. Schleiermacher. Beſonders fällt Adelung über den Schleſier Mäzke her,„deſſen Neuerungen alles übertreffen, was in dieſem Fache in irgend einer Sprache nur verſucht worden iſt“.
Klopſtock's Beſtreben zielte hauptſächlich darauf ab,„daß kein Laut mehr als ein Zeichen und kein Zeichen mehr als einen Laut haben ſolle“. Im Hauptgrundſatz war er mit Adelung in Uebereinſtimmung, ja er trieb dieſen Grundſatz ſogar auf die Spitze, ſo daß Adelung ihm den Vorwurf macht, eine ſolche, bloß auf die Ausſprache ohne alle Einſchränkung u. übrige Beihilfe gegründete Orthographie ſei eines Dichters ganz unwürdig. Ebenſo iſt Voß nicht gegen das phonetiſche Prinzip, ſondern gegen die Behauptung Adelungs, daß in Kurſachſen die maßgebende richtige Ausſprache zu finden ſei. Und darin wird man ihm ſchon Recht geben müßen.
3. Heinſius und Heyſe.
„Zur Befeſtigung der Gottſched⸗Adelung'ſchen Orthographie trugen hauptſächlich dieſe beiden Männer durch ihre Sprachſchriften, beſonders durch ihre Schulgrammatiken, erſterer auch durch ſen ealaihümlihes Wörterbuch der deutſchen Sprache“(5 Bde., Hannover, Hahn 1818— 1822) weſentlich bei.
Theodor Heinſius(Gymnaſial⸗Prof. in Berlin) betont vornemlich den Schreibge⸗ brauch, d. h. das herkömmliche Uebereinſtimmen der Menge, und meint, daß das Recht der„Wort⸗ ſchreibung“ in den meiſten Fällen nur hierdurch am ſicherſten und dauerhafteſten begründet werde, wenn auch das Richtige nur aus dem Innern der Sprache ſelbſt erkannt und bewieſen werden könne. Dieſer Grundſatz iſt gewis der annehmlichſte, ſagt er, wenn man bedenkt, daß alle Völker und alle Jahrhunderte ſich zu ihm bekannt haben, und daß ein Zurückführen auf die Bildung und Ausbildung der Wörter eine gänzliche Umformung unſerer Wortſchreibung herbeiführen würde. Er gibt zwar zu, daß dieſer Schreibgebrauch auch ſich verbeßere, aber nicht ſtürmiſch, ſondern all⸗ mählich, ſo daß gewönlich einige Menſchenalter dazu gehören, ehe man eine auffallende Verſchieden⸗ heit warnehmen kann.„Man vergleiche nur Hagedorn, Gellert, Leſſing, Gleim, Klopſtock und Engel mit Göthe, Herder, Pfeffel, Schiller, Iffland, Kotzebue und a,, und man wird ſich überzeugen, daß die meiſten Verſchiedenheiten dieſer Schriftſteller in ſprachlicher Hinſicht(denn nur von dieſer iſt hier die Rede) in der Veränderung einiger unregelmäßigen Formen und in dem ſparſamern Gebrauch einiger Dehnungs- und Schärfungsbuchſtaben beſtehen. Klopſtock ſelbſt ſtellte ſich als Dichter unter den allgemeinen Gebrauch, ſo viel er auch als Grammatiker gegen denſelben einzu⸗ wenden hatte, und auch Wieland hatte nur wenig Schreibeigentümlichkeiten. Wie ſollte nun wol bei ſolcher Uebereinſtimmung der Sprach- und Schreibgebrauch beſtritten werden koͤnnen, da jene Wden Ar ihre in allen Ständen geleſenen Schriften ihr Zeitalter beherſchten?“(Vorw. z.
Jörterb.
In ſeiner„Theoret.⸗prakt. deutſchen Sprachlehre“(9. Aufl. 1822, die erſte erſchien 1804) ſtellt er fur die Orthographie folgende vier Grundſätze auf: 1) Man ſchreibe wie man ſpricht, und zwar der allgemeinen und beſten Ausſprache gemäß; 2) man folge der erweislich nächſten Abſtammung; 3) man ſehe in zweifelhaften Fällen auf den allgemeinen Schreibgebrauch, der ſo wichtig als der Sprachgebrauch iſt und als der erſte Geſetzgeber in der Orthographie betrachtet werden muß, daher auch nicht willkürlich abgeändert werden darf; 4) man berückſichtige auch die Sprachähnlichkeit, d. h. man achte bei der Beugung und Ableitung auf ähnliche Fälle; 5) Fremde, aber auf deutſche Art ausgeſprochene und gebogene Wörter ſchreibe man mit deutſcher Schrift und nach deutſcher Ausſprache und Sitte.
Denſelben Grundſätzen huldigt im weſentlichen Chr. Aug. Heyſe(Direktor d. Töchterſch. in Magdeburg), deſſen 1814 in erſter Auflage erſchienene„Theoretiſch⸗prakliſche deutſche Schulgrammatik“ allmählich in Schule und Haus eine faſt noch weitere Verbreitung fand als die Heinſius'ſche.
20) In ſeiner Ueberſetzung des Homer.


