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den abgeſonderten Begriff des Adels anzeiget; jenes ſteht ſchon in Ottfrieden, dieſes aber iſt viele hundert Jahre neuer“.— Wo aber dieſe beiden Regeln nicht zulangen, da ſoll man ſo ſürelben,,„wie es der allgemeine Gebrauch eines Volkes ſeit undenklichen Zeiten einge⸗ ührt hat“.
u. Das bedeutende Anſehen, welches Gottſched genoß, bewirkte, daß der grammatiſche und orthographiſche Unterricht in immer weitere Kreiße ſich verbreitete, und es läßt ſich nicht leugnen, daß die deutſche Schreibung durch ihn an Klarheit und Einfachheit bedeutend gewonnen hat.
2. Adelung.
Auf Gottſcheds Schultern ſteht Adelung. Durch ſeine„Vollſtändige Anweiſung zur deutſchen Orthographie(1788) und namentlich durch ſein großes Wörterbuch*⁸) hat dieſer vor⸗ zugsweiſe unſerer Orthographie das Gepräge gegeben, das ſie im großen und ganzen bis heute noch hat. Eine Verſchiedenheit im Prinzip tritt zwiſchen ihm und Gottſched gar nicht hervor; Adelung hat nur weiter ausgebaut und befeſtigt, was Gottſched begründet hat.
Nach Adelung iſt„das höchſte und vornehmſte, und wenn man die folgenden näheren Beſtimmungen dazu nimmt, auch das einzige Grundgeſetz für die Schrift in allen Sprachen: Schreib wie du ſprichſt“; doch gibt er zu, daß man der guten Ausſprache unbeſchadet noch eine gar verſchiedene Schreibung der Wörter haben könne, z. B. Grap, Grab, Graap, Grahp und Graab, ermlich, ärmlich, ärmlig, ermlich u. ſ. w. und ſtellt darum als zweites Grundgeſetz hin:„Folge der nächſten Abſtammung“, dem dann noch als drittes„die Befolgung des allgemeinen Gebrauchs“ ſich anſchließt.
Es iſt nach dem Geſagten klar, daß Gottſched und Adelung, gleich ihren Vorgängern, das phonetiſche Prinzip oben an ſtellen, zugleich aber iſt dargetan, daß ſie als zweites orthogra⸗ phiſches Prinzip das grammatiſche feſtgehalten haben, das Prinzip, welches vorzugsweiſe die Ableitung und Verwandtſchaft der Wörter und Wortformen feſtzuhalten verſucht.
Daß die Gottſched⸗Adelung'ſche Schreibweiſe ſobald eine allgemeine Geltung erlangt und bis auf unſere Tage behauptet hat, hat ſeinen Grund hauptſächlich darin, daß mit dem Ende des 18. Jahrhunderts dieſe Schreibweiſe in den Buchdruckereien und in den Schulen und ſo auch in der Literatur zur Geltung kam. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß mit Gottſcheds gram⸗ matiſchen Feſtſtellungen der großartige Aufſchwung der deutſchen Literatur durch Klopſtock und Leſſing zuſammenfällt, Göthe und Schiller aber nur wenige Jahrzehnte ſpäter folgen. Dieſe unſere gröſten Klaſſiker haben ſich nun(nur Klopſtock macht, inſoweit er als Grammatiker auftritt, eine Ausnahme) in ihren Schriften der von den Grammatikern feſtgeſtellten Orthographie bedient, und ſo iſt es nicht zu verwundern, daß dieſe eine ſo allgemeine Verbreitung und ein ſo hohes Anſehen erlangt hat.
Zwar hat es ihr nicht an Gegnern gefehlt, aber ſie haben ihr wenig Eintrag getan. Es waren Beſtrebungen ähnlicher Art, wie ſie ſchon ſeit der Mitte des 17. Jahrhunderts von ein⸗ zelnen Mitgliedern der„fruchtbringenden Geſellſchaft“(Harsdörfer, Buchner), beſonders aber von Philipp von Zeſen, ausgiengen, und über welche Gottſched und Adelung weidlich losziehen, beſonders letzterer, wie ſeine Epitheta für die„Neuerer“ beweiſen: der„berüchtigte“ Zeſen,„ver⸗ rückte Einbildungskraft dieſes Menſchen“ ¹³⁹) u. ſ. w.
Daß aber doch nicht alles ſo„hirnverbrannt“ war, beweiſen die von Gottſched mit unter die „Wunderlichkeiten“ gezälten Beiſpiele von orthographiſcher Schreibung: Konrector, Kollege, frei, drei, dabei, die Tat, Malzeit, Stal, Zal, Feler, ſtelen, nemen, Müle, wülen, geboren, das Ror, die Ur, teilen, raten, tum; dazu rechnet er auch die Entfernung der Majuskel bei den Subſtantiven und meint, man wolle dadurch nur„dem Pöbel die Mühe ſparen, große Anfangsbuchſtaben machen zu lernen, und zu wißen, was Nennwörter ſind.“
18) Verſuch eines vollſtändigen grammatiſch⸗kritiſchen Wörterbuchs der hochdeutſchen Mundart mit beſtändiger Vergleichung der übrigen Mundarten, beſonders aber des Oberdeutſchen. 5 Teile. Leipzig 1774- 1786.
19) Bellin, Rektor zu Wismar(† 1660) kommt noch am gelindeſten weg, obgleich er„ſeines Vorgängers Grillen noch übertroffen hatte“. Kuhlmann heißt bloß der„Verrückte“. Aber alle drei erhalten doch das Lob, „armſelige Stümper“ geweſen zu ſein gegen Samuel Buſchky von Rutinfeld, deſſen„verbranntes Gehirn“ durch Mitteilung einer Stilprobe zu konſtatieren verſucht wird.
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