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bei allen Redeteilen und in der ungleichmäßigen Schreibung desſelben Wortes, wovon die ver⸗ ſchiedenen Ausgaben der Luther'ſchen Bibelüberſetzung hinreichende Beweiſe liefern. Alles ohne gewiſſe Regel und Ordnungs). Dieſe Regelloſigkeit, wie die ans Ohr dringenden neuen Laute, die nicht organiſch auf früheren beruhten, die Notwendigkeit, neue Zeichen zu erfinden, wie das ſ., veranlaßten es, daß nun auch die deutſche Grammatik und mit ihr die theoretiſche Feſt⸗ ſtellung orthographiſcher Grundſätze und Regeln begann.
Den erſten Anlauf zu einer deutſchen Grammatik nahm Luthers Zeitgenoße, der in die Karlſtadt'ſchen Händel vielfach verwickelte Valentin Ickelſamer, Schullehrer zu Rotenburg a. d. Tauber(1522) 6). Ihm iſt der erſte ſue der Grammatik Orthographie und Leſenlernen. Beſonders gehoͤren hierher die Abſchnitte ſeines Buches:„Kurtzer bericht der Orthographia vnd Etymologia, das man vmb jrentwillen, den leydenlichen gemainen brauch in den wörtern vnd ſprachen nit verlaſſen ſoll“.—„Bericht von Der Orthographia allain, ſampt ainer Regel, wie vnnd wa man die Buochſtaben dupeln oder ainen zweymal ſetzen vnd gebrauchen ſoll“.
An Ickelſamer reiht ſich M. Fabian Frangk, gleichfalls ein Zeitgenoße Luthers und jedenfalls der erſte hervorragende neuhochdeutſche Sprachlehrer und Orthograph*). Die Frage: „Warauß man recht vnd reyn Teutſch lerne“, beantwortet er alſo:„Wer aber ſölche mißbreuch meiden, vnd rechtformig Teutſch ſchreiben, odder reden will, der muß Teutſcher ſprachen auff eins Lands art vnnd brauch allenthalben, nicht nachuolgen. Nützlich und guot iſts einem iedlichen, viler Lande, ſprachen mit jren mißbraeuchen zewiſſen, damit man vnrecht moeg meiden, Aber dz fürnemlichſt iſt, ſo zuo diſer ſach foerderlich vnd dienſtlich iſt, das man guoter Exemplar war⸗ neme, das iſt, guotter Teutſcher Buecher vnd verbrieffungen, die mit fleiſſe leſe vnder woelchenn mir etwan des tewren(hoch loblicher gedechtnuß) Keyſer Maximilians Cantzlei, vnnd diſer zeit D. Luthers ſchreiben, vnd dz vnuerfaelſchet, die emendirtſten vndt reynſten zuhanden kommen ſein“.
Hiermit iſt die obige Behauptung von dem Einfluß der Grammatik auf die Orthographie ſchon gerechtfertigt. Denn wenn auch die Schriftſteller unter Berückſichtigung der grammatiſchen Grundſätze den Schreibgebrauch bildeten, ſo waren es doch immer wieder die Grammatiker, welche dem verkehrten Schreibgebrauch theoretiſch und praktiſch entgegen traten. Beſonders wirkte auch nach dieſer Seite die 1617 vom ſachſen⸗weimar'ſchen Hofmeiſter Kaspar von Teutleben gegründete „fruchtbringende Geſellſchaft“, aus der auch der bedeutende Sprachforſcher Joh. Georg Schottel) hervorgieng. Er tritt entſchieden dem bisherigen Mangel an Einheit entgegen, über welchen Adelung?) mit den Worten klagt:„Man hielt die Sprache mit allem, was zu ihr gehört, für ein Wert der Schriftſteller, und da jeder Schriftſteller eben das Recht zu haben glaubte, welches er ſeinen Vorgängern zuſchrieb, und daher die Sprache nach eigenen Grundſätzen fortbilden wollte, ſo gieng darüber bei einem großen Teile entfernterer Schriftſteller die bisherige Einheit völlig verloren“.— Auch hatte man, wie eben ſchon angedeutet, ſeit Frangk die Einſicht gewonnen, daß die Schriftſtücke aus Kaiſer Maximilians Kanzlei und Dr. Luthers Schriften muſtergiltig ſeien.
5) Ueber die zu jener Zeit herſchende Unbeſtändigkeit im Schreiben finden wir in dem älteſten orthographiſchen Büchlein(„Ein nützlich Büchlein etlicher gleichſtymender worther Aber vngleichs Verſtandes den angenden deutſchen ſchreyb ſchülern, zu gut mitgeteylt, durch Meiſter Hanſſen Fabritium, Rechenmeiſter und deutſchen Schreiber zu Erffurth“ Gedruckt daſ. 1531.) eine laute Klage:„Ich wais ſchier nicht— ſo heißt es da— was daraus werden wil zu letzt, ich zu meinem theyl wais ſchier nicht, wie ich meine Schulers leren ſol, der vrſachen halben, das yetzunder, wo vnſer drey oder vier Deutſche ſchreibers zuſammen koment, hat veder ein ſonderlichen gebrauch, der eine ſchreibet ch, der andere e, der dritte k, wolte Gott, daß es darhyn komen möchte, das die Kunſt des ſchreibens einmal wieder in einen rechten prauch komen möchte, es muß doch zuletzt dahin komen, es iſt nit darmit ausgericht, das wir ſagent; er kans ſchon wol, er kan vf ſchwartz, roth bappeyer ſchreiben. Nein, nit alſo, es gehört mher dazn, wyſs, das ich dir das geſagt hab.“
6) Teutſche Grammatica, Darauß ainer von jm ſelbs mag leſen lernen, mit allem dem, ſo zum Teütſchen leſen vnnd deſſelben! Orthographian mangel vnd überfluß, auch anderm vil mehr, zuo wiſ⸗! ⸗ſen gehört. Auch ettwas von der rechten art! vnd Etymologia der teütſchen ſprach! vnd wörter, vnnd wie man die Teutſchen wörter in jre ſil⸗! ⸗ben taylen, vnd zuoſa⸗! ⸗men Buochſta⸗-ben ſoll Valentin Ickelſamer.(40 ungezälte Blätter in kl. 8., ohne Jahrzal u. Druckort.) Exemplar in der gräfl Bibl. zu Wernigerode.
9 Tehtſchor Sprach Art vnd Eygenſchafft. Orthographia, Gerecht Buochſtaebig Teutſch zuſchreiben.“ Frank⸗ furt a M. 1531..
8) Geb. 1612 zu Eimbeck, † 1676 als braunſchw.⸗lüneb. Kammer⸗, Hof⸗ u. Konſiſtorialrat.
9) a. a. O. S. 409.


