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gefallen sein. Goethe setzte dieser seltenen Frau im Schlußbriefe des ersten Teiles seines Romans ein schönes Denkmal. So lebte der junge Dichter eine„echt deutsche Idylle, wozu das fruchtbare Land die Prosa und eine reine Neigung die Poesie hergab“. Jeder Tag war ihm ein Festtag.
Goethe war seiner Person soweit sicher, als er fest entschlossen war, den heiligen Frieden des Brautpaares nicht zu stören. Sehr bezeichnend für seine Charakterstärke ist ein Gespräch mit seinem Freunde v. Born, welches Goethe in einem späteren Briefe an Kestner vom April 1773 anführt:„Wie ich mich an Lotten attachierte, und das war wie ihr wißt von Herzen, redete Born mit mir davon, wie man spricht.„Wenn ich K. wäre, mir gefiels nicht. Worauf kann das hinausgehen? Du spannst sie ihm wohl gar ab?“ und dergleichen. Da sagt ich ihm mit diesen Worten in seiner Stube, es war des Morgens: „Ich bin nun der Narr das Mädchen für was besonders zu halten, betrügt sie mich und wäre so wie ordinär und hätte den K. zum Fond ihrer Handlung, um desto sicherer mit ihren Reizen zu wuchern, der erste Augenblick der mir das entdeckte, der erste der sie mir näher brächte, wäre der letzte unserer Bekanntschaft, und das beteuert ich und schwur.“
Einmal vergaß er sich. Am 13. August war Kestner in Gießen. Bei seiner Rück- kehr gestand ihm Lotte, daß sie von Goethe geküßt worden sei. Man gewinnt den Ein- druck, als habe sich Goethe durch eine Regung enthusiastischen Ubermuts zu diesem Kusse hinreißen lassen. Eine vorübergehende Verstimmung war die Folge. Goethe ward einige Tage„gleichgiltig traktiert“, Blumen, die er brachte, ließ man unbeachtet; ein dauerndes Zerwürfnis trat jedoch nicht ein. Lotte erklärte dem Freunde nun ausdrücklich, was sie ihm durch ihr Benehmen immer gezeigt hatte, daß er auf nichts als Freundschaft hoffen dürfe. „Er ward blaß und sehr niedergeschlagen“, berichtet Kestner; doch fand sich der alte ver- trauliche Ton wieder ein, und der 28. August, an dem auch Kestner seinen Geburtstag hatte, wurde gemeinsam gefeiert. Noch nach zwei Jahren erinnert sich Goethe jener Doppelfeier und schreibt an Lotte am 27. Aug. 1774:„Heut vor zwei Jahren saß ich bei Dir fast den ganzen Tag, da wurden Bohnen geschnitten bis um Mitternacht und der 28. feierlich mit Tee und freundlichen Gesichtern begonnen“. Auch Werthers Geburtstag wurde auf den 28. August gelegt.
Aber gerade die Sicherheit, die Goethe infolge Kestners und Lottes schönem, gleich- mäßigem Verhalten zu haben glaubte, ließ ihn die Gefahr eine Zeit lang verkennen. Sobald er jedoch einsah, daß„er zu seiner Ruhe Gewalt gebrauchen mußte“, faßte er den harten Entschluß, den liebgewordenen Kreis zu verlassen. Merck, mit dem er am 18. August in Gießen zu einem„literarischen Kongreß“ in Sachen der Frankfurter Gelehrten Anzeigen zusammengetroffen war, bestärkte ihn in seinem Vorsatz, um den Freund der auf die Dauer aufreibenden Umgebung zu entreißen, und verabredete mit ihm eine baldige Zusammenkunft in Koblenz; von dort aus wollte man Frau von La Roche in Ehrenbreitstein besuchen.
Am 11. September morgens um 7 Uhr verließ Goethe Wetzlar, ohne die Freunde im Deutschen Hause von seiner Absicht benachrichtigt zu haben. Am Abend vorher war er noch mit ihnen vereint. Er hatte, nicdergedrückt von dem Gedanken zum letzten Male unter den Freunden zu weilen, vom„Weggehen und Wiederkommen“ gesprochen,„von drüben“, indem er„nicht die Wolken nur die Berge“ meinte. Lotte verstand diese An- deutungen nicht, sie dachte ans Jenseits uud lenkte das Gespräch auf das Leben nach dem Tode, wodurch Goethe, ohnehin schon wehmütiger Stimmung, beinahe die Fassung verloren hätte.„Er ist fort Kestner wenn Sie diesen Zettel kriegen“, schreibt er noch am 10. abends,
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