— 18—
Cassel, 16. Januar 1889.„Aus dem unter dem Titel„Schule und Auge“ im Druck erschienenen Vortrage des Herrn Professor Dr. Schmidt-Rimpler zu Marburg teilen wir den Herren Dirigenten in der Anlage zwei Stellen mit, welche besondere Beachtung verdienen.
Sollten sich an den unter Ihrer Leitung stehenden Anstalten in der einen oder der anderen der gedachten Beziehungen bisher noch Mängel gefunden haben, so veranlassen wir die Herren Dirigenten, auf die Abstellung derselben ernstlich Bedacht zu nehmen.
Hinsichtlich des unter Nro. 2 erwähnten Punktes erwarten wir bis zum ersten Mai d. Js. Bericht, in welcher Weise an den einzelnen Anstalten für die Sauberkeit der Klassen und Turnhallen,(einschliefslich der Ofen, Schränke u. s. w.) und für die notwendige Beseitigung des Staubes durch nasses Aufwischen und Scheuern in nicht zu langen Zwischenräumen Sorge getragen wird, bezw. welche neue Anordnungen in dieser Beziehung etwa für die Zukunft in Aussicht genommen sind.“
Schule und Auge.
Von Hermann Schmidt-Rimpler. Breslau. 1. Seite 14.(Deutsche Bücherei, Heft XLIV).
Nicht selten findet man, dass in einer Klasse, in welcher nach besten Grundsätzen Subsellien verschiedener Gröſse entsprechend der verschiedenen Körper-Grölſse aufgestellt sind, die Schüler nicht nach dieser, sondern in altgewohnter Weise nach ihren geistigen Fähigkeiten darauf gesetzt werden: natürlich passen dann die Subsellien nicht, da Körper- und Geistes-Gröſse, wie es scheint, nicht immer conform sind.
2. Seite 24— 26.—
Nicht unterlassen möchte ich, auf einen hygienischen Mifsstand hinzuweisen, welcher ebenfalls, wenn auch in geringerem Grade und unter besonderen Verhältnissen, geeignet ist, die Augen zu schädigen. Ich meine die Unreinlichkeit, die in den meisten Schulen herrscht, die massenhaften Staub- und Schmutz-Anhäufungen in den Klassen, welche bei der Entstehung und Verbreitung von Erkrankungen der Augenlid-Schleimhaut eine groſse Rolle spielen. Solche Epidemien treten ziemlich häufig auf; in den letzten Monaten sind in Holzminden deshalb die Schulen geschlossen worden, vor einiger Zeit in Corbach; in Baden und Schlesien waren vor wenigen Jahren zahlreiche Lehranstalten ergriffen. Es heifst gewöhplich,„die ägyptische Augenkrankheit“ sei ausgebrochen; wenn man hierunter die sonst als Trachem oder Granulationen bezeichnete Bindehauts-Erkrankung versteht, welche aufserordentlich gefährlich und langwierig mit Einlagerung von runden, gelblich aussehenden Körnchen einhergeht, so ist die Benennung unrichtig. Es handelt sich meist nur um schleimige Katarrhe, öfter auch um Vermehrung der normaler Weise vorhandenen Lymphbläschen. Immerhin aber wird der Unterricht unterbrochen, und eine bisweilen lang dauernde, unbequeme und zu Rückfällen neigende Erkrankung bewirkt. Wenn auch der plötzliche Ausbruch solcher Epidemien durch besondere schädliche Einflüsse bedingt ist, so liegt doch in dem Reizzustande der Schleimhaut, welcher durch den Aufenthalt in der staubigen Atmosphäre der gelegentlich noch überfüllten Klassen-Zimmer entsteht, die Disposition zur Erkrankung und zur Ausbildung derselben. In Lehr-Anstalten, in denen keine Epidemie herrschte, habe ich unter circa 1600 Schülern 34% gefunden, deren Augen- Bindehaut abnorme Blutfülle, Katarrh oder stärkere Entwicklung der Lymph-Follikel zeigte. Daſs auf einem solchen Boden irgend eine epidemisch auftretende Schädlichkeit, sich üppig entwickelt, ist erklärlich.
Von dem Nachtheil, welchen das Einathmen dieser staubgeschwängerten Luft auf erkrankte Lungen bringen kann, von der Möxglichkeit einer Uebertragung ansteckender Keime will ich nicht sprechen: schon die angeführte Thatsache dürfte genügen, eine gröſsere Reinlichkeit der Schulzimmer aufs Dringendste zu fordern. Man sorgt jetzt überall für die künstlichen Ventilations-Einrichtungen, um frische Luft einzuführen; den dicken Staub und Schmutz läfst man unbeachtet. In manchen Schulen wird nur Mittwoch und Sonnabend Nachmittag der Fufsboden gekehrt, das heiſst, da es ohne Anwendung von Wasser geschieht, der Staub wird aufgewirbelt und zu einer Niederlassung an anderer Stelle höflichst eingeladen. Ein nasses Aufwischen und Scheuern geschieht nur zweima! im Jahre: in den Oster- und Michaelis-Ferien. Welche Masse von Staub sich demnach in Schulzimmern, die von 40— 60 Schülern mit beschmutztem Schuhwerk zu jeder Jahreszeit begangen werden, anhäufen mufs, kann man sich denken, zumal noch im Winter bei Lokal-Heizanlagen der entsprechende Kohlen-Abfall hinzukommt. Selbst in den besser situirten groſsstädtischen Schulen sieht es mit der Sauberkeit in den Klassen noch recht


