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einem auffallenden Gegensatz zu den grolfsen Schleifen, welche die Oberschäfte der b, f und 1 zieren, und die auch bei dem d angebracht sind. Was Schum ¹) als be- sonderes Characteristicum der spanischen Kursiv-Handschriften angiebt— die Ver- längerung deser nach unten und der Doppelschaft des s— fehlt hier vollständig. Die i sind zum Teil mit dem gewöhnlichen accentartigen Strich(i) versehen, zum Teil auch ohne Bezeichnung gelassen. Wo zwei i zusammentreffen, wird das letzte nach unten verlängert(1]), was als Ansatz zu dem späteren Jod zu betrachten ist.
Wie wichtig übrigens eine durchgehende Unterscheidung des i für das Lesen alter Handschriften ist, wird sofort klar, wenn man sich vergegenwärtigt, daſs die n, m, u und v aus einzelnen Strichen bestehen, von denen jeder ebenso gut ein i sein könnte. Dazu kommen dann noch einige Zahlen und bei flüchtiger, eng zu- sammenhängender Schrift die c und die t hinzu. So wird z. B.„minime“ in dem unten abgedruckten Manuskript durch zehn auf einander folgende, ganz gleiche Striche, an welche dann das e angehängt ist, dargestellt. Um nun das i als solches kenntlich zu machen, schlug man verschiedene Wege ein. Anfangs verlängerte man es nach oben oder nach unten. Im 11. Jahrhundert fing man an zusammentreffende i mit Accenten zu versehen(ii), und im 12. Jahrhundert setzte man den Strich zuweilen auch über das einzelne i, neben dem aber dann immer noch der unbezeich- nete Buchstabe häufig vorkommt. Wattenbach fand den Punkt, welcher später an die Stelle des Accents trat, zuerst in einer Wiener Urkunde von 1327. ²)
Die Abkürzungen werden in dieser Handschrift meistens durch einen horizon- talen Strich hervorgehoben, der über dem betr. Worte steht und sich öfters über die ganze Ausdehnung desselben hinzieht. Da er alles mögliche bedeuten kann und da sogar nicht einmal die Stelle markiert ist, an welcher etwas ausgelassen ist, so wird natürlich das Lesen des Dokuments aufserordentlich erschwert. Es wird z. B. ge- schrieben:
denunciaciois= denunciacionis(n), omia= omnia(n) ³); oms= omnes(ne); ecia= eciam(m), constituig= constituimus(m); vl= vel(e), Guillmg= Guilelmus(e), marum= mearum(e); vob= vobis(is); nros= nostros(ost); vri= vestri(est); roe= racione(aci-n).
Daneben kommen sodann die gewöhnlichen Zeichen vor, wie: 9= us: omibg(überstrichen)= omnibus; d=zx er oder re: propt“= propter, pdta(überstrichen)= predicta; P= per; †= pro; = qui ⁴)
¹) a. a. O. pag. 179.
²) cf. Wattenbach, Anleitung zur lateinischen Palaeographie. Leipzig 1878. pag. 42 f.
²) Die vor dem Gleichheitszeichen stehenden Formen sind alle mit dem erwähnten Abkürzungs- striche versehen, die in Klammern gesetzten Buchstaben geben den jeweiligen Wert des Striches an.
4) Zur Auflösung der Abkürzungen wurden aufser Wattenbachs Anleitung zur lat. Palaeogr. benutzt: L. Walther, Lexicon diplomaticum etc. Gottingae 1745.
Alph. Chassant, Dictionnaire des abréviations latines et françaises, usitées dans les inscriptions lapidaires et métalliques, les manuscrits et les chartes du moyen-àge. Paris 1864.


