gedämpft, aber nicht ganz verloschen, das erkennen wir an der Begeisterung, mit welcher der nach seinem Seelenheil Dürstende den Entschluss ergreift, den ihm Gisela nahebringt, das sehen wir auch an der neu erwachten Kampfeslust und der bewegten Teilnahme, mit der er dem Verlauf der Schlacht folgt.
6. Warmann.
Bischof Warmann ist ein kluger und gewandter Priester, der in der Kanzlei des Kaisers Erfahrung auch in politischen Dingen erworben hat. Auf den Vorteil seines Bistums bedacht, scheut er sich nicht auch die geistlichen Machtmittel gegen seine Gegner zu gebrauchen. Voll ehrgeiziger Pläne, ist er ein Anhänger des Kaisers, mit dessen Unterstützung er zumeist auf ihre Verwirklichung hoffen kann. Am Kaiser bewundert er die schnelle und thatkräftige Entschlossen- heit, er selbst ist gewohnt mit bedachtsamer Vorsicht seinem Ziele näher zu kommen. Auf kluger Berechnung beruhen alle seine Handlungen; in ungünstiger Zeitlage scheint er wohl einen Schritt zurückzuweichen, aber mit steter Beharrlichkeit behält er sein Vorhaben im Auge. Nie folgt er der Eingebung des Augenblicks, sondern ist stets Herr seiner Stimmungen. Er ist ein scharfsinniger Beobachter des Weltgetriebes; Mitleid und Teilnahme am Geschicke anderer trüben weder sein Urteil noch bpeeinflussen sie sein Handeln. Die Schwächen der Menschen weiss er rücksichtslos zu seinem Vorteil zu gebrauchen. In sich verschlossen, hält er seine Pläne geheim und macht sie erst dann offenbar, wenn alle Hindernisse, die sich ihrer Ausführung entgegen- stellen, überwunden sind. Aus edlem Geschlechte entsprossen, wendet er seine Fürsorge besonders auch der Macht und dem Ansehen seines Hauses zu, für das er die Herzogswürde von Schwaben eifrig erstrebt.
7T. Mangold.
Mangold hat einen noch unfertigen, schwankenden Charakter. Sein Oheim Warmann übt einen bestimmenden Einfluss auf ihn aus, der um so nachhaltiger ist, weil er selbst vom grössten Ehrgeiz erfüllt ist. Stolz auf seine Abkunft aus erlauchtem Geschlecht, sucht er es mit jugend- lichem Eifer wieder zur alten Höhe emporzubringen. Mit grosser Tapferkeit kämpft er im Dienste des Kaisers und ist beglückt über die Anerkennung, die er für seine Thaten davonträgt. Sein brennender Ehrgeiz und der verderbliche Einfluss Warmanns haben ihn in Zwiespalt mit sich selbst gebracht; bald schreitet er weiter auf der betretenen Bahn, bald wieder erfasst ihn Reue über das Geschehene. Als er schon dem so heiss erstrebten Ziele ganz nahe ist, fühlt er so tiefes Mitleid mit dem unglücklichen Herzog, dass er um seinetwillen auf die Erfüllung seiner ehrgeizigen Wünsche verzichten will. Leicht erregbar, gibt er sich wechselnden Stimmungen hin, bald voller Hoffnung, bald niedergeschlagen und verzweifelnd. Einem solchen Charakter ist es nicht gegeben die Folgen seiner Handlungen im voraus zu berechnen, und so wird er gegen seinen Willen weiter getrieben, bis ihm eine Umkehr unmöglich wird. Den Wert und den Preis der Treue kennend, wird er doch zum Verräter an seinem Herzog.
8. Odo.
Stolzen und hochfahrenden Sinnes, strebt Odo nach Vergrösserung seines Besitzes. Er ist ein selbstsüchtiger und eigennütziger Charakter, der den Freund nur schätzt, wenn er ihn nützen kann. Aufopferung und Hingebung sind ihm verächtlich; um seinen masslosen Ehrgeiz zu befriedigen, eilt er seinem Ziele zu, unbekümmert um das Wohl und Wehe anderer. Wohl- meinenden Rat, der ihn zur Besonnenheit mahnt, weist er trotzig zurück und lohnt ihn mit Hohn und Spott. Ruhelos strebt er weiter, hastig und erregt ist seine Rede, zornig und aufbrausend sein Sinn. Kühn und verwegen, verkennt er die Grenzen seiner Macht, unterschätzt den Gegner und bereitet sich selbst den Untergang.
9. Hugo.
Hugo von Egisheim ist durch die Besonnenheit des Alters ausgezeichnet, überall zum Frieden mahnend und die Gegensätze auszugleichen suchend. Ein treuer Anhänger und Anverwandter des Kaisers, kennt er seine Macht und Willensstärke zu gut, um nicht vor dem Widerstande gegen ihn zu warnen. Welch tiefes Mitleid empfindet er mit dem unglücklichen Herzog, aber


