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Handlung und enthalte alles, was zur Hoffnung auf den Sieg des Helden berechtige; der Miss- erfolg Werners sei das erste Zeichen der fallenden Handlung. Auch diesen Versuch den Aufbau der Handlung zu konstruieren können wir keineswegs billigen. Von einem Umschwung kann an dieser Stelle durchaus nicht die Rede sein, da bis jetzt nichts zur Hoffnung auf den Sieg Ernsts im Kampfe gegen den Kaiser berechtigen konnte und die Aussicht auf Erfolg, welche der Versuch Werners Mangold zum Abfall vom Kaiser zu bewegen bietet, doch äusserst gering ist. Es ist eben unmöglich den Höhepunkt innerhalb der dramatischen Handlung an eine andere Stelle zu verlegen als an die, wo wir ihn gefunden haben und wo ihn ein jeder sogleich erkennen würde, wenn er durch die aufsteigende Handlung mehr in den Mittelpunkt des Dramas gerückt wäre. Am besten werden wir den Versuch Werners als das Moment der letzten Spannung be- zeichnen. Mangold hat sich schon in der Einleitung als einen wankelmütigen, der Reue zugäng- lichen Mann gezeigt, und so scheint für den Hörer nicht von vornherein jede Hoffnung auf Um- stimmung des feindlichen Heerführers ausgeschlossen. Sobald er freilich an die Gegenwart, Warmanns und den bestimmenden Einfluss dieses Mannes auf Mangold erinnert wird, muss ihm auch die geringste Aussicht schwinden. Das Auftreten Werners lässt sich auch deshalb recht- fertigen, weil es uns auf die Katastrophe Mangolds vorbereitet. Wir beginnen zu ahnen, dass auch ihm der Untergang im Entscheidungskampfe droht und dass der, welcher eben am Ziele seiner Wünsche zu stehen schien, dem gerechten Verderben entgegengeht.
Die letzte Scene des vierten Aufzuges bereitet die Katastrophe vor, welcher der ganze fünfte Akt gewidmet ist. Der Monolog Ernsts am Anfang jener Scene, der der trüben Stimmung des Helden und seiner Bewunderung für seinen Freund Ausdruck gibt, ist das Gegen- stück zu dem Selbstgespräch Werners im Beginn des vierten Aufzuges. Der Gang der Schlacht ist mit lebendiger Anschaulichkeit geschildert. Wenn Uhland uns den Verlauf derselben durch Adalbert und einige Kriegsleute berichten lässt, welche sie von einem Hügel überblicken, so ist er darin wie auch in Ludwig dem Baier berühmten Mustern gefolgt; Göthe im Götz und Schiller in der Jungfrau haben dasselbe Kunstmittel gebraucht. Die Katastrophe ist eine mehrfache. Nicht nur Ernst und Werner haben eine Schuld zu sühnen, sondern auch Mangold und Warmann. Haben jene durch ihren Ungehorsam gegen den Kaiser gefrevelt, hat Ernst durch das Streben nach Vergrösserung seiner Macht die Sache des Reichs geschädigt und Werner ihm hierbei Bei- stand geleistet, so tragen Warmann und Mangold die Schuld, dass sie aus strafbarem Ehrgeiz den Untergang Ernsts herbeiwünschten. Dass Ernst und Werner zu Falle kommen müssen, ist von vornherein gewiss, denn in dem Kampfe mit dem Kaiser konnten die Geächteten nur unter- liegen. Wie gross nun auch die Teilnahme sein mag, die wir für die treuen Freunde empfinden, wie sehr wir auch die sittliche Grösse bewundern, mit der sie ihre Aufopferung und Treue auch im Tode bewähren, ihr Untergang wird uns nicht nur notwendig, sondern auch als Sühne ihrer Schuld gerechtfertigt erscheinen. Die beiden ersten Empörungen gegen den Kaiser entbehrten jeder sittlichen Berechtigung, denn Ernst unternahm sie um des eigenen Vorteils willen, und Werner suchte mit Hilfe seines Freundes sein falsches, für das Gedeihen des Staates gefährliches Freiheitsideal zu verwirklichen. Der dritte und letzte Aufruhr, den uns unser Drama vorführt, ist freilich nur ein Akt der Notwehr, denn Ernst konnte unmöglich in das Verlangen des Kaisers willigen, aber auch da muss uns gegenwärtig bleiben, dass die beiden Freunde ihre Notlage selbst verschuldet haben. Durfte der Kaiser nach seinen Erfahrungen auch dem geistesstarken, that- kräftigen Werner verzeihen, der seine auf die Stärkung der Kaisergewalt gerichteten Pläne unab- lässig bekämpfte, oder auch nur eine Verbindung mit Ernst dulden? Und wenn Ernst sich für die Treue zu Werner entschied, hat er es nicht selbst verschuldet, dass er diesen hochherzigen Entschluss nicht ausführen konnte, ohne seinem Kaiser und Vater untreu zu werden? Hat er nicht selbst durch seine frühere Schuld den Zwiespalt unversönlicher Pflichten für sich hervor- gerufen? Wenn Mangold zugleich mit Ernst und Werner im Kampfe fällt, so erkennen wir auch darin eine gerechte Sühne. Mangold ist zwar nur das Werk seines Oheims, doch gesteht er selbst, dass er schon zu der Zeit, wo Schwaben dem Hause Ernsts gehörte, den strafbaren Ehr- geiz nach seinem Besitze genährt habe. Warmann ist in sich vernichtet, als er Mangold tot und seine klug bedachten Pläne vereitelt sieht. So wenig der Untergang Mangolds notwendig erschien, um so befriedigter sind wir über diese Erfüllung einer höheren Gerechtigkeit.
Auch an Konrad vollzieht sich eine Katastrophe. Als er seine Feinde vernichtet sieht, als er im Besitz der Krone von Burgund ist, nach der er so heiss gerungen hat, muss ers erleben,


