Aufsatz 
Über den dramatischen Wert von Uhlands "Ernst, Herzog von Schwaben" / vom ... Karl Krickau
Entstehung
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trägt. Ernst lehnt die Bitte Adalberts, er möge auf geheimem Wege entfliehen, ab, er will den Leichnam des Freundes nicht verlassen, und als der auf ihn eindringende Mangold ihn voll Mitleid auffordert sich zu ergeben und ihm die Verzeihung des Kaisers in Aussicht stellt, stösst er ihn zu Boden und wird dann selbst von Mangolds Kriegern getötet. Adalbert lässt die Gefallenen im Zelte Mangolds betten, vor dem der sterbende Warin die Herzogsfahne aufpflanzt, um seinen geächteten Herzog auch noch im Tode zu ehren.

Der Kampf ist zu Ende, die treuen Freunde und ihr Gegner liegen im Tode zusammen- gebettet, da kommt der Kaiser mit Gisela und seinem Gefolge. Adalbert erstattet Bericht von dem Heldentode der Freunde, Gisela bekennt, dass ihr in Ernst ihr Liebling genommen sei, und Warmann, der mit Mangolds Tode seine Hoffnungen vereitelt sieht, spricht auf des Kaisers Ver- langen die Freunde vom Kirchenbanne los. Da tritt Hugo von Egisheim auf und überbringt dem Kaiser das Haupt des erschlagenen Odo von Champagne und die Reichskleinode von Burgund, da König Rudolf verschieden sei. So hat der mächtige Kaiser obgesiegt über alle seine Feinde, aber unvergessen, so hofft die liebende Mutter, wird in Volkes Munde fortleben die Treue, die Herzog Ernst und Werner auch im Tode bewährt haben

II. Kritik des Aufbaus der Handlung.

Die erste Scene des ersten Aufzuges und von der zweiten der Teil, der das Gespräch Warmanns mit Mangold enthält, bilden die Einleitung in das Drama. Dieselbe enthält klar und bestimmt die Voraussetzungen, auf denen sich die Handlung aufbaut. Die wichtigsten Per- sonen ausser Werner werden vorgeführt und ihre Bestrebungen und Ziele soweit dargelegt, als zum Verständnis und zur Teilnahme des Hörers an der Handlung notwendig ist. Schon in der Einleitung beginnen wir trotz aller Versöhnung den neuen Kampf zwischen dem Kaiser und Ernst zu ahnen. Wenn wir Konrads Streben nach Stärkung der Kaisergewalt, seinen bestimmten und zielbewussten Charakter, sein eigenes Misstrauen in die Dauer der Aussöhnung gewahren, wenn wir hören, dass Ernst sich schon zweimal empört hat, dann argwöhnen wir, dass der Ausgleich zwischen ihnen keinen Bestand haben werde, und dieser Argwohn wird noch durch die Andeu- tungen Warmanns Mangold gegenüber bestärkt. 4

An die Einleitung schliesst sich unmittelbar die grosse Achtungsscene an, welche die wirkungsvollste im ganzen Drama ist. Sie entscheidet über das Schicksal des Helden und muss deshalb auf den Hörer den grössten Eindruck machen. Sie enthält zunächst das erregende Moment. Indem der Kaiser Ernst auffordert seinem treuen Freunde Werner zu entsagen, ist der Anstoss zur Handlung gegeben.

Die Handlung müsste nun einen steigenden Verlauf nehmen und etwa im dritten Auf- zuge ihren Höhepunkt erreichen. Die Eigentümlichkeit in dem dramatischen Aufbau Herzog Ernsts besteht nun darin, dass die steigende Handlung fehlt und die Höhe sich unvermittelt an das erregende Moment anschliesst. Wenn wir den Verlauf der ganzen Handlung betrachten, So ver- mögen wir an keiner andern Stelle die Höhe zu finden als in der Weigerung Ernsts den Willen des Kaisers zu erfüllen, denn sie bestimmt das Schicksal seines Lebens und muss ihn notwendig dem Untergang entgegenführen. Die Bewährung der Freundestreue, die Verzichtleistung auf das Herzogtum ist die einzige That, die Ernst bis gegen das Ende des Dramas vollbringt, und wenn er der Held der Tragödie ist, so muss diese That auch der Mittelpunkt der Handlung sein, so wenig sie auch nach ihrer Stellung am Ende des ersten Aufzuges äusserlich dazu berechtigt zu sein scheint. Dass sie schon hier ihre Stelle hat, erklärt sich eben daraus, dass Uhland versäumt hat sie aus der Seele des Helden zu begründen, das allmählige Werden des Entschlusses zu ent- wickeln und den innern Kampf vorzuführen, den der Held im Ringen um denselben durchmacht. Es ist ein Mangel, dass die That einfach berichtet, nicht aber die seelischen Vorgänge deutlich gemacht werden, durch welche der Held zum Entschlusse des Handelns gelangt. Das dramatische Gesetz will, dass solche folgenschweren Entschlüsse sich mit zwingender Notwendigkeit aus dem Charakter des Helden ergeben, dass der Hörer denselben soweit kenne, dass er die That selbst- verständlich findet. Nun tritt uns im Beginn des Dramas Ernst als Aufrührer entgegen, der auf seinen Vortheil bedacht sich gegen seinen kaiserlichen Stiefvater empört, als ein Mann, dessen Willenskraft durch das Fehlschlagen seiner Unternehmungen gebrochen scheint, und wenn wir die geschichtliche Thatsache von seiner Freundestreue nicht kennten, würden wir sie von einem Charakter,