Aufsatz 
Über den dramatischen Wert von Uhlands "Ernst, Herzog von Schwaben" / vom ... Karl Krickau
Entstehung
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niederzuschlagen und erinnert Gisela an ihren Eid. Als er den Saal verlassen hat, da fleht sie in ihrer Seelenangst die gnadenreiche Gottesmutter an und bittet für das Leben ihres Sohnes.

2. Während Gisela noch betet, naht ein Pilger mit gramdurchfurchtem Antlitz, dem eine schwere Schuld auf der Seele lastet. Es ist Adalbert von Falkenstein, der einst Herzog Ernst I., den Gatten Giselas, auf der Jagd mit dem Speere getroffen hatte. Indem er in ausführlicher Lebendigkeit den Tod des Herzogs erzählt, sucht er Gisela zu erschüttern, die gegen den Willen des Sterbenden ihr Witwentum nicht bewahrt hat. Um seine That zu sühnen, legte sich Adalbert die schwersten Bussübungen auf, aber er konnte seinen Seelenfrieden nicht wieder gewinnen. Als er nach langer Abwesenheit im heiligen Lande in die Heimat zurückkehrte und die Vermählung Giselas mit Kaiser Konrad und die Achtung Ernsts erfuhr, da glaubte er, der Tote lasse ihm keine Ruhe, weil sein letzter Wille nicht erfüllt sei. Er ermahnt Gisela, sie solle ihrem neuen Ehebund entsagen, aber mit der selbstbewussten Hoheit eines in seinem heiligsten Besitze ange- griffenen Weibes weist sie dies Ansinnen zurück und zeigt ihm den Segen, den sie in ihrem Hause und in ihrem Volke durch ihr treues und opferfreudiges Wirken gestiftet hat. Sie zeigt ihm die Unfruchtbarkeit seiner Bussübungen und mahnt ihn mit so starker Gewalt an die Pflichten, die er gegen sein eigenes Kind und gegen den Sohn seines von ihm zu Tode getroffenen Herzogs zu erfüllen habe, dass er sich wie durch Zauberkraft innerlich verwandelt und von aller Schuld frei fühlt und den Entschluss fasst sein Leben dem geächteten Herzog zu weihen.

4. Aufzug.

1. Im Schwarzwald am Fusse der Burg Falkenstein finden wir die Freunde wieder. Werner hält den schlafenden Ernst in seinem Schosse, als Adalbert herantritt und den Obdachlosen seine Burg anbietet. So elend und verlassen ist der geächtete Herzog, dass er zu dem Mörder seines Vaters seine Zuflucht nehmen muss. Da naht Warin mit einer kleinen Schar, die von dem Heere übrig geblieben war, das Hermann der Bruder Ernsts, nach Italien geführt hatte. Sterbend hatte der den Seinen befohlen das Schwabenbanner seinem Bruder zu überbringen, und den Todes- keim der Pest in sich tragend, kommen sie herbei, um mit dem Herzog auf dem Schlachtfelde zu fallen. Mit dem Leichenzug des Bruders zum Gefolge zieht Ernst in die Burg des Lehnsmannes ein, der einst seinen Vater gemordet hatte.

2. Mangold ist mit seinem Heere im Sehwarzwald angekommen und hat sein Lager in der Nähe der Burg Falkenstein aufgeschlagen. Hier sucht ihn sein Oheim Warmann auf und zeigt ihm, wie nahe nach dem Tode Hermanns die Erfüllung seiner längst gehegten Hoffnung auf die Herzogswürde in Schwaben sei, sobald er nur Ernst überwunden habe. Da lässt sich ein fremder Kriegsmann bei Mangold melden Es ist Werner, der ihn als Anverwandter zur Treue gegen seinen rechtmässigen Herzog mahnen, der ihn auffordern will auf eitle Ehren und Gunst- bezeugungen zu verzichten und sich gleich ihm dem strengen Dienst der Freiheit zu weihen. Die Warnung kommt zu spät, der zwar wankelmütige, aber ehrgeizige Mann kann nicht mehr zurück.

3. Ernst steht wehmütig an einem Fenster der Burg Falkenstein und erwartet die Rückkehr Werners. Als dieser erzählt, dass sie umzingelt sind und ihnen nur die Wahl zwischen Kampf und Ubergabe bleibt, rüsten sich Ernst und alle seine Getreuen todesmutig zum letzten Streite. Adalbert führt seinen Sohn herbei, und Werner bedauert es, dass er seinem Herzog nicht ein vielfach Leben weihen kann. Den entfärbten Purpurmantel, den sein Vater auf der unseligen Jagd getragen, um die Schultern, den verblassten Schild, den sein Bruder Hermann ge- halten, in der Hand, geht der Herzog an der Spitze seiner Mannen dem sicheren Tode entgegen.

S. Aufzug.

Mangold fürchtet schon, dass der an die rasche Ausführung seines Willens gewohnte Kaiser in das Lager komme, bevor er seinen Auftrag vollziehen konnte. Da bringt ihm ein Wachtposten die willkommene Nachricht, dass Ernst und die Seinen einen Ausfall gemacht haben. In der Enge des Thales lässt Mangold seine Schar sich ordnen, um die anstürmenden Feinde aufzuhalten. Vergebens suchen diese die lebendige Mauer zu durchbrechen. Indessen bleibt Adalbert auf einem Hügel zurück, um vor einem etwaigen Angriff im Rücken rechtzeitig zu warnen, und erstattet uns Bericht von dem Gang des Gefechtes. Mit Todesverachtung kämpft die kleine Schar, allen voraus Werner, bis er verwundet niederstürzt und Ernst den treuen Freund aus der Schlacht