Aufsatz 
Über den dramatischen Wert von Uhlands "Ernst, Herzog von Schwaben" / vom ... Karl Krickau
Entstehung
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der Kaiser, dass er nur ein Werkzeug des ehrgeizigen Grafen sei, vergebens mahnt er ihn an die zwiefache Pflicht, die er gegen ihn als Vater und als Kaiser habe, vergebens warnt er ihn vor der Reichsacht, die ihn treffen müsse, Ernst will dem Freunde treu bleiben, der ihm Treue hielt. So spricht denn der Kaiser die Acht des Reiches und Bischof Warmann den Bann der Kirche über ihn aus, und dem Tode verfallen, aber dem Freunde unerschütterlich treu, zieht er von dannen. Sein Bruder Hermann erhält das Herzogtum und zugleich den Auftrag ein Heer nach Italien zu führen.

2. Aufzug.

1. Auf der Heerstrasse bei Basel sieht Ernst den Grafen Odo von Champagne, der wie er als Anverwandter Rudolfs Ansprüche auf Burgund erhebt, und den Grafen Hugo von Egisheim, einen treuen Anhänger des Kaisers. Hugo warnt Odo vor unbesonnenem und unheilbringendem Kampfe mit dem Kaiser und zeigt ihm den Wankelmut der burgundischen Grossen, die sich auf die Nachricht von der Achtung Ernsts sofort für Konrad erklärt hätten. Da tritt Ernst an Odo heran und begehrt von ihm Hilfe in seiner tiefen Not, aber mit zürnenden und höhnenden Worten weist dieser ihn von sich und schilt ihn, dass er für einen Landesverwiesenen sein Herzogtum verloren habe und nun selbst ein weggejagter Bettler sei. Ehrlos ist das Schwert des Geächteten, und so muss Ernst die Schmach ruhig dulden.

Nach Odos Weggang sucht Ernst Trost bei Hugo, dessen Tochter Edelgard einst seine Braut gewesen ist. Wohl weiss er, dass er, der mit dem Bannfluch Beladene, sie nie besitzen darf, doch möchte er erfahren, ob sie des Unglücklichen noch zuweilen in Liebe gedenke. Als ihm Hugo dann erzählt, dass sie auf die Nachricht von seiner Achtung hoffnungslos in ein Kloster gegangen sei, da ist für Ernst auch der letzte Hoffnungsstern verloschen. Schon glaubt der einsam Verlassene in einem herantretenden Kriegsknechte einen gedungenen Mörder zu finden, als er in ihm den Freund erkennt, den Gott ihm in seiner grössten Not zur Stütze sendet.

2. Beide Freunde erkennen sich gegenseitig den Preis der Treue zu, und nachdem sie sich unter einer Eiche gelagert, erzählt Werner, wie er Ernst auf die Nachricht von seiner Achtung gesucht habe. Auch auf Werner lastet Acht und Kirchenbann, aber stark und unge- brochen ist der willenskräftige Mann. In seiner Seele lebt ein Ideal, das ihn hebt und trägt und in aller Drangsal frisch erhält, der Gedanke an die Freiheit des deutschen Volkes, wie sie ihm am Tage der Wahl Konrads in lebendiger Kraft erschien. Die Erwähnung dieses denk- würdigen Tages erinnert Ernst noch einmal an das Glück seiner Liebe, das nun für ihn verloren ist. Aber auch die deutsche Freiheit lebt nur noch als Ideal in Werners Seele fort, ist in Wirk- lichkeit nicht mehr vorhanden, denn derselbe Kaiser, den freie Männer gekürt, sucht im Streben nach unbeschränkter Alleinherrschaft die Selbständigkeit der Grossen des Reichs und besonders auch Ernsts zu vernichten. Nicht nur als Freund, als Lehensmann, sondern auch um sein Ideal wieder in die lebendige Wirklichkeit zu übertragen, will Werner für Ernst gegen den Kaiser kämpfen bis zum letzten Atemzuge Er fordert ihn auf mit ihm in den Schwarzwald zu ziehen und im heimatlichen Schwaben Anhänger zum Kampfe zu gewinnen.

8. KAufzug.

Wir treten wieder in den Palast zu Aachen und finden Gisela im Gespräch mit Hugo von Egisheim, der von Basel angekommen ist und nach Rücksprache mit dem Kaiser in seinem Auftrage dahin zurückkehren will. Die liebende Mutter hegt die leise Hoffnung, der Kaiser werde Ernst noch einmal verzeihen, und so bittet sie Hugo, er mõöge den König Rudolf von Burgund und seine Vasallen bei der Treue gegen Konrad festhalten, damit Ernst nicht Gelegen- heit zu neuem Aufruhr fünde. Zugleich trägt sie ihm Grüsse an seine im Kloster weilende Tochter Edelgard auf.

Kaum ist Hugo fortgegangen, so treten der Kaiser und Mangold von Veringen ein und machen durch ihre Mitteilung die Hoffnung Giselas zu nichte. Mangold hat dem Kaiser aus Schwaben die Nachricht gebracht, dass Ernst und Werner eine kleine kriegerische Schaar ge- sammelt haben. Trotz Acht und Kirchenbann sind ihm viele aus dem Volke zugethan und haben seine Gestalt mit Sagen umwoben, indem sie die Jahre seiner Gefangenschaft in wundervolle Reisen im Morgenlande verwandelten. Der Kaiser gibt Mangold den Auftrag den Aufruhr eilig