Die sich an seine Tafel drängen
Und sich an seine Schöſse hängen, Was wird erst sagen der arme Mann, Der der Gnad' nicht sich rühmen kann?— Ihr fragt, warum so salbungsreich
Ich diese Worte richt' an Euch?
Es ist eines guten Pfarrers wegen,
Der glaubte, daſs der gröſste Segen
In dieser schnöden Jammerwelt Beständ' in Gut und rundem Geld. Darauf ging all sein Trachten aus; Von Habe strotzte schier das Haus, „Und an Gewändern welche Fülle!
Von gutem Korne voll die Scheune, Und in des tiefsten Kellers Stille Manch' rundes Faſs mit altem Weine. Er lebte, wie man sieht, ganz prächtig; Dabei war klug er und bedächtig
Und hielt das Seine hübsch beisammen. Wenn aber seine Freunde kamen
Und ihn um dies und jenes baten, Dann stellt' er ihnen hoch den Braten, Dann war verschlossen Ohr und Hand, Denn Wohlthun war ihm unbekannt.— Es hatte nun der Biedermann,
Wie ich getreu berichten kann,
„Nen Esel, der hieſs Balduin,
Er liebte niemand so wie ihn,
Und Meister Esel war es wert,
Denn schon seit vollen zwanzig Jahren, Die reich an Müh' und Arbeit waren, Hat er im Dienste sich bewährt.
Doch was da lebet, muls verderben, Und auch der Esel muſste sterben. Das schuf dem Pfaffen groſsen Gram Und— kaum ist's glaublich— sonder Scham Lieſs er die Reste seines Grauen
Auf gottgeweihtem Ort bestatten
In einer Esche stillem Schatten.— Nun lebte in denselben Gauen
Ein Bischof, den das ganze Land
Als höflich und freigebig kannt',
Der stets zu dienen war beflissen;
Der nicht verschmäht'nen guten Bissen, Doch muſst' es in Gesellschaft sein; Sein Hausstand war gewiſs nicht klein, Und alle Diener liebten ihn.
Jedoch ein Mann, der seinen Sinn
Auf fröhliche Gesellschaft setzt,
Mit lustigem Treiben sich ergetzt— Es hilft ihm nichts, er muſs es dulden, Dals bis zum Hals er kommt in Schulden. Als einst mit den Gesellen sein
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Er saſs bei einem kühlen Wein,
Da hob man auch zu sprechen an
Von manchem feisten Gottesmann,
Der reich an Geld und irdischem Gut Es emsig bält in geiziger Hut,
Doch nie dran denkt, die schuldige Ehr — Und fiel' es ihm auch noch so schwer— Dem Herrn und Bischof anzuthun.
Als man nach Namen forschte nun,
Da ward des Pfaffen auch gedacht,
Der so viel Schätze zusammenbracht'’,
Daſs für den reichsten der Prälaten
Sie alle ihn erklären thaten.
Und einer, der vor ihnen allen
Dem Bischof wollte wohl gefallen,
Der sagte mit verschmitzten Mienen: „Da kann ich Euer Gnaden dienen.
„Ich weiſs von ihm'ne Missethat— „Wenn man die brächte vor den Rat, „Da könnt' man ihn beim Schopfe fassen, „Und tüchtig ihm zur Ader lassen.“— —„Was that' er denn?“ der Bischof fragt; „Heraus damit, die Wahrbeit sagt!“— „O, Schlimmeres als ein Beduin'!
„Denn seinen Esel Balduin
„Hat er, das abgedroschene Racker, „Bestattef auf dem Gottesacker.“—
—„NVerflucht sei er, wenn er das that!“ Schreit voller Zorn da der Prälat. „Solch' eine Schmach ist unerhört!
„Der Teufel hat ihn wohl bethört.
„Ich fordere ihn vor mein Angesicht, „Und kann er widerlegen nicht,
„Was hier Herr Robert von ihm sagt, „Und dessen er wird angeklagt,
„Bei Gott, dann muſs ich mich bequemen, „In schwere Buſse ihn zu nehmen.“— Die Boten zu dem Priester eilen
Und führen ihn ohn' all' Verweilen
Vor das gestrenge Tribunal;
Glaubt's mir, nicht klein war seine Qual. „Verwegener, gottloser Wicht!“
Mit strengem Aug' der Bischof spricht, „Wo habt den Esel Ihr begraben? „Noch nimmer meine Ohren haben „Von solcher Missethat vernommen.
„So weit ist es mit Euch gekommen, „Daſs Ihr die Kirche schnöd' entweiht, „Und da, wo fromm die Christenheit „Die letzte Ruhestatt genieſst,
„Ihr habt vergraben Euer Beest!
„Ich schwör' es bei dem heiligen Geist: „Wenn sich die Sache wahr erweist,


