Aufsatz 
Rustebuef, ein französischer Dichter des XIII. Jahrhunderts / von Adolf Kressner
Entstehung
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und auf dessen Betreiben der Papst Gregor da- mals einen Kreuzzug ins Werk zu setzen suchte.

Ein ganz anderes Gesicht als bisher zeigt uns Rustebuef als Fableldichter; da ist der Ernst und die heilige Begeisterung aus seinen Zügen gewichen; in gutmütiger, behäbiger Weise erzählt er uns drollige, oft recht ge- pfefferte Geschichten, darin allerdings seiner satirischen Ader treu bleibend, daſs er mit schmunzelndem Spott gern Abenteuer von Priestern zum besten giebt, in denen dieselben gerade keine beneidenswerte Rolle spielen. Die Neigung, sich durch mehr oder weniger fabelhafte Erzählungen zu unterhalten, war in Frankreich von jeher vorhanden. Sie wurde durch die Menge neuer Eindrücke, welche die Einbildungskraft des noch jugendlichen Volkes durch die Kreuzzüge empfing, in hohem Grade begünstigt. Im Orient lernte man die arabischen Märchen, die Wunder von»Tausend und einer Nacht« kennen; man brachte sie mit heim in das Vaterland, noch vermehrt und verschnert durch das, was man selbst erfahren. Der gal- lische Geist aber, der, abhold der Poesie der »mondbeglänzten Zaubernacht«, an neckischer, satirischer und frivoler Darstellung sich erfreut, wulste bald diese Erzählungen der blendenden Farbe der orientalischen Phantasie zu berauben, und sie durch jene oft ausgelassene Heiterkeit zu ersetzen, welche unsere westlichen Nachbarn jederzeit charakterisiert hat. Die französischen Fablels*) wurden das getreue Bild des bürgerlichen Lebens einer Epoche, deren höchste Lebensverhältnisse ihre Spur in den Ritterromanen zurücklieſsen. Neckisch und beiſsend, aber durchaus nicht scharf untersuchend, mehr geneigt, über ihre Gegner zu lachen, als ihre Gründe zu widerlegen, unwiderstehlich zur Opposition getrieben, ohne jedoch der Autorität entraten zu können, verspotteten und neckten

*) Vergl. meine Geschichte der provenzalischen und altfranzösischen Litteratur. S. 186.

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die Franzosen schon im Mittelalter die Priester, denen sie ihr Gewissen ohne Widerstand unter- warfen, und die hohen Herren, deren Macht sie fürchteten. Die Fablels sind also nicht nur für den Litterarhistoriker von groſser Bedeutung, sondern auch für den Kulturhistoriker von Wert, wenngleich die Lektüre dieser oft grauen- haft zotigen und schmutzigen Erzählungen gerade keinen Genuls bereitet.

Rustebuef ist auf jeden Fall einer der an- ständigsten Fableldichter; daſs er auch einer der witzigsten und spottsüchtigsten ist, dürfte zur Genüge aus seiner Thätigkeit als Satiriker sich ergeben.

Da haben wir zunächst die launige Er- zählung(Le Pel du Vilain), worin uns der Grund mitgeteilt wird, warum die Bauern nicht in die Hôlle kommen. Die von köstlichstem Humor sprudelnde Geschichte entzieht sich leider wegen der näheren Details der Wiedergabe an dieser Stelle.

Doch kann ich es mir nicht versagen(zu- gleich als Probe der Fablelpoesie Rustebuefs), das folgende Fablel hier mitzuteilen, zumal das- selbe auch deswegen Beachtung verdient, als der Stoff in andere Litteraturen übergegangen ist.

Das Testament des Esels.

Wer leben will in dieser Welt

An Ehren reich und auch an Geld, Der muſs sich leider auch bequemen, Viel Arger in den Kauf zu nehmen. Verläumder giebts in hellen Haufen, Zu Hunderten die Neider laufen;

Und ist er noch so schön und nett Ich halte darauf jede Wett'

Wenn zehn er ladet zu sich ein,

Es werden sechs darunter sein,

Die voller Bosheit ihn bespritzen

Mit ihrer Zunge Gift, der spitzen. Und ihrer neun, die voller Neid

Ihm weder gönnen Glanz noch Freud'. Sobald der Wirt den Rücken kehrt, Halten sie ihn keines Hellers wert; Doch steht er ihnen gegenüber,

Dann flieſst ihr Lügenmaul schier über Von zuckersüſsen Schmeicheleien. Wenn's nun schon die ihm kaum verzeihen,