welche als Diener und Arbeiter ihren Unter- halt gewinnen; sie wollen gut bezahlt sein und wenig arbeiten, und wenn sie arbeiten, hüten sie sich wohl, auch nur eine Minute länger thätig zu sein, als sie brauchen. Selbst die Bauern drauſsen auf den Weinbergen wollen gute Bezahlung für wenig Arbeit.
Jetzt komm' ich zu der Ritterschaft, Der mangelts heut an Saft und Kraft. Kein Olivier, kein Roland mehr,
Sie alle hat verschluckt das Meer; Und wolltest Du die Welt durchwandern, Wo fändest Du wohl Alexandern? Verkommen sind sie und verfallen,
Es leben nur von Raub die meisten. Verschwunden sind die stolzen Recken Aus ihren glanzdurchströmten Hallen Und wegelagernd, hinter Hecken,
Aus sicherm Hinterhalt, erdreisten
Sie sich den Kaufmann anazufallen.
Die Klage über den Verfall der KRitter- schaft leitet uns auf ein anderes Gebiet der poetischen Thätigkeit Rustebuefs hinüber, auf seine Kreuzlieder. Der Dichter ist ein be- geisterter Anhänger der heiligen Kriege und schont keine Bitte, hält mit keiner Drohung und Satire zurück, wenn es gilt, die trägen Gemüter zur Teilnahme an dem»überseeischen Zuge« zu begeistern; man könnte wirklich zu der Annahme kommen, daſs er selbst im Morgen- lande gewesen ist, so lebendig schildert er die unglücklichen Verhältnisse der Christen, so ge- nau kennt er die Gesinnungen und Bestrebungen der Groſsen, welche in der Kreuzzugs-Bewegung des 13. Jahrhunderts eine Rolle spielen— doch ist dies nur eine Vermutung, welche sich aus des Dichters Werken nicht als Wahrheit be- weisen läſst. Wir werden in die Zeit nach dem ersten Kreuzzug Ludwigs IX. versetzt; bei seinem Abzuge aus dem heiligen Lande hatte der König die Festung Saint-Jean-dAcre Herrn Gieffroi de Sargines anvertraut und ihm hundert Ritter zurückgelassen. Rustebuef schwärmt ge- radezu für diesen Helden, der mit einer hand- voll Leute Wunder der Tapferkeit verrichtet; wenn man ihm erlaubte, sagt er, seine Seele
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gegen eine andere einzutauschen, so würde er die Gieffrois nehmen, und wenn seinen Körper, so keinen anderen als den des Tapferen. Dafs Gieffroi oft in harte Bedrängnis geriet, erfahren wir aus dem Gedichte La Complainte Gieffroi de Sargines, worin Rustebuef Gott und die Heiligen bittet, den Helden in ihren Schutz zu nehmen — denn auf den König und die Christenheit könnte man wohl kaum rechnen.
Der Dichter sah es nun als seine Aufgabe an, die Könige, Geistlichen und Ritter zu er- neuten Anstrengungen gegen die Türken auf- zurufen, und mit warmen Worten suchte er ihren säumigen Sinn zu wecken.»Ihr Kaiser, Könige und Grafen«, so ruft er aus in der„Com- plainte d'οutre mer“, Ihr Herzôge und Fürsten, denen man zum Vergnügen Geschichten erzählt von denen, die da in der Ferne für die heilige Kirche kämpften, sagt mir, wofür denkt Ihr das Paradies zu erwerben? Jene, von denen man Euch berichtet, gewannen es durch ihre Mühen und das Martyrium, das sie auf Erden erlitten. Seht, jetzt ist es Zeit, Gott selbst ruft Euch; seht, wie er die blutüberstrémten Arme ausbreitet,
er, durch den Ihr aus dem Feuer der Hölle er-
löst seid. Beginnt ein neues Leben, dienet dem Herrn mit lauterem Herzen, er zeigt Euch den Weg zu seinem Land, das widerrechtlich man beschimpft, dem Land, in das er seinen Sohn sandte, und wo er gelebt hat und gestorben ist. Ha, König von Frankreich, Treue und Glauben wankt; kommt ihm zu Hilfe, Ihr und der Gratf von Poitiers und Ihr anderen Barone! Jetzt gilt's! Jetzt sehet nicht auf Gold und Silber, wo das Recht Gottes auf dem Spiele steht. Gott will, daſs die ihm zu Hilfe kommen, welche einst zu seiner Rechten sitzen wollen. Und Ihr Prälaten, die Ihr, um den Leib vor dem Winde zu schützen, nicht zur Frühmette gehen wollt, die Ihr nach gutem Weine nur und leckeren und stark gewürzten Speisen trachtet— Euer ist der Krieg, Euer Gott ist es, der Euch ruft; Ihr denkt nur daran, den Leib zu mästen, was aber wird aus Eurer Seele werden? Ach


