Aufsatz 
Rustebuef, ein französischer Dichter des XIII. Jahrhunderts / von Adolf Kressner
Entstehung
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nicht mehr vorhanden, und noch viel weniger ähnliche, die mit noch grõſserer Frei- heit gegen Papst und König donnerten.

Verwandt mit den eben besprochenen sa- tirischen Gedichten gegen die Mönchsorden sind die, welche die Gebrechen der Zeit im allge- meinen geiſseln. Hier ist es nicht nur die Geistlichkeit, der die Wahrheit gesagt wird, sondern auch die Advokaten, die bürgerlichen Behörden, die Kaufleute, die Arbeiter, die Bauern müssen sich ihre Fehler in harten Worten vorwerfen lassen. Sehr bezeichnend ist in dieser Beziehung das GedichtLa Vie du monde. Die heilige Kirche, ruft der Dichter aus, klagt, daſs jeder sich zum Kriege gegen sie anschicke, es schlafen ihre Söhne, und sie ist in groſser Gefahr, wenn Gott ihr nicht mit seinem Rate beisteht. Die Gerechtigkeit hinkt, das Recht wird gebeugt, Edelsinn wankt und Wahrheit strauchelt, christliche Liebe erkaltet, Glaube fehlt, kurz, die Welt hat keine Wurzel, keinen Grund mehr. Falsche Ware und Wucher sind an der Tagesordnung, Keuschheit liegt darnieder, Wollust triumphiert, jeder denkt nur an seinen Leib und kümmert sich nicht um seine Seele. Was ist die Ursache von alledem? Der Mangel an Gottesfurcht, wie ihn des Papstes Herrschaft züchtet; daher kommen alle die UÜbel, welche die Tugend beugen. Da muſs man Wehe rufen über Frankreich, das Land der franken und freien Männer; jetzt ist es um diesen seinen Ruhm geschehen, und nur deshalb, weil es zu nachsichtig und nachgiebig gegen die For- derungen Roms gewesen ist. Sollte man nicht meinen, einen Reformator des 15. oder 16. Jahrhunderts zu hören?

Dasselbe Thema behandelt er in dem Gedicht De l'Estat du Monde; er erklärt, dals die Welt einst gut war; jetat sei sie das Gegenteil; ein jeder werde jetzt ein Raubvogel, der nur nach seinem Vorteil trachtet, und wenn auch der Nächste darüber zu Grunde geht. Er wendet sich zunächst gegen die geistlichen Orden, die manches Grundstück und Haus besäſsen, die

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manchen Thaler im Beutel hätten, die immer nähmen ohne zu geben, kauften ohne zu zahlen.

Wohl können sie den Reichtum mehren. Wer predigt noch an den Altären?

Wer liegt vor Jesu, vor Marien,

Vor den Aposteln auf den Knieen? Nach ihrer Regel ist der Beste,

Wer auf die Dinge dieser Welt,

Auf Gold, auf Wollust, lustige Feste

Am meisten hat den Sinn gestellt... Nun muſs ich von der Kirche sprechen, Von den Canonici, den frechen,

Die mästen sich mit Kirchengut,

Das anvertraut ist ihrer Hut.

Ob da ein Armer geht zu Grunde

An Hunger, Frost, an böser Wunde,

Ob ihm das Herz vor Kummer bricht, Das kümmert unsern Schmerbauch nicht. Ist nur mit Gold gefüllt der Kasten,

Ist warm ihr Rock mit schönen Quasten, Dann thun sie sich den Henker kümmern Um eines armen Teufels Wimmern... Nun müſst Ihr mich noch weiter hören! Zu der gelehrten Zunft gehören

Die Advokaten, die bestallt

Das Recht zu fördern, Unschuld schützen, Dem unterdrückten Mann zu nützen:

Sie thun dem Rechte an Gewalt,

Und, von dem falschen Feind gedungen, Verkaufen sie ihre feilen Zungen;

Was vorn ist, setzen sie nach hinten

Mit ihren trügerischen Finten,

Und Schliche wissen sie genug,

Um zu verdecken den Betrug.

Denn wenn das Geld in den Beutel klingt, Das beste Recht zu Boden sinkt.

Darauf eifert Rustebuef gegen die Über- griffe der Vögte und Gemeindevorsteher, denen er besonders Habsucht zum Vorwurf macht, die verstehen es gründlich, ihre Untergebenen zu rupfen und wissen hauptsächlich bei der Vergebung von Amtern die Schafchen zu scheren. Und nun gar die Kaufleute!

Die sind zu jeder Zeit bereit

Zu leisten einen falschen Eid,

Und schwören, daſs sind gut und heil

Die Waren, die sie halten feil,

Und dennoch sind es faule Lügen,

Da sie, wo's immer geht, betrügen.

Auch die»kleinen Leute« verdienen eine Rüge, 2*