daſs hier der leicht hingeworfene Witz dem Tone ernster Satire und bitteren Schmerzes Platz macht. Es mõgen hier einige Strophen des Ge- dichtes stehen:
Im Namen Gottes des Einigen,
Des Heiligen, Dreieinigen,
Ein Lied zu singen ich beginn',
Zu dem schon lang mich trieb mein Sinn; Dabei— mags Euch auch nicht bequemen— Will vor den Mund kein Blatt ich nehmen. Den Stoff giebt mir die böse Zeit,
Die nichts weiſs von Barmherzigkeit,
Die täglich immer schlimmer wird,
Zu groſser Freud' dem Höllenwirt.
Sie, die nie was gelernet han,
Was wenden die für Kniffe an,
Um sich den leeren Sack zu füllen!
Die werfen sich in graue Hüllen,
Die tragen Kutten auf nackter Haut,
Doch wehe dem, der ihnen traut!
Die werden durch Kriechen und falschen Schein In Frankreichs Hauptstadt Herren fein.
O Gott, behüte Paris die Stadt,
Die solch' Geschmeiſs zu tragen hat.
Die Barré haben mit Behagen
Ihr Lager dorten aufgeschlagen,
Wo nah' sie den Beguinen sind,
Zu denen zühlt manch' schönes Kind. Wenn sie nun zu einander gehen, Wer wird darin was Schlimmes sehen? Sie alle müssen allerwegen
Auf frommem Pfade sich bewegen, Einander helfen, trösten, schützen, Nach Leibeskräften einander nützen.
Gar leicht geht's zu bei den Beguinen;
Ich kann mit einem Beispiel dienen:
Wünscht eine sich den Ehestand,
Dann streift sie ab das Mönchsgewand.
Drum tritt man gern dem Orden bei;
Ich wüſste nicht, was leichter sei,
Als sich der Fessel zu entlasten;
Bei ihnen unbekannt ist's Fasten.
Wenn drob sie kommen zu himmlischer Freud,
Dann thut mir Sankt Laurentius leid... Jetzt muſs ich die Jakobiner Euch zeigen! Sie nennen Paris und Rom ihr reigen, Besetzen der Päpste und Könige Thron
Und klappern im Beutel mit goldenem Lohn. Weh' dem, der stirbt und nicht sie nennt Als schluckende Erben im Testament:
O, dessen Seele war übel beraten,
Sie muſs im höllischen Feuer braten.
Ihr Haſs ist furchtbar, d'rum schweige ich Tropf, Denn ich fürchte für meinen armen Kopf...
Die Gottestöchter sind nun zu nennen. Doch muſs ich offen hier bekennen,
Daſs niemals mir zu Ohren kam,
Daſs Gott der Herr ein Weib sich nahm. Glaubt Ihr die Lüge dumm und faul, Dann halt' ich mein geschwätzig Maul; Wenn nicht, zum Teufel ihr Gaukelspiel, Womit schon mancher Gimpel fiel!
O heilige Jungfrau, schau' darein,
Wie ist gewachsen die Sippe Dein!
Wer hätte je es sich gedacht,
Daſs unser König ist bedacht
Mit einer solchen Töchterschar?
Und doch, bei meiner Treu','s ist wahr: Der König zeugt der Töchter viel,
Die Töchter treiben dasselbe Spiel.
Lieb' Frankenland, du bist zu preisen, Kannst nun und nimmermehr verwaisen...
Nun höret noch von den Karthäusern! Sie wohnen jetzt in städtischen Häusern, Sie haben satt die Einsamkeit,
Sie machen in Paris sich breit.
Der wahre Glaube geht in Stücke
Zum Evangelium wird die Tücke;
Ein Gerechter nicht bestehen kann,
Er ist nur sicher als Ordensmann: Verachtet sind die wahrhaft Frommen. O, daſs es soweit konnte kommen!
Dieselben bitteren Vorwürfe gegen die Orden erhebt er in dem Gedicht»Des Roèͤgles«, sowie in den einzelnen Orden gewidmeten Strophen(Des Jacobins, Des Cordeliers, Des Be- guines); dieselben Klagen über die Verkehrung des goôttlichen Wortes, über das unsittliche Treiben der Mönche, über die Habsucht der Orden kehren bei jeder Gelegenheit wieder, und immer wieder klingt der Vorwurf gegen den König daraus hervor, der durch seine Nach- giebigkeit und schlecht angebrachte Frômmig- keit der Ausbreitung der Orden und der Stiftung neuen Vorschub geleistet hat.
Die Streitigkeiten, welche um die Mitte
des 13. Jahrhunderts die Jacobiner mit der Uni⸗- versität hatten, waren Wasser auf Rustebuefs


