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Denn nur in geheimen Nüchten Nahte sie dem Sünger leise, Selbst den Boden nie berührend, Spurlos, schwank, in Traumes-
weise.
Wollt' er sie mit Armen fassen, Schwand sie in die Wolken wieder, Und aus Seufzern, und aus Tränen Wurden dann ihm süsse Lieder.
Schiffer, Pilger, Kreuzesritter Brachten dazumal die Müäre, Dass von Tripolis die Gräfin Aller Frauen Krone wäre;
Und so oft Rudell es hörte, Fühlt er sich's im Busen schlagen, Und es trieb ihn nach dem Strande, Wo die Schiffe fertig lagen.
Meer, unsichres, vielbewegtes, Ohne Grund und ohne Schranken! Wohl auf deiner regen Wüste Mag die irre Sehnsucht schwanken.
Fern von Tripolis verschlagen, Irrt die Barke mit dem Säůnger; Kussrem Sturm und innrem
Drängen Widersteht Rudell nicht länger.
Schwer erkranket liegt er nieder, Aber ostwärts schaut er immer, Bis sich hebt am letzten Rand Ein Palast im Morgenschimmer.
Und der Himmel hat Erbarmen Mit des kranken Sängers Flehen,
In den Port von Tripolis Fliegt das Schiff mit günst'gem Wehen.
Kaum vernimmt die schöne Gräfin, Dass so edler Gast gekommen, Der allein um ihretwillen Übers weite Meer geschwommen:
Alsobald mit ihren Frauen Steigt sie nieder, unerbeten, Als Rudello, schwanken Ganges, Eben das Gestad betreten.
Schon will sie die Hand ihm reichen, Doch ihm dünkt, der Boden schwinde; In des Führers Arme sinkt er, Haucht sein Leben in die Winde.
Ihren Sünger ehrt die Herrin Durch ein prächtiges Begäüngnis, Und ein Grabmal von Porphyr, Lehrt sein trauriges Verhängnis.
Seine Lieder lässt sie schreiben Allesamt mit goldnen Lettern, Köstlich ausgezierte Decken Giebt sie diesen teuren Blättern;
Liest darin so manche Stunde, Ach! und oft mit heissen Tränen, Bis auch sie ergriffen ist Von dem unnennbaren Sehnen.
Von des Hofes lust'gem Glanz, Aus der Freunde Kreis geschieden Suchet sie in Klostermauern Ihrer armen Seele Frieden.
So sehr das Uhland ist, Uhland in der Konzeption wie in jedem Zug, so ganz spiegelt das folgende Gedicht Heine'’sche
Art.
Geoffroy Rudel und Melisande von Tripoli.)
In dem Schlosse Blay erblickt man Die Tapete an den Wänden,
So die Gräfin Tripolis
Einst gestickt mit klugen Händen.
¹) Heinrich Heine, Romanzero. Hamburg, Campe 1851. I. Buch. Historien.


