Aufsatz 
Rostands Princesse Lointaine als Schullektüre
Entstehung
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Über die Entstehung des Uhland'schen Gedichtes sind wir durch sein Tagebuch¹) aussergewöhnlich gut unterrichtet. Aus einem Kollektaneenheft wissen wir überdies, was dem Dichter den ersten Anstoss zu seiner Romanze gab. Es war ein in Johann Georg Jacobis(1740 1814) ZeitschriftIris veröffentlichter Artikel, von dem er am 22. Februar 1812 Abschrift nahm. Uhland's Auszug beginnt²): Gottfried Rüdell, ein berühmter Troubadour, dessen auch Petrarca mit Ruhm erwähnt, hatte von einigen Abenteurern, die den Kreuzzug gegen Saladin(l) mit- gemacht, Wunderdinge von der Schönheit der damaligen Gräfin von Tripolis gehört.(Fussnote: Sie war von Geburt eine Französin und keine Muselmännin) etc. Sicher hat Uhland später damit französische Darstellungen verglichen, offenbar aber keine, die Melissindens Namen überlieferte. Am 13. Juni 1812 ist im Tagebuch notiert:Ausarbeitung eines grossen Teils der Romanze von Rüdell; am 24. März 1813:Wiederauffassung des Rüdell; am 27. Juli 1814:Nachmittags einiges zu der Romanze von Rüdell. Am 5. August 1814 schliesslich vollendet der Dichter die ganze LiederfolgeSängerliebe und hat am 16. dieses Monats dieEinschrift beendigt. Im folgenden Jahr erschien die erste Auflage der Gedichte. Die Romanze hatte folgende Gestalt erhalten:

Rudello.

In den Talen der Provence Jene tapfern, schmucken Ritter, Ist der Minnesang entsprossen, Welch ein edler Sängerorden! Kind des Frühlings und der Minne, Jene hochbeglückten Damen, Holder, inniger Genossen. Wie sie schön gefeiert worden!

Blütenglanz und süsse Stimme Vielgeehrt im Sängerchore Konnt' an ihm den Vater zeigen, War Rudello's werter Name, Herzensglut und tiefes Schmachten Vielgepriesen, vielbeneidet War ihm von der Mutter eigen. Die von ihm besungne Dame.

Selige Provencer Tale, Aber niemand mocht' erkunden, Uppig blühend wart ihr immer, Wie sie hiesse, wo sie lebte, Aber eure reichste Blüte Die so herrlich, überirdisch War des Minneliedes Schimmer. In Rudello's Liedern schwebte;

¹) Uhlands Tagbuch 1810 1820. Aus des Dichters handschriftlichem Nachlass herausgegeben von J. Hartmann, Suttgart, Cotta 1893.

) Gedichte von Ludwig Uhland. Vollständige, kritische Ausgabe auf Grund des handschriftlichen Nachlasses besorgt von Erich Schmidt und Julius Hartmann. Stuttgart 1898. II. 83.