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lahmt in dem Masse, wie er dem Ziel näher kommt, und im Augenblick, wo er darnach fassen will, rührt ihn der Tod an. Glücklich noch, wer, wie Jaufre Rudel, einen Augenblick, und sei es der letzte, sieht, wie sein Traum sich verkörpert über ihn neigt, und der stirbt mit dem Kuss auf den Lippen, für den er sein Leben gegeben hat.“
Ja, viele Dichter— Dichter der verschiedensten Zeiten und der verschiedensten Völker— kleine und grosse— hat die ro-
mantische Geschichte angezogen. Die einen haben Bezug auf sie genommen, sie mehr oder weniger ausgeschmückt wiedergegeben, Betrachtungen daran geknüpft, sie zu verwandten anderen Er- zühlungen in Beziehung gesetzt oder sich endlich durch sie zu einem von derselben Idee beherrschten Werk begeistern lassen. Von anderen ist der Stoff, die Mär selbst, neu und selbständig gestaltet worden.
Zur Gruppe der ersteren gehören, von Provenzalen ab- gesehen¹), Petrarca, Leopardi, Carducci, Stendhal, Tieck, Heine, Swinburne; zur zweiten Gruppe Uhland, nochmals Heine, Mary Robinson, endlich Rostand.
Die Stelle, wo Petrarca(† 1374) Rudel mit Namen nennt (Gianfré Rudel!) und seiner Liebe gedenkt, findet sich in dem berühmten Zyklus„Del trionfo d'amore“ IV, 52 und 53. Oft ist darauf verwiesen worden; und Giusué Carducci, der jüngst (16. Februar 1907) verstorbene und mit königlichen Ehren bei- gesetzte Toskaner, hat an Petrarcas Worte angeknüpft, als er am 8. IV. 1888 in Rom einen Vortrag hielt über„Jaufre Rudel, poesia antica e moderna“ ²). In dieser„lettura“ gab er auch, ausser einem Lied Rudels, die vorerwähnte alte Lebensbeschreibung in modernem Italienisch. Vor allem aber bemühte er sich darzu- tun, dass sich Giacomo Leopardi's(† 1837) Roman Con- salvo nur begreife, wenn man ihn durch bewusste Anlehnung an Jaufre Rudels rührende Liebesgeschichte entstanden denke. Als Herausgeber von Leopardis prosaischen Schriften war Carducci
¹) Vgl. Albert Stimming, Der Troubadour Jaufre Rudel. Kiel 1873. S. 21 und 22.
²) Bologna(Nicola Janichelli) 1888. Mit wertvoller Bibliographie. Wieder abgedruckt in Carduccis gesammelten Werken Bd. X. S. 243— 278, wo aber der Untertitel„poesia antica e moderna“ weggeblieben ist.


