herrscht an Bord. Überall im Tauwerk hängen die Schiffer und
schwingen die Mützen und jauchzen der Nahenden zu. Ja selbst
in den Augen des skeptischen Arztes glänzen Freudentränen.
— Wie kann man der Prinzess etwas zu liebe tun? Einer schlägt vor: „Lasst sie den Fuss auf unsre Jacken setzen!“
Und alle reissen die zerfetzten Jacken von den Schultern und breiten sie auf dem Deck vor Melissinde aus. Murmelnd läuft es durch die Reihen:
„Pst, stille!“—„O, da ist sie!“—„Schau doch, schau „So knie doch!“—„Stosst doch nicht!“—„Pst!“
Tiefe Stille. Die Violen sind verstummt. Geräuschlos legt die Galeere an. Weihrauch steigt empor, und unter dem Zelt- baldachin erscheint Melissinde. Sie steht einen Augenblick be- wegungslos. Ein Matrose sagt während der tiefen Stille leise:
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„Unsre liebe Frau!“ Zwei türkische Sklaven kommen, um einen kostbaren Teppich vor Melissinde auszubreiten. Sie weist sie mit einer Handbe- wegung zurück und wendet sich bewegt zu den Schiffern: „Nein, nein— ich wandl' auf diesen Linnenfetzen!“ Ganz langsam kommt sic näher und schaut wie betäubt um sich. Ihre Frauen ordnen sich geräuschlos im Hintergrund. Die Musiker bleiben in der Galecre. Erasmus und Trophime ent- ziehen ihr den Anblick des Prinzen, der die Augen geschlossen hat und bewusstlos scheint. Melissinde ist überwältigt von dem, was sie sieht:
„O dieses Schiff! und weinende Matrosen
Zu Füssen mir!— Bei Gott, ich ahnte nichts Von solchen Leiden— ach, unsäglich grossen!
O all die Armen, Bleichen, Abgezehrten!
Und nun, durch mich, ihr Auge in Entzücken!
Ich lindre dieses Leid, ich darf beglücken!
Wie konnt'’ ich ahnen, so begrüsst zu werden!
— Bertrands Bericht— wie wahr, ich durft' ihm trauen; Und doch, was hilft das Hören... man muss schauen!“
Aber noch hat sie den nicht gesehn, um dessentwillen sie


