Darin ihr Spiegelbild die Stunden haschen, Ihr habt—— den flatterhaft’sten der Pocten!
Dass die Erkenntnis nicht dazu Dich brachte, Mich zu verachten, wie ich mich verachte! Du, die mit Circens Künsten mich umstrickt, Vernichtet hat— um einer Laune willen..!“
Das trifft Melissinde ins Herz. So ist ihm ihre„erhabene Leidenschaft“ erschienen?
„Und dafür ward das Schändliche getan?!“
Und als Bertrand, von einem Extrem ins andere fallend, nun wieder auf sie zustürzt, um„in ihren Haaren seine Reue zu begraben“, da weist sie ihn stolz zurück:
„Zu spät! Wie würdelos! Zurück von mir!
Dafür geschah das Schändliche, dafür?!
Doch Unglückseliger, darf ich Dich richten?
Ich bin enttäuscht— wes darf ich Dich bezichten? Dass ich in Deinem Arm Vergessen nicht gefunden? Dass in der Brust der Zwiespalt nicht geschwunden? — 0O Herz, das ohne Ruhe immer war,
Fühlst du wohl je erfüllten Glückes Wonnen?
Wirst du nicht hungern, dürsten immerdar?
Wo wächst das Brot für dich? Wo quillt dein Bronnen?—
Ja, es ist vorbei! Und alles ist aus! Was muss der arme, vergeblich harrende Freund in der Todesstunde gelitten haben! Und mit ausgebreiteten Armen, den Toten um Vergebung an- flehend, stürzt Melissinde auf das Fenster zu. Da— ein lauter Aufschrei: Das Segel ist weiss, der Totgeglaubte lebt! Das schwarze Segel haben an Bord der kaiserlichen Galeere die Mannen des grünen Ritters gehisst, die im Begriffe stehen, mit ihrer traurigen Fracht Byzanz zuzusteuern. Melissinde aber weiss, was ihr zu tun übrig bleibt, da jetzt wie ein„letzter heller Gnadenschimmer“ das weisse Segel winkt:
„Noch kurze Zeit, ach, bleibe weiss und rein! Laut ruft die letzte Pflicht— ich folge schnell. Du weisses Segel sollst mein Leitstern sein.. Ich komm zu Dir— ich komm, Joffroy Rudel!“


