Aufsatz 
Rostands Princesse Lointaine als Schullektüre
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vom kalten Hauch beschlichen, der wie Eis

Sie trifft und mahnt an das, was nur das Fenster weiss!

Doch weilen wollen alle, schauen nicht;

Denn ihrer harrt das Schiff schmerzlicher Pflicht

Und ruft sie weg vom Glück, an dem sie naschen.

Sie wollen nicht, wenn es zu spät, mit Grau'n

Des Vorwurfs schwarze Folterqual erhaschen.

Drum in den Kissen stellen sie sich blind,

Den schönen Traum vom Glück nur nicht zu missen,

Der doch versinkt, wenn sie durchs Fenster schau'n!

Sie woll'n nicht wissen, wenn sie Mörder sind....

Verstecken wir, wie sie, uns in die Kissen!

Da ertönen Stimmen draussen. Melissindens Edelknaben sind beim Knöchelspiel. Plötzlich erregt etwas auf dem Meer ihre Aufmerksamkeit.Seht doch das Schiff! ruft einer dem andern zu. Die Liebenden fahren zusanmmen und erschreckend deutlich tönt es von draussen:

Seht eben hissen sie das schwarze Segel!

Stimmen und Schritte entfernen sich. Bertrand und Melis- sinde wagen sich nicht mehr anzuschen und gehen langsam aus- einander. Tiefes erdrückendes Schweigen.

Nach einem missglückten Versuch, ein nichtssagendes Ge- spräch zu beginnen, macht sich Bertrands Verzweiflung Luft:

Oh es ist vorbei!

Tot! Er ist tot! Mein Bruder! Wehe mir!

Sein letzter Wunsch ist unerfüllt geblieben!

Tot! tot! Was tat ich? Ach, was tatet Ihr? Melissinde: Entsetzlich ist's und doch, jetzt bist Du mein! Bertrand: Dein? Ha, du könntest den Verräter lieben? Melissinde: Verräâter sein aus Liebe das ist gross! Bertrand: Gross? Ich? Auch als Verraäter bin ich klein!

Verbrecher, den als Helden rühmt die Tat,

O wär' ich's! Doch ich gleich' dem schwachen Kinde,

Das jedes milde Lüftchen rettungslos

Verhätschelt bin ein schwankes Rohr im Winde!

Ihr habt mich, wähnt Ihr? Töricht eitles Reden!

Der Winde Spielball nur, den Bach, den raschen,